Sonic Youth etc.: SENSATIONAL FIX

Die Künstler

Vito Acconci

(1940, New York, USA), wo er lebt und arbeitet.

Vito Acconci kommt ursprünglich aus dem Bereich der Literatur und Lyrik. Ende der 60er Jahre setzt er sich mit der Analyse der eigenen Person und der Untersuchung zwischenmenschlicher Beziehungen auseinander. Aus diesen Interessen heraus entstehen die ersten Arbeiten in den Bereichen Performance, Film und Video. Dabei lässt der Künstler unter dem Einsatz seines Körpers als expressivem Ausdrucksmittel Aktion, Raum und Beziehungsgefüge verstärkt ineinander übergehen. Mitte der 70er Jahre erweitert Acconci die Konzeption seiner Installationen um den Aspekt der Zuschauerpartizipation. Architekturentwürfe, Landschaftsarchitektur und Möbeldesign bestimmen die Schwerpunkte seiner Arbeit Mitte der 80er Jahre. Sie mündet 1988 in der Gründung des Acconci Studio, einer Gruppe von Architekten, die vor allem Projekte für den öffentlichen Raum realisieren.

„Michael Shamberg, der sich mit Video beschäftigte, einem damals in der Szene noch neuen Medium, besorgte mir einen neuen Job: die Mitarbeit an einem Video für Vito Acconci. Wir fuhren nach Brooklyn, um ihn bei der Arbeit zu filmen. Ich wusste nicht, was das bedeutete. Auch nicht, wer Vito Acconci war. Ich wusste nicht, was Brooklyn war, weil niemand nach Brooklyn fuhr. Brooklyn war eine andere Gesellschaft. Damals lebten dort keine Künstler. Keine Musiker. Doch ganz offensichtlich lebte dieser Acconci dort.“ (Auszug aus: Christophe Wavelet/Paul Sztulman, Interview mit Thurston Moore, 2008, Katalog „Sonic Youth“, Museion).

Rita Ackermann

(1968, Budapest, H). Lebt und arbeitet in New York, USA.

Das Werk der Künstlerin Rita Ackermann umfasst neben ihrer Mitgliedschaft in der Band Angelblood Malerei und Zeichnung sowie eine Serie an Entwürfen im Bereich Mode- und Skateboard Design. Mitte der 90er Jahre erlangt sie Aufmerksamkeit mit einer skizzenbuchähnlichen Werkgruppe an mädchenhaften, nymphenartigen Figuren, dargestellt in dessousartiger Kleidung. Weitere Werke scheinen die Malerei der Romantik als Quelle wieder aufleben zu lassen. In neueren Arbeiten widmet sich die Künstlerin mit dunkler, oft gewalttätig anmutender Palette den (alb-)traum- und märchenhaften Zeichnungen und Illustrationen der Künstler des 19. Jahrhunderts. Dabei variieren ihre Bilder zwischen flachen, genau bemessenen Pinselstrichen und expressiven Collagen, in denen sie ihr breites Themenfeld an historischen Ereignissen, dem Untergang der populären Kultur sowie dem Werk anderer Künstler, Schriftsteller, Tänzer oder Musiker reflektiert und umsetzt. Zahlreiche ihrer Werke sind Teil der Sammlung von Thurston Moore und Kim Gordon. Darüber hinaus ist Ackermann eine der im Rahmen durch die Sängerin von Sonic Youth 2000 kuratierten Ausstellung Kim’s Bedroom vertretenen Künstlerinnen.

Ericka Beckman

1951. Lebt und arbeitet in New York, USA.

Die experimentelle Filmemacherin Ericka Beckman beginnt ihre Tätigkeit Mitte der 70er Jahre unter dem Einsatz der zu dieser Zeit innovativen Technologie der Super-8-Filmkamera mit synchronsiertem Ton. Die Handlungen ihrer Filme basieren zwar oft auf kryptischen Erzählungen, in ihrer Arbeit lassen sich aber dennoch Themen ausfindig machen wie Konkurrenz, Kognition oder das, was sie „die Koordination des Selbst in der physischen Welt“ nennt. Neben ihrer häufigen Filmarbeit zu Performances von No-Wave Bands hat sie für einige Video-Projekte mit Mike Kelley zusammengarbeitet.

Bob Bert

Der amerikanische Schlagzeuger Bob Bert ergänzt in den 80er Jahren als einer der ersten Bassisten die Klänge des klassischen Schlagzeugs mit denen von im Abfall gefundenen Metallstücken. Von 1981 bis 1985 ist er Mitglied der experimentellen Rock Band Sonic Youth. Nach der Veröffentlichung des dritten Albums „Bad Moon Rising“ verlässt Bert Bob die Band und wirkt mit bei weiteren Musikgruppen, wie Pussy Galore, Boss Hog, Bewitched, Action Swingers, Chrome Cranks, deren Gründer er in den 90er Jahren ist, Knoxville Girls und The International Shades. Gegen Ende der 90er Jahre startet Bert gemeinsam mit seiner Frau, der Künstlerin Linda Wolfe, die Veröffentlichung von BB Gun, einem Magazin, das sich vorwiegend mit den Musikrichtungen Noise, Punk und der alternativen Szene auseinandersetzt.

