Urbanatix zeigt die ganze Bandbreite der Subkultur

Tom Thelen
Urbanatix bringt mit 60 Artisten und Tänzern aus dem Revier neue Streetart-Show nach Bochum.
Urbanatix bringt mit 60 Artisten und Tänzern aus dem Revier neue Streetart-Show nach Bochum.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
60 Artisten und Tänzer bringen 23 Szenen beim Stück „Close Up!“ auf die Bühne. Der Countdown läuft, in wenigen Tagen startet die neue Show in der Bochumer Jahrhunderthalle. In den vergangenen zwei Jahren sahen insgesamt 30000 Zuschauer die Show.

Bochum. Javier Ninja tanzte im Frühjahr noch mit Madonna in der Super-Bowl Pausenshow. Jetzt ist er im Ruhrgebiet zu sehen. Der glamouröse Star des Vogue-Tanzes war die letzte Verpflichtung für die aktuelle Urbanatix-Show „Close Up!“, die vom 9. bis 19. November täglich in der Jahrhunderthalle Bochum zu sehen ist.

Vogue-Tanzen, oder Vogueing, bringt Elemente von Kampfsport, HipHop und schwuler Ballroom-Ästhetik zusammen. Es gehört zu den vielfältigen Street-Art-Künsten, die bei Urbanatix gezeigt werden. Dazu ist bei der Show Artistik der Weltklasse zu sehen. Das zum Kulturhauptstadtjahr von Christian Eggert initiierte Projekt beruht nämlich auf der Idee, internationale Stars der Subkultur- und Artistik-Szene mit dem Potential, das in dieser Hinsicht auf den hiesigen Straßen zu finden ist, zusammenzubringen.

Ensemble-Mitglieder kommen aus 24 Ruhrgebietsstädten

Jahr für Jahr besucht Eggert die wichtigen Zirkus-Messen, um passende Artisten für die Show zu finden. Parallel werden in Castings junge Menschen aus dem Ruhrgebiet rekrutiert, die als Traceure, Freerunner, Tricker, Breakdancer und Biker Seite an Seite mit Stars auftreten, die üblicherweise mit dem „Cirque du Soleil“ oder vergleichbaren Artisten-Shows unterwegs sind. Die Street-Artisten, so werden die jungen Lokalmatadore genannt, kommen in diesem Jahr aus 24 Ruhrgebietsstädten und trainieren vor der Show wochenlang in der Marienkirche in der Bochumer City.

Die Faszination, die Urbanatix ausstrahlt, beruht nicht zuletzt auf der Homogenität, die die Show in Sachen Professionalität ausstrahlt. Statt auf unbelebten Orten in der Stadt, auf Parkplätzen und in U-Bahn-Stationen, zeigen junge Menschen plötzlich auf der Showbühne vor Tausenden Zuschauern, was in ihren Körpern steckt oder was sie artistisches mit ihren Fahrrädern zu tun imstande sind. Diese soziale Komponente macht die Show so einzigartig.

Urbanatix-Macher träumt von eigener Artistenschule in Bochum

Insgesamt werden in der neuen Show 23 verschiedene Szenen zu sehen sein, insgesamt treten 60 Artisten in einem neu entwickelten Bühnenbild an. Über den jetzt Bühnenaufbau, der mit so genannter „Video-Mapping-Technologie“ bespielt wird, komme der Zuschauer noch näher (deshalb „Close Up!“) an die Akteure heran, behaupten die Macher. Mit dem Visualisierungskonzept soll zudem die Infrastruktur und Fassade der Jahrhunderthalle zum Teil der Show werden.

2010 und 2011 sahen insgesamt 30000 Zuschauer Urbanatix. Da sie jetzt ins dritte Jahr geht, kann man durchaus von einem der nachhaltigsten Projekte der Kulturhauptstadt sprechen. Und es geht noch weiter, eine Machbarkeitsstudie der Stadt Bochum prüft, ob ein Traum von Christian Eggert in Erfüllung gehen könnte: eine Artistenschule für das Ruhrgebiet auf dem Gelände an der Jahrhunderthalle.