Todesanzeigen: "Wie im Leben: Oma rief – Opa kam"

Essen. Eine Sammlung von Todesanzeigen gibt tiefen Einblick in das Leben selbst. Dabei birgt die Kurzprosa der Vergänglichkeit Tücken – und manch unfreiwillige Komik.

Christian Sprang, Justiziar des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, ist ein Sammler. Eine Briefmarke oder eine Schneekugel hätte leicht die regalfüllende Lawine auslösen können, stellen wir uns vor. Es war aber eine schräge Todesanzeige, die von einem „unverhofften” Ableben berichtete und Sprangs Augenmerk auf die so tückische Kurzprosa der Vergänglichkeit lenkte. Einige hundert Sammlerstücke später entstand erst eine Internetseite und dann ein Buch, mit Hilfe des Journalisten Matthias Nöllke: „Aus die Maus”.

Makaber? Jein.

Wie wir den Tod verkünden, ist zunächst einmal lebendige Erinnerung an die Verstorbenen: „Die letzte Saite ist gerissen” heißt es etwa über einen Gitarristen; „Die letzte Partie hat er verloren” verkündet den Tod eines Schachbuchhändlers. „Die Planung ist abgeschlossen” – richtig, hier starb ein Bauingenieur. Das „letzte Zapp-Zerapp” gilt dem Kursmakler. Aber darf man so putzige Geleitworte wählen?

Wie wir den Tod verkünden, sagt auch etwas über uns, unsere Beziehung zum Toten: Ob wir einen geliebten Menschen mit einem lapidaren „Und tschö”, einem kumpeligen „Ciao Rübennase!” verabschieden, mit Humor den Tod verdrängen und unter Tränen eine soziologische Beobachtung zuwege bringen: „Wie im Leben: Oma rief – Opa kam”. Oder ob wir traurig festellen: „Er war ein einfacher, wahrscheinlich einsamer Mann”.

„Ich bin tot”

Verwundert es, dass mancher das letzte Wort nicht den Angehörigen überlassen mag? Und so flattern Anzeigen zuweilen vom Himmel: „Tschüss ihr Lieben, es war schön mit euch.” „Die Zeit meines irdischen Daseins ist abgeschlossen.” Oder auch: „Ich bin tot.”

Wie wir den Tod verkünden, sagt etwas über das Leben – und dessen Endlichkeit. Das macht das Buch zu einer zwar skurrilen, aber auch nachdenklich stimmenden Lektüre. Das Ringen um letzte Worte schreit ja doch nur: Memento mortis! – Gedenke des Todes. hei

Christian Sprang, Matthias Nöllke: Aus die Maus. KiWi, 224 Seiten, 7,95 Euro

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