Dara Birnbaum

(1946, New York, USA), wo sie lebt und arbeitet.

Die amerikanische Videokünstlerin Dara Birnbaum beschäftigt sich seit Ende der 70er Jahre mit dem Medium Fernsehen als mögliches künstlerisches Medium. Indem sie die Pop-Ikonen des Fernsehens - Werbespots, Soaps, Sportsendungen, Talkshows etc. - in ihren Videoarbeiten rekonstruiert und dekontextualisiert, hinterfragt sie die äußeren Bildwelten, Ausdrucksformen und manipulative Wirkungskraft des Massenmediums. Dabei entsprechen für Birnbaum der Effekt des Videos und dessen technische Tricks, wie verlängerte oder sich wiederholende Momentaufnahmen, einem Zustand der es dem Betrachter erlaubt, die oberflächlich banal erscheinenden Äußerlichkeiten zu durchschauen, die ihm im Fernsehen tagtäglich vorgesetzt werden. Damnation of Faust: evocation ist der erste Teil einer Trilogie, die sich mit dem wagnerianischen Faust auseinandersetzt: Die Heraufbeschwörung verwobener Erinnerungen und Träume befasst sich mit konfliktbeladenen Themen sozialer Einschränkung und Gefechte und definiert so die zum Ausdruck gebrachte persönliche Identität. Evocation ist das Ergebnis einer Montage bereits bestehender Filmaufnahmen, die auf einem Spielplatz in Soho gedreht wurden. Es untersucht die möglichen physischen Beziehungen und Emotionen erwachsener Frauen mit Spielen aus Kindheitstagen.

Joe Brainard

(1942, Salem, Arkansas, USA - 1994).

Die frühen Malereien und Assemblagen des Künstlers und Schriftstellers Joe Brainard, der zu Beginn der 60er Jahre nach New York umsiedelt und zahlreiche, bereits etablierte Persönlichkeiten aus der Kunst- und Literaturszene kennenlernt, zeugen von dem Einfluss durch Jasper Johns, Andy Warhol und Joseph Cornell. Schon bald hebt sein eigenes Werk sich durch Elemente der Lyrik und des Witzes hervor, die Brainard mit seinem Hang für das „unverfroren Schöne“ kombiniert. Oft produziert er seine Werke unter der Einwirkung von Amphetaminen. Neben seinen Zeichnungen, Malereien, Assemblagen und Collagen fertigt er Bühnenbilder für das Theater, entwirft Kostüme für Tanz und Ballett, entwickelt Titelblätter für Gedicht-Bände, Comics und Magazine sowie Plattencover. Seine schriftstellerische Tätigkeit umfasst unterschiedliche Kategorien, wie Memoiren, Tagebücher und Kurzgeschichten. Wenngleich er sein Schreiben als „verbal-visuelle Zusammenarbeiten mit sich selbst“ bezeichnet, so kooperiert er dennoch gleichermaßen mit anderen Dichtern, wie Kenward Elmsie (The Camp, 1968). Zu Beginn der 80er Jahre beendet Brainard seine bis zu diesem Zeitpunkt auf ein umfangreiches Werk herangewachsene künstlerische Tätigkeit aus einer so selbst genannten „Übersättigung“ an Kunst heraus sowie der Sorge, sich selbst nur noch ständig wiederholen zu können. Eines seiner Flower Paintings ist auf der Rückseite des Covers von NYC Ghosts and Flowers, dem 2000 erschienenen, 13. Album von Sonic Youth, zu sehen.

Glenn Branca

(1948, Harrisburg, Pennsylvania, USA). Lebt und arbeitet in New York, USA.

Der avantgardistische Komponist und Gitarrist Glenn Branca führt seine ersten musikalischen Experimente zu Beginn der 70er Jahre mit der von ihm gegründeten Theatergruppe Bastard Theater durch. Er wird bekannt durch sein experimentelles Spiel mit Lautstärke („Noise“) sowie alternativ gestimmten oder bewusst verstimmten Klangseiten. 1976 zieht er nach New York und wirkt mit in verschiedenen Post-Punk / No-Wave-Bands, wie The Static und Theoretical Girls. In seinen ersten Symphonien für E-Gitarren- und Perkussion-Orchester zu Beginn der 80er Jahre verbindet er dröhnenden Industrielärm mit mikrotonalen Elementen. Insbesondere in der Symphonie No. 3 (Gloria) spiegelt sich darüber hinaus seine Beschäftigung mit den mathematischen Grundlagen der Harmonielehre sowie den Ideen von Dane Rudhyar, Hermann von Helmholtz und Harry Patch wider. Musiker, mit denen Branca zu dieser Zeit verstärkt zusammen arbeitet, sind u.a. Lee Ranaldo und Thurston Moore von Sonic Youth, Page Hamilton von Helmet sowie verschiedene Mitglieder der Swans.

