Umsonst als Kultur - Londoner Museen feiern Besucher-Rekorde

Eintritt frei - und dennoch erfolgreich? Museen wie das Londoner „Victoria & Albert“ zeigen, wie es geht - unter deutscher Leitung.

London.. Martin Roth, der Direktor des Victoria & Albert-Museums in London, wundert sich selbst. „Wir betreiben gar kein richtiges Marketing in Europa und trotzdem kommen unendlich viele Leute von überall zu uns.“ Das freut den Deutschen natürlich, der das führende Londoner Kunst- und Designmuseum seit 2011 leitet.

Das „lebendige Jahr“ 2014 dürfte dem V&A wieder Rekordbesucherzahlen von über drei Millionen bescheren. Auch die übrigen großen nationalen Museen – vom British Museum bis zur Tate Modern – verzeichnen stetig wachsenden Zulauf und bauen munter aus.

„Museumsmodell der Zukunft“

Der 2001 eingeführte freie Eintritt in die permanenten Sammlungen der großen Museen hat sich für die Branche als lebensrettende Zukunftsinvestition erwiesen. Der starke Zuwachs an Besuchern – auf über fünf Millionen pro Jahr in der Tate Modern und auf mehr als sechs Millionen im British Museum – macht die Museen attraktiv für Sponsoren und Privatspender. Sonderausstellungen bleiben eintrittspflichtig, und Restaurants, Cafés und Shops sind lukrative Einnahmequellen. „Es ist nicht so, dass wir alles kostenlos machen“, sagt Roth. „Aber es ist ein wunderbares Prinzip: Jeder, der ins Museum kommen will, um sich zu bilden, um zu genießen, darf umsonst rein.“ Viele Besucher wollten sich häufig nur ein bestimmtes Objekt – ob Kunstwerk oder Hochzeitskleid – anschauen. Der Museumsbesuch sei so zur normalen Beschäftigung geworden.

Der Boom schlägt sich in den Plänen und Bauaktivitäten der Museen nieder. Das V&A erweitert zurzeit seine Ausstellungsfläche im zentralen South Kensington, wo im Frühjahr 2015 sieben neue Galerien europäische Kunst und Design zwischen 1600 und 1800 präsentieren werden. Im schottischen Dundee entsteht ebenfalls eine V&A-Filiale.

Häuser werden größer

Groß wird das V&A auch auf dem ehemaligen Olympiagelände in Ost-London vertreten sein. Das neue Projekt eines Kulturzentrums im Osten der Stadt soll dem V&A für große Ausstellungen 20 000 Quadratmeter an neuer Fläche bringen. Auch die 2,5 Millionen Depotstücke werden dort untergebracht.

Aber auch die anderen Häuser ruhen nicht. Die Tate Modern, das nach Besucherzahlen zu den weltweit beliebtesten Museen für moderne Kunst zählt, will mit einem pyramidenförmigen Anbau bis 2016 seine Ausstellungsfläche um 60 Prozent steigern. Über eine Brücke sollen Besucher künftig in den Anbau gelangen, der von Gartenanlagen, Plätzen und Restaurants umgeben ist. Der Komplex, tönt Tate-Direktor Nicholas Serota, werde das „Museumsmodell der Zukunft“.

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