Urbanatix-Tänzer der ersten Stunde

Fatmir Ziberi (20) aus Nettetal probt in der St. Marienkirche Bochum.Foto: Joachim Kleine-Büning
Fatmir Ziberi (20) aus Nettetal probt in der St. Marienkirche Bochum.Foto: Joachim Kleine-Büning
Foto: WAZ FotoPool
Fatmir Ziberi aus Nettetal tanzt seit er fünf Jahre alt ist – mittlerweile hat er es auf die große Bühne geschafft: Er ist professioneller Tänzer im Team von Urbanatix. Die Bewegungskünstler sind am Wochenende in der Bochumer Jahrhunderhalle zu Gast.

Bochum. „Das ist kein Larifari mehr. Das ist jetzt richtig professionell.“ Fatmir Ziberi weiß, wie gut er tanzen kann. Hip-Hop-Dance ist seine große Leidenschaft. Mittlerweile tanzt der 20-jährige aber nicht mehr allein vorm Spiegel, sondern bei Urbanatix.

Die Show mit Bikern, Breakdancern und anderen Bewegungskünstlern ist im Rahmen von Ruhr 2010 entstanden. Es blieb aber nicht bei einer einmaligen Aufführung: Das Kulturhauptstadtjahr ging, Urbanatix blieb.

Professionelle Artisten, Choreographen und Musiker arbeiten seit 2009 mit den sogenannten Street-Artisten zusammen: Jugendliche, deren Talent bisher nur Mama oder die Freundin mitbekommen haben. Street-Artisten, das klingt nach Kindern, die herumlungern, die Schule schwänzen und zu Hause nur vor dem Fernseher sitzen. Doch die Jugendlichen kommen weder aus schwierigen Verhältnissen, noch versteht sich Urbanatix als Sozialprojekt.

Das trifft auch auf Fatmir zu. Der „Urbanatix-Tänzer der ersten Stunde“, wie er selber sagt, lebt in Nettetal. Seine Eltern stammen aus Mazedonien, er ist mit vier Geschwistern aufgewachsen. „Ich lebe gerne zu Hause und kann mir momentan überhaupt nicht vorstellen, weg zu ziehen.“ Keine Spur von spätpubertärem Höhenflug. Obwohl Fatmir von seinem Tanztalent mittlerweile sogar leben kann. Neben der Urbanatix-Show arbeitet er für ein Theaterprojekt in Oberhausen und gibt Breakdance-Kurse an einer Tanzschule in Nettetal. Seinen Erfolg habe er vor allem Urbanatix zu verdanken, meint Fatmir. „Mein Leben hat sich komplett verändert. Früher habe ich mir das Tanzen selber beigebracht, zusammen mit meinem älteren Bruder.“

Das ist lange her. Mit fünf Jahren hat er angefangen, sich den Stil von großen Tänzern anzueignen. Sein Vorbild damals: Michael Jackson. Irgendwann kamen Rap und R´n´B dazu, die Musik der späten 90er. Fatmir tanzte nun lieber zu Black Music. Als ein Freund ihn 2009 zum Urbanatix-Casting mitnahm, hatte er keine Erwartungen. Regisseur Christian Eggert versprach den Jugendlichen eine große Sache. „Wir haben damals gedacht: Laber Du mal“, erzählt Fatmir lachend. Doch Eggert sollte Recht behalten: Gleich in der ersten Show spielte Fatmir die Hauptrolle. „Es ging um einen Jungen, der immer nur für sich alleine tanzt, vor dem Fernseher, und sich nicht traut, hinauszugehen und sein Talent mit anderen zu teilen. Das war auch meine Geschichte, auch wenn es nicht abgesprochen war.“

Heute, zwei Jahre später. hat sich für den jungen Artisten viel verändert.Mitte November steht die dritte Staffel der Show an, unter dem Motto „Spinning Around“ treten die Künstler in der Jahrhunderthalle auf. Das Lampenfieber ist groß, der Leistungsdruck viel höher als bei der ersten Show. „Die Leute erwarten etwas Neues, etwas Großes, und das sollen sie auch bekommen.“ Man merkt, wie ernst Fatmir es meint, mit wie viel Professionalität er an die Sache herangeht.

Einen Plan B hat er nicht. Sollte es mit dem Tanzen einmal nicht so rund laufen, gibt es für ihn erstmal keine Alternative. „Darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich denke immer positiv.“

 
 

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