Udo Jürgens – mit fast 80 „Mitten im Leben“

Voller Energie: Udo Jürgens bei seinem Düsseldorfer „Wetten, dass..?“-Auftritt'.
Voller Energie: Udo Jürgens bei seinem Düsseldorfer „Wetten, dass..?“-Auftritt'.
Foto: Getty
Jetzt also Studioalbum Nummer 53: Udo Jürgens, der nimmermüde Sänger und Pianist, Komponist und Arrangeur, hat ein Alterswerk herausgebracht: „Mitten im Leben“ heißt es, eine souveräne Leistung. Das werden auch Nicht-Jürgensianer anerkennen.

Essen.. Die künstlerische Lebensbilanz von Udo Jürgens ist beeindruckend. Inzwischen hat er fünf (!) „Lebenswerk“-Bambis in der Vitrine stehen. Sein gerade erschienenes 53. Studioalbum „Mitten im Leben“, das er just zum 50. Jahrestag seiner ersten Teilnahme beim Eurovision Song Contest in die CD-Regale stellen lässt, legt die Vermutung nahe, dass die heimische Bambi-Herde wachsen wird. Der Mann wird in diesem Jahr zwar 80, aber seine Kraft hat er nicht verloren. Weder sängerisch noch kompositorisch noch als Arrangeur: Udo Jürgens, das muss man ihm einfach zugestehen, musiziert in seinem ganz eigenen Kosmos.

Die Songs:

Mal gibt Udo Jürgens den Troubadour, mal den Sinatra. Auch wer mit dem Udo-Jürgens-Stil an sich kaum klarkommt, wird nicht verleugnen können, dass es abwechslungsreich zugeht. Die Single „Der Mann ist das Problem“ ist ein schelmischer Hybrid aus Grönemeyers „Männer“ und Jürgens’ „Mit 66 Jahren“. Nicht auszuschließen, dass das ein kommender Evergreen des gebürtigen Klagenfurters ist. „Mein Ziel“ ist hörbar inspiriert von „My Way“ – also ein melancholisches Lied für die ganz große Showtreppe. Das fröhlich wippende „Alles aus Liebe“ könnte durchaus auch ein Michael Bublé gesungen haben.

Doch der Altmeister setzt zwischendurch immer wieder auf poetische und sanfte Zwischentöne (sehr schön: die Anbetungshymne „Was ich gern wär’ für dich“ und die diversen, nicht einmal einminütigen Intermezzi).

Die Stimme:

In keinen einzigen Takt dieses Albums schleicht sich die Peinlichkeit. Kraftvoll und souverän kommt der singende Senior rüber, wenngleich er auf brutale Intervallsprünge verzichtet und seine Kehle nicht übermäßig strapaziert. Das Timbre von Udo Jürgens ist nach wie vor angenehm. Sein Timing ist wie immer klasse, die Pausen und dynamischen Akzente kommen auf den Punkt. Kurzum: Der Mann weiß halt, was er tut.

Die Texte:

Die Verse dieses Alterswerkes sind geprägt von einer meist zupackenden, optimistischen Weltsicht (bestes Beispiel: der Titelsong des Albums). Jürgens gibt den weisen Tröster und den Menschenfreund. Wie eigentlich immer bei seinen Alben setzt er aber auch gerne mal die gesellschaftskritische Brille auf. Das „Ehrenwerte Haus“ war gestern – die NSA-Affäre ist heute. Viele der Texte sind offenkundig kurz vor dem Aufnahmetermin entstanden.

Auch die Banken kriegen ob übergroßer Gewinnsucht ihr Fett weg, wobei Jürgens bei „Riesengroße Gier“ einen – nicht den einzigen – hübschen Vers in die Welt setzt: „Nur ein Gedanke macht mich krank / Wär’ diese Erde eine Bank / Ich hätte glatt gewettet / Sie wäre längst gerettet...“

Die Produktion:

Das ist ganz großes Orchestertennis. Udo Jürgens setzt einen sechsköpfigen Backgroundchor ein, dazu gesellen sich ein ganzes Sinfonieorchester, Bläser ohne Ende und eine exzellente Galaband-Besetzung. Dieses pralle Musikerpaket eröffnet ihm alle stilistischen Möglichkeiten. Löblich: Seine Instrumentalisten bekommen reichlich Freiraum, sich als Solisten auszuzeichnen; mitunter geht das sogar leicht in jazziges Fahrwasser über. Jürgens lässt ihnen die lange Leine, selbst spielt er verhalten, sein Klavier steht eigentlich nur im Vordergrund, wenn’s lyrisch wird. Das macht er dann aber souverän.

Das Fazit:

Respekt! Hut ab! Weiter so, Herr Jürgens!

 
 

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