Thomas Schönauer - Der Maler auf dem Dach

Düsseldorf. Thomas Schönauer ist ein Künstler mit Entdeckerlust, ausreichend unternehmerischer Verrücktheit und künstlerischem Mut. Sein jüngstes Werk ist ebenso geheim wie abgehoben - auf einem Dach und nur aus der Luft zu sehen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, als Künstler von sich reden zu machen. Man kann sich mit Filzstiftzeichnungen an die Spitze des Kunstkompasses, des Ruhmesbarometer der Zeitschrift Capital, krakeln. Man kann Elefanten-Dung auf die Leinwand klatschen und dann bei der Vergabe des renommierten Turner-Preises mit heiterem Siegerlächeln über die Kleinmütigkeit der anderen hinwegsehen. Man kann freilich auch etwas entwickeln, dass die Kunstwelt nachhaltig verändert. Der Düsseldorfer Künstler Thomas Schönauer nennt es das „roof-painting-project” und es bietet all das, was besten Gesprächsstoff liefert: Unternehmerische Verrücktheit, künstlerischen Mut, Geheimniskrämerei.

Dekadent wäre ein vergoldetes Dach

Die Geschichte spielt im Düsseldorf-Oberkassel. Beste Wohnlage mit Blick ins Grüne. Aber auch hier bleibt ein Vordach ein Vordach: grau. Es gibt Menschen, die in diesem Fall Farbe bekennen wollen – und trotzdem inkognito bleiben möchten. Schon, damit einem später nicht zuviele unerwünschte Besucher aufs Dach steigen. Wer der Sammler ist, der ihn mit diesem gewaltigen 32 Quadratmeter-Dachbild beauftragt hat, das außer den Holztauben und den Usern von Google Earth niemand zu Gesicht bekommen wird, darf Schönauer nicht verraten.

Ist das spinnert? Dekadent? „Dekadent wäre, wenn ich das Dach vergoldet hätte”, lächelt Schönauer. „In Dubai hätten sie das gemacht.”

Für Dubai hat Schönauer vor kurzem seine silbrigen „Atom-Pops” entworfen, noch eine Erfindung des findigen Kunst-Kosmopoliten, der gerne Ferne, Form und Philosophie verbindet. Auch in Brasilien hat der Mitfünziger eine Weile gelebt. Den Blick auf den üppigen Tropengarten hat er auf seiner Homepage verewigt. So ähnlich muss sich der Sammler aus Oberkassel das auch vorgestellt haben. Dachdschungel ging aber nicht. Da hat Schönauer gemalt.

Atelier wie ein Chemielabor

Eine farbexplodierende, abstrakte Mischung aus Rheinufer und Tropenvegetation ist das geworden, mit organischer Anmutung und dreidimensionaler Tiefe, wetterfest. Schon das ist eine Kunst; Farben zu entwickeln, die brütende Hitze ebenso aushalten wie Dauerregen und Hagel. CT-Painting heißt die Zauberformel und der Familienvater müsste sich die Technik eigentlich patentieren lassen, wenn er sich seiner genialen Entwicklung nicht so sicher wäre: „Das kriegt keiner hin.”

Sein Atelier in einer Ratinger Industriehalle erinnert mit all den Töpfen und Tiegeln an ein Chemielabor. „Wissenschaft und Technik sind bei mir ein Thema”, sagt der Tüftler. Neben den Plastikeimern, Schönauers „Malgerät”, türmen sich Behälter mit Farbe: gelb, rot, blau, weiß, schwarz. Aus Pigmenten, Quarzsand und einem speziellen Industriekleber mischt der Mann mit der bunten Brille die haltbare Basis seiner Malerei mit dreidimensionaler Wirkung.

Zwei Jahre Forschungsarbeit stecken im CT-Painting. Das Dachbild ist sein Meisterstück. Schon der Größe wegen: „Man muss schnell arbeiten, damit sich die unterschiedlichen Farbmassen möglichst nass in nass miteinander vermischen.

Dickflüssige Lavaströme

Das ist wichtig für die Wirkung”, erklärt er. Vier Stunden bleiben für den schöpferischen Akt. Die angeschütteten Farben ergießen sich dann wie dickflüssige Lavaströme auf die Edelstahlbleche. Der Rest sei „gelenkter Zufall”.

Der feine Pinsel hat in diesem Prozess keinen Platz. Schönauer verzieht schon bei dem Gedanken das Gesicht, als habe man ihm vorgeschlagen, ein Garagentor mit Buntstift auszumalen. „Grauenhaft. Das ist nicht mein Ding.” Kunst darf nicht stehen bleiben, sagt Schönauer. Deshalb geht er immer an die Grenzen.

Das nächste Ziel ist schon markiert: die dreidimensionale Malerei zum festen Bestandteil der Architektur zu machen. Eine Anfrage aus Dubai liegt bereits vor: ein ganzes Foyer komplett aus CT-Malerei. Auch in den Emiraten ist eben nicht mehr alles Gold, was baulich glänzt.

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