Uraufführung der „Simulanten“ mit Hysterie und Lärm

Arnold Hohmann
Philippe Heule hat mit den „Simulanten“ seinen Erstling vorgestellt.
Philippe Heule hat mit den „Simulanten“ seinen Erstling vorgestellt.
Foto: Elena Brotschi
„Die Simulanten“, das Erstlingswerk des jungen Schweizer Autors Philippe Heule, sind bei den Ruhrfestspielen uraufgeführt worden.

Recklinghausen. Fünf Personen suchen einen Ausgang, aber es gibt offenbar keinen. Gerade waren sie noch Zigaretten kaufen im Duty Free Shop oder auf dem Weg zur Gruppentherapie für Ausgebrannte. Und nun werden sie plötzlich in einem Raum wach, der sie gefangen hält, in dem sie als Probanden auf sich selbst zurückgeworfen sind.

Etwas scheint sie zu vereinen: Alle leben in einer Fernbeziehung und arbeiten ansonsten an ih­rer Karriere-Optimierung. Man fühlt sich an Sartres „Geschlossene Gesellschaft“ erinnert, an den „Würgeengel“ eines Luis Buñuel. Doch „Die Simulanten“ sind das Erstlingswerk des jungen Schweizer Autors Philippe Heule. Als Koproduktion mit dem Theater Dortmund hat die Regisseurin Claudia Bauer es jetzt bei den Ruhrfestspielen zur Uraufführung gebracht.

Die fünf Schauspieler, darunter zwei Frauen, sind voller Elan angetreten, sich hier völlig zu verausgaben. Geradezu willfährig erfüllt man vermeintliche Erwartungshaltungen und beginnt mit Rollenspielen, kippt seinen Seelenmüll aus und gelangt zu Selbsterkenntnissen: „Statt Liebe haben wir nur Karriere gemacht“. Eine besteht beharrlich darauf, neben der eigenen Situation doch gleich auch noch den UN-Klimagipfel zu simulieren, damit endlich mal ein Ergebnis zustande kommt.

Immer das gleiche Stroh gedroschen

Es braucht nicht lange, um zu spüren, dass hier auf Dauer immer das gleiche Stroh gedroschen wird, dass man zwischendurch immer wieder von vorne beginnt, dass nur der Hysterie-Pegel immer weiter steigt. Da man die Hoffnung auf eine Entwicklung beizeiten aufgeben kann, freut man sich zumindest über gelegentliche Schwarzblenden in Tateinheit mit ohrenbetäubendem Lärm, über starke Winde und einen Wassereinbruch. Am Ende kommt noch ein Flugzeugabsturz ins Spiel, der aus den Fünfen so etwas wie Untote aus dem Zwischenreich machen würde. Aber vermutlich ist das auch nur eine Simulation.

Letzte Aufführung: 9. Juni 2016, 20 Uhr, Halle König Ludwig. Karten: 02361 / 9218-0. Dortmunder Premiere: 23. September, Megastore.