The Green Hornet - Superheld mit blonder Biene

Julia Emmrich
© Sony Pictures
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Berlin. „The Green Hornet“, das ist Action mit Humor – und einer blendend aufgelegten Cameron Diaz, die dem Superhelden glatt die Show stiehlt. Den Rest erledigt Oscar-Preisträger Christoph Waltz als Bösewicht.

„The Green Hornet“ ist kein Frauenfilm, trotz des lyrischen Titels. Es ist auch kein Ökofilm mit grünem Zeigefinger. Es ist ein Film für große Jungs, für Männerrunden: Große Klappe, dicke Knarre, Wumms. Und Cameron Diaz spielt auch noch mit.

Die „grüne Hornisse“ ist ein Superheld, den sich ein blasser Langeweiler ausgedacht hat, um seinem Luxusleben zu entfliehen: Britt Reid ist der Sohn eines mächtigen Verlegers in Los Angeles, finanziell verwöhnt, emotional vernachlässigt. Er hasst seinen Vater, vögelt sich durch die lokale Partyszene und entwickelt große Gefühle allenfalls für den perfekt zubereiteten Kaffee, den ihm ein unbekannter Hausangestellter jeden Morgen auf den Nachttisch stellt. Als der alte Verleger überraschend stirbt, ist es aus mit der spätrömischen Dekadenz. Britt, gespielt von US-Komiker Seth Rogen, merkt das gleich, weil der Kaffee auf einmal nicht mehr schmeckt.

Die Ursache für die seltsame Verwandlung von Perfektion in Plörre ist schnell gefunden: Ohne Kato, den chinesischen Chauffeur seines Vaters, läuft nichts in diesem führungslosen Imperium. Britt verbündet sich also mit dem genialen Tüftler, bekommt morgens auch wieder Angeberkaffee gebrüht und hört auf, sich durch den Tag zu langweilen. Denn Britt und Kato denken sich ein Spielzeug aus, das viel cooler ist als alle L.A.-Partys zusammen: Sie erfinden die „Grüne Hornisse“, einen Superhelden, der die Stadt aus den Klauen des Superbösewichts Benjamin Chudnofsky (Christoph Waltz) befreien soll.

Regisseur Michel Gondry, der mit Musikvideos und Drehbüchern bekannt geworden ist, tut nun so, als wolle er erstens eine Geschichte über zwei ungleiche Freunde erzählen und zweitens im Vorbeigehen mal eben die fiesen Verstrickungen von Medienmachern, Politikern und Verbrechern anprangern. Tatsächlich aber soll es vor allem krachen. Auf der Humorebene und auf der Materialebene. Leute, hier ist schließlich kein Poesiealbum verfilmt.

Alles, was einem in 3D so um die Ohren fliegt

Also muss Kato (Jay Chou) nachts in den Straßen von L.A. das übliche Kung Fu-Programm absolvieren und tagsüber jede Menge Superheldenzubehör bauen. Übersteuerte Autos im Retro-Stil, hirnrissige Waffen, das ganze Zeug, das einem in 3D so schön um die Ohren fliegt. Damit aber auch der Letzte merkt, wie verstrahlt die ganze Geschichte ist, taucht Cameron Diaz als Sekretärin des Teilzeit-Superhelden und Nachwuchs-Verlegers auf – und ist alles, was Britt und Kato nicht sind: sympathisch, clever, erwachsen. Nicht die grüne Hornisse ist hier der Superheld, sondern die blonde Biene .

Die Frau mit der unfassbar guten Laune und dem sagenhaft breiten Lachen rettet nicht nur die beiden Hobbyhelden, sondern am Ende den ganzen Film. Das heißt: etwa siebzig Prozent davon. Die restlichen dreißig Prozent besorgt in diesem Fall Oscar-Preisträger Christoph Waltz als Bösewicht.

Nach seiner Rolle als SS-Offizier in „Inglorious Basterds“ steuert der 54-Jährige den Psychopathen Chudnofsky so brillant zwischen Horror und Humor, dass man vielleicht doch nicht nur die großen Jungs in den Film schicken sollte.