Tage voller Klang und Schönheit

Auf Schloss Cappenberg bei Lünen fand das siebte Kammermusikfestival statt.
Auf Schloss Cappenberg bei Lünen fand das siebte Kammermusikfestival statt.
Foto: WR
Eine Woche voller Klang und Schönheit endete mit dem Montagskonzert. Zum ersten Mal gab es auch Jazz zu hören.

Cappenberg.. An Pfingsten, so die biblische Lehre, löst sich die allgemeine Sprachverwirrung unter den Menschen auf. Das (Kammer-) Musikfestival auf Schloss Cappenberg ist ein schönes Beispiel dafür, dass dies tatsächlich gelingen kann: Musik von morgens bis abends. Musik an fünf Tagen. Musik für Kenner. Musik für Kinder. Musik für Künstler. Musik für Neulinge. Musik zur Entspannung. Musik als – schöne – Anstrengung fürs Publikum. Musik als – schöne – Arbeit für die Künstler. Kurzum: Musik für alle als Kommunikation. Das ist diese Konzertreihe nun schon zum 7. Mal im Schloss, im Theater, im Park. Diesmal mit acht Konzerten und 24 Solisten, die Kammermusik im Ensemble spielen.

Mirijam Contzen, als Geigerin in den Konzertsälen der Welt zu Hause, macht Pfingsten zum musikalischen Festwunder für sich und die ganze Familie, Eltern, Bruder, Ehemann. Und für die Künstler: Peter Hörr (Violoncello), Herbert Schuch (Klavier), Latica Honda-Rosenberg (Violine), Konstantin Heidrich (Violoncello), Giovanni Guzzo (Violine), Henri Sigfridsson (Klavier), Ulrich Eichenauer (Viola), Ulrich Biersack (Flöte), Gustavo d’Ippolito (Kontrabass) und Dirk Niewöhner (Viola) kamen gleichsam nach Hause, weil sie hier Wiederholungstäter sind. Mit Wen Xiao Zheng (Viola), Yuko Noda (Violoncello), Dmitry Babanov (Horn), Gregory Ahss (Violine), Anna Lapkovskaja (Mezzosopran), Benjamin Rivinius (Viola), Laszló Kuti (Klarinette), Esther Hoppe (Violine), Tobias Bredohl (Pianist) und Akemi Mercer (Violine) holte sich Mirijam Contzen neue Gesichter nach Cappenberg und behauptete: „Das ist eine heiße Truppe, es sind geniale verrückte Leute!“

Ob das nächtliche Freitags-Konzert in der mittelalterlichen Stiftskirche, das in seiner meditativen Tiefe mit weitgehend unbekannten Kompositionen viereinhalb Stunden währte, oder das Kinderkonzert am Sonntagnachmittag vor einem unprätentiösen Publikum, dessen Alter weit unter dem Durchschnitt lag, oder aber der Ausflug in den Jazz: „Wehe, wenn sie losgelassen!“ Die Cappenberger Festival-Solisten entwickelten ein erstaunliches Eigenleben.

Das Publikum schaute und hörte zu, machte mit. Selbst Schlossherr und Mitveranstalter Sebastian Graf von Kanitz griff zur Klarinette – allerdings nicht im Konzertsaal, sondern auf dem Schlosshof. Dort blies er auch zum Ende der Pausen ins Horn.

Kinder klettern auf die Bäume

Zwischen den Aufführungen durften Kinder auf die Bäume klettern oder den Uhu des Falkners streicheln. In weißen Zelten wurde Kulinarisches serviert. An weiß gedeckten, langen Tischen trafen sich die Gäste zum Gespräch oder lustwandelten auf dem ehrwürdigen Schlosshof unter den Bäumen, deren Samen einst der Weltreisende Alexander von Humboldt seinem Freund Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein auf dessen Alterssitz Cappenberg mitgebracht hatte.

Der vierköpfigen Familie aus Essen, die eigens zum Kinderkonzert am Pfingstsonntag angereist kam und anschließend ihre Picknickdecke unter einem jener Bäume ausbreitete, war das nicht geläufig. Aber ganz bestimmt hätten Humboldt wie auch Stein dieses Idyll gutgeheißen.

 
 

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