Umjubelter Auftritt von Maestro Muti

Essen..  Verdi geht, Strauss kommt: Den umjubelten Auftritt des Chicago Symphony Orchestras rahmen zwei Werke des „Jubilars“ des Jahres 2013. Chefdirigent Riccardo Muti beginnt das Gastspiel in der Essener Philharmonie mit der Ballettmusik aus „Macbeth“: Höllisch ausgelassene und dämonisch erhabene Musik, die leider in szenischen Aufführungen – auch am Aalto-Theater – so gut wie immer fehlt. Und die „Nabucco“-Ouvertüre als Zugabe: ein Zugstück, das Klangpracht und Präzision des amerikanischen Spitzenorchesters zur Geltung bringt.

Seine technische Klasse zeigt das bald 125 Jahre alte Orchester schon in Prokofjews „Romeo und Julia“-Suite: Violinfiguren aus einem Guss, ein schmeichelndes Klarinettensolo, auratische Mixturen aus Harfe und sehnsuchtsvollem Saxofon. Der stählerne Marschrhythmus ist auf pure Überwältigung angelegt; die feinen Abstufungen dessen, was „leise“ bedeuten kann, lassen den Atem anhalten. Mit praktischen Folgen: Husten-Alarm gab es diesmal im Alfried Krupp Saal nicht, dafür klimperten die Armreife manch eleganter Dame wie die Ketten der Gefangenen im Nabucco-Chor.

Riccardo Muti, 72 Jahre alt und eine Dirigenten-Legende, agiert ohne Show, gibt dem Orchester viel Freiheit. Das ist nicht immer vorteilhaft, etwa wenn in „Macbeth“ die unheimliche Posaunen-Hymne den Höhepunkt nur lasch markiert; wenn steigende Lautstärke die Spannung nicht intensiviert. In Richard Strauss‘ „Tod und Verklärung“ bleibt die dramatische Unmittelbarkeit verschleiert: Den Mischklängen fehlen Konturen, der dünne Faden zwischen dem letzten machtvollen Eintritt des Todesmotivs und der anbrechenden Verklärung ist irdisch direkt gewoben, statt sich im „Pianissimo“ zwischen den Sphären zu spinnen.

Und das Aufwölben der Motive auf das abgeklärte C-Dur zum Schluss hin geht ohne Haltungswechsel einher. Ein diesseitiger Auftakt des Strauss-Jahres 2014.

 
 

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