Trilogie der Ferien – krude und zäh wie Brotteig

Petra Kuiper
Eine zähe Premiere am Schauspielhaus Düsseldorf. Foto: Sebastian Hoppe
Eine zähe Premiere am Schauspielhaus Düsseldorf. Foto: Sebastian Hoppe
Foto: Sebastian Hoppe Sebastian Hoppe

Düsseldorf. Ein ambitionierte Projekt am Schauspielhaus Düsseldorf. Wolfgang Engel inszeniert Carlo Goldinis „Trilogie der Ferienzeit“ als Vier-Stunden-Stück – und scheitert.

Mit dem Urlaub ist es so eine Sache. Man braucht ewig, bis alles beisammen ist. Später fehlt dann doch die Hälfte, und zu teuer wird das Ganze meistens auch. Das ist im Fall von Leonardo und Vittoria nicht anders. Die Ferien stehen bevor. Es wird gefaltet, gestapelt, geräumt. Sechs Koffer, drangvolle Enge allerorten. Schließlich will ja alles verpackt sein, der Hausstand ins Gepäck – und Carlo Goldoni auf die Bühne der Jetztzeit.

Anstrengend wie sechs Wochen El Arenal

Drei Stücke fasste er im 18. Jahrhundert zur „Trilogie der schönen Ferienzeit“ zusammen, über 300 Seiten, die sich um die Nöte der feinen, urlaubenden Gesellschaft drehen. Wolfgang Engel hat sie nun für das Düsseldorfer Schauspielhaus bearbeitet und inszeniert. Ein ambitioniertes Projekt von vier Stunden Dauer - anstrengend wie sechs Wochen El Arenal in Beugehaft mit Jürgen Drews.

Engel ist für ausufernde Theaterabende be­kannt und geschätzt. Im Schauspielhaus führte er zu­letzt Thomas Manns „Joseph und seine Brüder“ auf, ein sechsstündiges Spiel. Jetzt also Goldoni, den er ebenso ausschweifend er­zählt. Bei Mann ging die Rechnung auf. Bei Goldoni tut sie es nicht. Weil es hier nicht genug zu erzählen gibt.

Goldoni wandte sich im 18. Jahrhundert ab von der Commedia dell’arte mit ihren plakativen Masken. Er brachte Seele ins Spiel, Farbe in die Charaktere. Differenzierte, sich entwickelnde Figuren wie Engel sie gern hätte, schuf er nicht. Auch ist die „Trilogie“ nicht mehr als eine liebenswerte Boulevardkomödie. Da sind zwei Familien, die von Livorno nach Montenero reisen. Auf der einen Seite Filippo (Götz Schulte), Tochter Gia­cinta (Katrin Röver) und Tante Sabina (Marianne Hoika), begleitet von Guglielmo (Daniel Graf), Giacintas Liebhaber – zum anderen der verschuldete Leonardo (Mi­chele Cuciuffo), der Giacinta heiraten will, mit Schwester Vittoria (Janina Sachau). Drei Diener sind mit von der Landpartie und Freunde, alles dreht sich um Eitelkeiten und Liebe. Man findet sich, trennt sich und heiratet.

Höchste Zeit für Urlaub

Das taugt für einen Zweistundenabend, nicht für einen halben Arbeitstag. Engel jedoch mag sich nicht trennen und nicht streichen. Alles wird plattgewalzt und breitgeklopft bis es zäh ist wie Brotteig. Dazu gesellt sich manche Ungereimtheit. So pendeln wir, schubidu, durch Zeit und Raum – reist das Goldoni-Personal in modisch zerfetzten Jeans und Muskelshirts in Kutschen (!) in die „Sommerfrische“ eines 18. Jahrhunderts. Zum Paravent von 1700 gesellt sich ein Diaprojektor, auf dem eine Palme dauerwedelt. Ebenso wüst gemischt ist die Musikuntermalung aus Orchester, Oper und Schlagern. Hauptsache laut und italienisch.

Vier Stunden und zwei Pausen später ist die Bühne wieder ordentlich und die Herrschaften haben sich sortiert. Wer noch Kraft hat, spendet dem wackeren Ensemble Applaus. Es wird dringend Zeit, mal wieder in Urlaub zu fahren.

Termine: 9. 10. 11., 13., 25., 26. und 27. März. www.duesseldorfer-schauspielhaus.de,
Karten: 0211 369911