Von einem Kampf ist nicht viel zu spüren

Bochum.  „Ich werde das Stück auch jetzt nicht verstehen“, soll Roger Vontobel im Vorfeld seiner Bochumer Inszenierung von Brechts „Im Dickicht der Städte“ gesagt haben. Vielleicht liegt es daran, dass seine Einrichtung denn auch an Rätseln groß bleibt und sich der Sinn des Ganzen dem Zuschauer so recht nicht erschließen will. Dabei hatte Vontobel diesen frühen Brecht bereits 2011 schon einmal in Paris eingerichtet, für Bochum brauchte es also nur noch eine Überarbeitung.

Genutzt hat es nicht viel. „Der Kampf zweier Männer in der Riesenstadt Chicago“ hat Brecht sein Stück untertitelt. Eine Anspielung wohl auf den Boxsport, der dem Autor nach 1920 als „große mythische Vergnügung“ wohl viel Spaß bereitet hat. Aber von einem wirklichen Kampf zwischen dem asiatischen Holzhändler Shling (Matthias Redl-hammer) und dem kleinen Angestellten George Garga (Florian Lange) ist eigentlich nicht viel zu spüren. Laut Brecht liegt es wohl an der „Vereinsamung in der Großstadt“, dass Shlink sich ein perfides Spiel einfallen lässt, um den geistig nicht sehr großzügig ausgestatteten Garga in die Knie zu zwingen.

Als er es mit Geld nicht schafft, den Angestellten zu erniedrigen, führt er ihm kurzerhand seine angetrunkene Freundin als Hure vor und konfrontiert ihn mit der Tatsache, dass seine Schwester bei ihm wohl nicht nur als Hausmädchen arbeitet.

So versinkt denn der Sinn von Brechts ohnehin befremdlichem Konstrukt in lauter zweifelhaften Regieeinfällen. Am Ende hat man zumindest begriffen, dass zwei Stunden sehr lang sein können.

 
 

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