US-Comedienne Amy Schumer macht schmutzig-feministisch Spaß

Amy Schumer bei der Premiere ihres Kinoerfolges "Trainwreck", der in Deutschland ab Mitte August als "Dating Queen" in den Kinos läuft.
Amy Schumer bei der Premiere ihres Kinoerfolges "Trainwreck", der in Deutschland ab Mitte August als "Dating Queen" in den Kinos läuft.
Foto: imago
Amy Schumer ist mit ihrer Komödie "Dating Queen" in die erste Liga der Comedians aufgestiegen. Dabei glänzt sie mit wenig familienfreundlichem Humor.

Washington.. Dass Frauen schmutzige, schlüpfrige und trotzdem feministische Witze reißen können, ist in Amerika seit den Großtaten von Comedy-Ikonen wie Sarah Silverman, Tina Fey, Julia Louis-Dreyfus, Chelsea Handler und Amy Poehler keine Neuigkeit mehr. Trotzdem kriegt sich die Unterhaltungsbranche gerade gar nicht mehr ein über den steilen Aufstieg einer drallen Blondine aus Manhattan, die es mit ihren unterleibsbezogenen Betrachtungen zum untrüglichsten Seismographen für den aktuellen Spielstand auf dem Schlachtfeld der Geschlechter gebracht hat: Amy Schumer.

Aus der anarchischen Petri-Schale des „Comedy Central“-Fernseh-Imperiums ist die 34-Jährige, deren erster selbst verantworteter Film „Trainwreck“ am 13. August in Deutschland unter dem dumpfen Titel „Dating Queen“ in die Kinos kommt, in die Liga der 1a-Stars aufgestiegen. Schauspieler wie Paul Giamatti, Jeff Goldblum und Dennis Quaid reißen sich um Nebenrollen in ihren Mini-Filmchen aus der TV-Serie „Inside Amy Schumer“. Im Herbst gibt sie in New York für „Madonna“ die Ein-Frauen-Vorgruppe. Das „Time“-Magazin zählt sie zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten auf dem Planeten. Hollywood-Schönheit Anne Hathaway wünscht ihr einen „Oscar“. Und Jon Stewart, der scheidende Held der sozialkritischen Late-Night-Comedy, wollte die Trägerin des renommierten Peabody-Fernsehpreises sogar als seine Nachfolgerin anheuern.

Fuckability als neue Währung

Schumers Paraderolle des (in Wahrheit blitzgescheiten) prolligen Dummchens, das zwischen Übergewicht, Cellulite, trostlosen One-Night-Abenteuern, zu viel Chardonnay und noch mehr Bindungsangst vor keiner Selbstdemütigung zurückschreckt, findet inzwischen ein eingeschworenes Millionen-Publikum - bei Männern wie Frauen. Als Anti-Serum zum Gift des Blondinen-Herrenwitzes spießt die im College-Volleyball zu kräftigen Beine gekommene Schumer nichts lieber auf als den Selbstverbesserungswahn ihrer straffenden, absaugenden und aufpolsternden Geschlechtsgenossinnen. Dass sie es auf eigene Kosten tut, dabei keine Verwundbarkeit verschleiert und politische Korrektheiten tapfer ignoriert, macht sie ehrlich und authentisch.

In die Wiege gelegt war ihr das Rampensäuische nicht. Schumer, verwandt mit dem bekannten New Yorker Senator Chuck Schumer, war neun, als die Familie Bankrott anmeldete. Kurz danach bekam ihr Vater Multiple Sklerose, die Eltern ließen sich scheiden. Amy (ledig) und ihre Schwester Kim, die mit einem Psychiater verheiratet ist und neben ihren Kindern die Witzeproduktion des Stars managt, haben die emotionalen Dellen aus dieser Zeit nie ganz ausbeulen können. „Trainwreck“, oft autobiographisch, erzählt davon.

Im deutschen Kleinkunst-Biotop hat sich die selbsternannte Pussy-Terroristin Carolin Kebekus bei ihren Auftritten Amy Schumers neue Währung im Geschlechterkampf heimlich ausgeborgt: fuckability. Beischlaftauglichkeit. Aber nur bei Schumer im Original muss man an den Lehrsatz von Désirée Nick denken: „Manche Frauen kriegen von neuen Schuhen Blasen, bei mir ist es umgekehrt.“

Wache Beobachterin hinter schriller Oberfläche

Schumers Rauschgoldengel-Gesicht dient bei Ausflügen in die Niederungen des Zwischenmenschlichen als Camouflage. Hinter der Niedlichkeit wartet ein Säurebad der Pointen, von denen hier mangels Familientauglichkeit kaum eine druckbar wäre. Wenn Anke Engelke der „Ladykracher“ ist, muss man Schumer als Cruise Missile des feministischen Humors deklarieren. Ihre Scherze funktionieren wie Sprengminen. Nach der Explosion werden leicht errötet die in Amerika üblich verdächtigen Opfer eingesammelt: Sexismus, Rassismus, Bigotterie, Stutenbissigkeit, Macho-Allüren.

Hinter der schrillen Oberfläche steckt eine wache Beobachterin des Porno-verseuchten Zeitgeistes, der es heutzutage zulässt, dass Schweinigel wie der Entertainer-Altstar Bill Cosby dutzendfachen Missbrauch ungestraft wegschweigen dürfen. Schumer leugnet nicht, dass Frauen Orgasmen vortäuschen. Aber immer noch besser als Männer, die ganze Beziehungen simulieren. Unverbindliche Empfehlung für den Erstgebrauch: Über Youtube vier, fünf „Inside Amy Schumer“-Vorspeisen probieren. Dann zum Hauptgang ins Kino. Nicht leicht verdaulich. Macht aber wunderbar satt.

Hier ist eine kleine Kostprobe (engl.):

 
 

EURE FAVORITEN