„Transit“ - Lähmendes Warten im Schatten

Essen.. Vor fast fünf Jahren gab Anselm Weber seinen Regieeinstand als Grillo-Intendant mit einem Stillstandsszenrio. Mit Roland Schimmelpfennigs „Ambrosia” hob er ein Stück über die in lähmender Stagnation verharrende Mittelschicht aus der Taufe. Seine letzte Inszenierung als Grillo-Intendant zeigt er jetzt im kleinen Haus, in der Casa. Auch Reto Fingers Stück „Transit”, eine Bearbeitung des gleichnamigen Romans von Anna Seghers, ist ein Stück über die lähmende Stagnation des Wartens.

Deutsche Flüchtlinge stecken 1940 in der Falle von Marseille, die Nazis zogen ihre Netze im Vichy-Frankreich zu. Darin zappelt in Reto Fingers Stück „Transit“ der Ich-Erzähler, ein junger deutscher Antifaschist, der im Laufe des Stücks wechselnde Identitäten annimmt, darunter auch die des Schriftstellers Weidel, der sich in Paris umgebracht hat. Im Besitz von dessen Mexiko-Visum fährt er nach Marseille, erhält dort neue Papiere, wartet auf Transitvisum, Ausreiseerlaubnis, Fahrkarte. Kompliziert wird es, als er auf Marie trifft, Weidels Witwe, die vom Tod ihres Mannes nichts ahnt und in die Weidel-Seidler-Erzähler sich verliebt.

Auf der Strecke bleibt das literarische Warten

Wenn Reto Finger den Roman auf 25 theatertaugliche Szenen kürzt, die Personen auf zehn reduziert, funktioniert das. Auf der Strecke bleibt allerdings das literarische Warten, für Anna Seghers’ Roman meisterhaft schildert. Weber zieht die Szenen geschickt in knapp zwei Stunden zusammen, zeigt eine Gesellschaft der Toten, blass gepudert, in ausgeblichenen Kostümen (Meentje Nielsen). Das epische Warten deutet Weber durch zeitlupenhafte Sequenzen an. Sein Ensemble mit Heiko Ruprecht und Nadja Robiné als Seidler und Marie formt er zum packend-gespenstischen Kosmos einer Schattengesellschaft. Die geht am Ende, angeführt von der auch stimmlich grandiosen Katharina Lindner, singend in den Untergang.

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