Trauer um Künstler Otto Piene

Jörg Bartel
Otto Piene auf der Halde Rheinpreußen in Moers
Otto Piene auf der Halde Rheinpreußen in Moers
Foto: NRZ
Lichtbildhauer, Lehrer, Grenzensprenger: Die Kunst trauert um Otto Piene, den Welt-Künstler aus Laasphe und Mitbegründer der Künstlergruppe „Zero“. Mit 86 Jahren starb er mitten in den Vorbereitungen zu seinem spektakulären „Sky-Event“ in Berlin.

Berlin.  Er spielte mit dem Feuer; er ließ den Pinsel und ließ Licht-Ballette tanzen; er schoss die Kunst in den Himmel und machte den Wind zum Künstler: Gestern ist mit Otto Piene der Erste aus dem Dreigestirn „Zero“ erloschen, das die deutsche Nachkriegskunst wesentlich geprägt und für die Welt sichtbar gemacht hat. Der Künstler, Lehrer und Philosoph aus Laasphe wurde 86 Jahre alt.

Auch wenn es ihm nicht mehr vergönnt war, heute in Berlin sein spektakuläres „Sky-Event“ zu eröffnen: Es ist tröstlich zu wissen, dass Otto Piene kurz vor seinem Herztod, der ihn im Taxi traf, noch Triumphe hat feiern können. Im New Yorker Guggenheim-Museum liefen die Vorbereitungen für eine Zero-Großausstellung, und eben erst hat er in der Neuen Nationalgalerie zu Berlin eine große Piene-Retrospektive eröffnen können, glücklich, stolz und sichtlich gerührt von der Anerkennung, die ihm zuteil wurde.

Der Grenzensprenger, der im ostwestfälischen Lübbecke aufwuchs, in München und Düsseldorf die Kunst-Akademien besuchte und zudem in Köln sein Philosophie-Examen schaffte, hat eine Weltkarriere gemacht. Zwar hängen seine Feuerblumen in großen Museen der Welt, doch hat seine Idee von einer Kunst, zu groß, zu licht und zu flüchtig für Museumsräume, noch nachhaltiger gewirkt.

Vielleicht waren es tatsächlich die buchstäblich dunklen Stunden als Flakhelfer, die Piene so ans Licht zogen. Er selbst hat das so gesehen. Als er in den 50er-Jahren für die Kunst einen radikalen Neuanfang ohne Vor-Bilder, Pinsel und Farbe suchte, fand er in Heinz Mack und später Günther Uecker ideale Mitstreiter. Mit „Zero“, dem disparaten Trio, führten neue Materialien der Szene neue Energie zu, brachten Licht, Luft, Feuer Bewegung in die als statisch empfundene Kunst-Welt.

In den 60ern wurde ihm auch diese zu eng. Nach Dozenten-Jahren an der Modeschule Düsseldorf zog es den x-fachen documenta-Teilnehmer in die USA. Als Leiter des Labors für Medien-Experimente am berühmten Massachusetts Institute of Technology (M.I.T.) in Boston öffnete Piene jungen Künstlern so große Türen wie vorher der Bottroper Josef Albers.

Unvergessen bleiben nicht nur seine mit Helium gefüllten, rasch „welkenden“ Luftobjekte und der Plastikregenbogen, den er bei den Olympischen Spielen in München 1972 in den Himmel sinken ließ; unvergessen wird ein kühner Erneuer bleiben, der Künstler war und Philosoph, Lehrer und ewiges Spielkind in einer Person.