Vom Sauerland bis an die Waterkant

Hallenberg..  „Heimatlos“ ist Carsten Hesse nicht. Aber „Unter fremden Sternen“ weilt er oft. Und wo immer er auftritt, hört er: „Junge, komm bald wieder!“ Wenn der 43-jährige Hallenberger eine der eigens in Hamburg gefertigten Kapitänsmützen aufsetzt und die blaue Seemannsjoppe anzieht, dann wird er zu Freddy Quinn oder Hans Albers. Als „Freddy Albers“ - eine Mischung aus beiden - ist er inzwischen deutschlandweit zum Begriff geworden. Und sein Schiff steuert weiter auf Erfolgskurs.

Zweites Standbein auf dem Kiez

Eigentlich ist Carsten Hesse gelernter Großhandelskaufmann. Seine Brötchen verdient er beim Felgenhersteller Borbet in der Abteilung TÜV-Gutachten. Aber seine Freizeit steht ganz im Zeichen der Musik. Neben Elvis, Frank Sinatra oder Dean Martin ist sein Alter Ego „Freddy Albers“ momentan sehr gefragt. Beim Scampi-König „Gosch“ im „Café Keese“ auf der Hamburger Reeperbahn hat Hesse inzwischen in über 50 Shows gesungen. „Ich bin mindestens ein Wochenende im Monat dort. Im Herbst auch wieder zwei“, verrät der Junge vom „Nuhnestrand“. Der Fernsehsender „Hamburg 1“ hat bereits wieder für einen TV-Auftritt anlässlich der „Cruise Days“ im August angefragt.

Zu jeder Show kommen mittlerweile Stammgäste, um die Schlager von damals zu hören. Hesse: „Die zahlreichen Termine auf dem Kiez haben mir schon zig Folge-Auftritte eingebracht. Zum Beispiel für den St.-Pauli-Bürgerverein, das Panoptikum oder für den Hans-Albers-Freundeskreis.“ Das sind Geschäftsleute, die 1996 Geld organisiert hatten, um das Grab vom „blonden Hans“ auf dem Ohlsdorfer Friedhof zu retten, das seinerzeit eingeebnet werden sollte. „Wenn die Wohnungsnot in Hamburger Kieznähe durch den Abriss der Esso-Häuser nicht noch größer geworden wäre, hätte ich bestimmt schon eine Zweitwohnung an der Waterkant“, sagt Hesse.

Besonders stolz ist der 43-Jährige aber auf zwei Shows in Nürnberg mit den Nürnberger Symphonikern. „So ein Auftritt mit 60 Streichern, Bläsern, Harfen und allem, was dazu gehört – das war schon ein unglaubliches Erlebnis.“ Und zum Glück nicht das Letzte dieser Art. Denn Freddys Auftritt hat den Dirigenten und Arrangeur Heinz-Walter Florin aus Königswinter so beeindruckt, dass er den Hallenberger erneut in ein großes Programm eingebettet hat. Am 31. Mai und am 1. Juni (der letzte Termin ist bereits ausverkauft) tritt „Carsten-Freddy-Hans“ Hesse in der Kölner Philharmonie bei der Show „Souvenirs, Souvenirs“ auf. Stargast des Abends ist Bill Ramsey.

Musik kommt aus Bauch und Seele

Der Deutz Chor Köln ist dabei, so dass über 100 Musiker auf der Bühne stehen werden. Auch Carsten Hesses langjährige Kollegin aus der Swing-Company Wiesbaden, Angelina Monti, tritt dort auf. Die Moderation übernimmt Gisbert Baltes. Die Gala ist diversen Konzertagenturen und Symphonie-Orchestern angeboten worden, so dass sie vermutlich noch häufiger zu sehen sein wird.

Carsten Hesse ist Vollblutmusiker. Er braucht keine Noten, bei ihm kommt die Musik aus Bauch und Seele. Seine Großmutter spielte und sang damals zur Gitarre, seine Mutter war 30 Jahre in verschiedenen Bands aktiv, und sein Vater hatte eine riesige Plattensammlung. Klar, dass der Hallenberger vom Musikvirus infiziert wurde, sich Gitarre, Ukulele und Klavier selbst beibrachte. Mehr als 2000 CDs, 600 Musik-DVDs, 13 Gitarren, 7 Ukulelen und ein Klavier nennt er sein Eigen. Seit über 20 Jahren ist er solo und mit verschiedenen Formationen deutschlandweit unterwegs. Hesses Markenzeichen: Er kommt sehr nah ans Original von Freddy Quinn, Hans Albers oder Elvis heran. „Aber ich parodiere oder imitiere sie nicht. Dafür habe ich viel zu viel Hochachtung vor ihnen.“

Bis nach Köln oder Hamburg müssen die Sauerländer übrigens nicht reisen, um Freddy Albers zu hören. Am Pfingstsonntag singt er in der Kurmuschel Winterberg – unter heimischen Sternen.

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