"The Piano" - Ein naturalistisches Filmballett für Dortmund

Dmitry Semionov (Alistair Stewart) und Emilie Nguyen (Ada McGrath) in „Das Piano“.
Dmitry Semionov (Alistair Stewart) und Emilie Nguyen (Ada McGrath) in „Das Piano“.
Foto: Bettina Stöß
Jane Campions „Piano“ in großartig bewegter Kulisse getanzt – Jubel für die Uraufführung der Choreografie der Bubenicek-Brüder.

Dortmund.. Tosend rauschen Wellen des Tasmanischen Meers an die weiten Strände Neuseelands. Eine bedrohliche Kulisse, in der Ada McGrath, ihr Klavier und ihre Tochter Flora ankommen. Hier soll die gehörlose Ada den jungen Plantagenbesitzer Stewart heiraten. Mit Bildern des 19. Jahrhunderts beginnt „The Piano“ nicht nur auf der Leinwand, sondern nun auch auf der Ballettbühne in Dortmund. Die Geschichte, berühmt durch den Oscar-gekrönten Streifen von 1994, inspirierte das Choreografen-Duo Jiri und Otto Bubenicek zu einem naturalistischen Filmballett. Die Uraufführung wurde für die Zwillingsbrüder aus Prag, die als Solisten lange in John Neumeiers Kompanie in Hamburg tanzten, zu einem umjubelten Erfolg im ausverkauften Opernhaus.

Der Abend nennt sich aber „Drei Streifen: Tanz“, da zwei andere Choreografen mit Pas-de-deux vertreten sind. Vier Paare – darunter ein letztes Mal Monica Fotescu-Uta und Mark Radjapov, die nach über zehn Jahren in Dortmund Abschied nehmen – zeigen elegische, a bissel schwerfällige Liebestänze von Benjamin Millepied (seit 2014 Chef des Pariser Opernballetts), aber auch witzig sprühende Szenen.

Videos mit der magischen Stimmung des Südpazifiks

Wie Petitessen wirken sie aber im Vergleich zum „Piano“-Liebesfilm-Ballett. Durch den narkotisierenden Musik-Mix (Michael Nyman, Stravinski, Schnittke, Brahms), durch emotional aufgeladenen Tanz in historischen Kostümen (ähnlich wie im Original von Jane Campion) und durch geschickte Filmprojektionen wirkt dieses 80-Minuten-Opus wie ein Gesamtkunstwerk. Auf rollende Wände projiziert Bubenicek Videos mit der magischen Stimmung des aufschäumenden Südpazifiks auf die Bühne.

Überzeugend: Jiri Bubeniceks neoklassische Choreografie, angereichert mit folkloristischen Maori-Tänzen, und Dortmunds exzellente Tänzer-Darsteller. In viktorianischen Roben und Kostümen erzählen sie das unglückliche Liebesdrama mit offenem Ende. Dmitry Semionov kämpft als schöner kühler Stewart vergebens um die Liebe von Ada. Voller Gefühl und bravouröser Spitzentechnik überzeugt Emilie Nguyen als zwischen zwei Männern hin und her gerissene Ada.

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