Vielfalt beim Open Source

Yassin Bey, der unter dem Namen Mos Def zur Hip-Hop-Legende wurde, beim Auftritt in Düsseldorf.
Yassin Bey, der unter dem Namen Mos Def zur Hip-Hop-Legende wurde, beim Auftritt in Düsseldorf.
Foto: WAZ
5000 Besucher kamen zur Düsseldorfer Galopprennbahn, um auf dem Open Source Festival ein vielfältiges Musikprogramm zu erleben – von Hip Hop über Jazz bis Indie-Rock.

Düsseldorf.. Yasiin Bey wundert sich, zögert, schmunzelt und entscheidet sich für die philosophische Antwort: „Du musst darauf achten, dass du gute Schuhe anziehst, weil Schuhe dich durchs Leben tragen“, sagt er und blickt auf seine braunen Lederstiefel. Als das Fernseh-Interview beendet ist, dreht er sich ab, schnorrt sich eine Zigarette und schmunzelt wieder. Nach seinen Schuhen, sagt Bey, der unter dem Namen Mos Def zur Hip-Hop-Legende wurde, ist er unmittelbar nach einem Konzert noch nie gefragt worden.

Zumal der übrige Teil seines Outfits deutlich auffälliger ist: Bey trägt auf dem Düsseldorfer Open Source Festival einen Salwar Kamiz, einen traditionellen arabisch-persischen Anzug, darüber ein blaues Sakko. Und er hatte nur Minuten zuvor einen ganz bemerkenswerten Auftritt mit dem Robert Glasper Experiment geliefert: Beys Sprechgesang zu Jazz-Harmonien und Hip-Hop-Beats der Band, die erst im Februar mit dem Grammy für das beste R&B-Album des vergangenen Jahres ausgezeichnet wurde.

Dass Bey sich nach kurzer Irritation im Interview für die philosophische Antwort entscheidet, ist im Übrigen keineswegs überraschend – gilt er doch als tiefgründiger, sozial-kritischer, mitunter auch politischer Künstler. Die Menschen sollen verstehen, sagt Bey nachdem er auf der Bühne über Gemeinschaftssinn, Freiheit und in der tief stehenden Abendsonne über wunderschöne Tage gerappt hatte.

Schwierig zu begeisterndes Publikum

Robert Glasper, der wie lange niemand vor ihm den Jazz ins populäre Heute holte, weil er ausgebildet an der New-School-Universität in New York im Jazz gleichermaßen heimisch ist wie im Hip Hop, sagt: „Ich denke niemand macht, was ich mache. Also versuche ich den Leuten zu zeigen, wer Robert Glasper ist – und ich denke das haben sie verstanden.“

Das allerdings hat für viele im Publikum eine Weile gedauert. Das Programm des Open Source Festivals ist vielfältig: Glasper und Bey mit Hip Hop und Jazz spielten auf der großen Bühne zwischen den Elektro-Party-Poppern von FM Belfast, die ihre Hosen fallen ließen, und den Indie-Rockern von Dinosaur Jr., die ihre beste Zeit wohl in den späten 80ern und frühen 90ern hatten. Auf zwei kleineren Bühnen, eine davon nur für Talente aus der Region, standen etwa der britische Dubstep-Pionier Mala in Cuba oder die von Düsseldorf nach Berlin ausgewanderte Akustik-Pop-Band E is for Ego. Diese Vielfalt zieht – natürlich – auch eine vielfältiges Publikum an. Wie im erfolgreichen Vorjahr sind 5000 Besucher auf die Galopprennbahn gekommen – ein schwierig zu begeisterndes Publikum.

Darüber sprechen auch Glasper und Bey, als sie hinter der Bühne ihre Interview-Pflichten erledigt haben: Es war schwierig, aber es war gut. Dann gehen sie zum Essen in den VIP-Bereich, über eine kleine Brücke unter die Talentbühne steht. Dort spielen gerade Ö, ein Düsseldorfer Hip-Hop-Trio. Bey bleibt einen Moment stehen, nickt und sagt: „nice“ – ein Lob für den lokalen Nachwuchs aus dem Mund der Legende, direkt und unphilosophisch.

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