„Als ich [Glenn Branca] auf der Bühne sah, spielte er mit sechs Gitarristen und einem Schlagzeuger. Absolut phänomenal für mich. (…) es war ein ganz bestimmter Sound, ein unglaublich voller Sound. (…) Dann fand ich heraus, dass er jede Gitarre auf eine Note stimmte, und so wirkte es wie ein einziger machtvoller Akkord aus diesen sechs Verstärkern. (…) Und [er] sagte (…): Du musst wissen, ich stimme meine Instrumente ziemlich abartig.“ (Auszug aus: Christophe Wavelet/Paul Sztulman, Interview mit Thurston Moore, 2008, Katalog „Sonic Youth“, Museion).

William S. Burroughs

(1914, St. Louis, Missouri, USA – 1997, Lawrence, Kansas, USA).

Angeregt durch seine Begegnung mit Allen Ginsberg und Jack Kerouac wird der Novellist, Essayist, Sozialkritiker, Maler William S. Burrough zum Autor avantgardistischer Werke, wie Junkie (1953), Soft Machine (1961) und Naked Lunch (1959). Viele seiner Schriften sind halb autobiografisch. Als einer der ersten Vertreter der Beat-Generation – einer in den 50er, 60er Jahren populären Gruppe einflussreicher, amerikanischer Schriftsteller, die in ihren Werken verstärkt auf kulturelle Phänomene Bezug nehmen und den sozialen Rückzug romantisieren – wird er zu einem Autor, der sowohl die Popkultur als auch die Literatur nachhaltig beeinflusst. Auf dem Album Goo begleiten Sonic Youth eines seiner readings musikalisch. Das Cover des Albums NYC Ghosts and Flowers wiederrum ist Burroughs X-Ray Man gewidmet.

John Cage

(1912, Los Angeles, USA – 1992, New York, USA).

John Milton Cage gilt mit seinen mehr als 250 Kompositionen, von denen viele als Schlüsselwerke der neuen, avantgardistischen Musik angesehen werden, als einer der einflussreichsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Bahnbrechend ist unter anderem sein Werk 4’33, ein Stück aus drei Sätzen vollkommener Stille. Von nachhaltiger Bedeutung ist auch das musik- und kompositionstheoretische Werk von John Cage, das weiterhin die neuen Künstlergenerationen beeinflusst. Als Künstler wirkt er an der Konzeption der ersten Happenings mit und ist einer der einflussreichsten Initiatoren der Fluxusbewegung. Neben seinem kompositorischen Schaffen betätigt sich Cage außerdem als Maler. Das Projekt Ciccone Youth, eine Zusammenarbeit von Mitgliedern von Sonic Youth und Mike Watt, beinhaltet ein Stück mit dem Titel (silence). Darüber hinaus bringen Sonic Youth weitere Cover-Versionen zu Auszügen von John Cage heraus.

Merlin Carpenter

(1967, Pembury, UK). Lebt und arbeitet in London.

Als scheinbare Königsdisziplin der Kunst begegnet die Malerei im 20. Jahrhundert einer nachhaltigen Skepsis, die sich unter anderem auf ihre Dekorativität bezieht. Der Illusion, die Malerei als eine Kunstform zu etablieren, die sich dem Dekorativen entzieht, unterliegt der britische Künstler Merlin Carpenter nicht. Vielmehr gilt sein Interesse der Entmystifizierung der Malerei als ironisches Spiel von Sprache, deren formales Element vollkommen lesbar und eng mit dem jeweiligen Inhalt eines Bildes verbunden ist. Statt die Erforschung und den Ausbau von Metaebenen zu betreiben, hat er somit beschlossen, das Experiment Malerei fortzusetzen.

The Club In The Shadow

„(Jutta Koether) ist wirklich wichtig für mich. Sie ist Malerin, doch sie macht auch Musik, und ihr Ansatz zur Kunstgeschichte, ihre Sichtweise über verschiedene Maler und wie sie ihre Arbeit integriert, ist sehr interessant. Es ist sehr spannend, mit ihr zusammenzuarbeiten, weil es ihr nicht um Macht geht. Die erste Ausstellung unseres gemeinsamen Projektes The Club in the Shadow (2003) in der Galerie von Kenny Schachter war großartig. Vito Acconci hatte die Galerie mit einem System aus Metallgittern entworfen, das uns an einen Club der 1980er Jahre erinnerte. Also entschlossen wir uns, dieses Ding mit dem Titel The Club in the Shadow zu kreieren und die Galerie in einen Club zu verwandeln (…) und wir stellten uns vor, dies könnte eine Art Club für Leute wir Martha Stewart und Calvin Klein sein, die sich dort Wohnungen gekauft hatten. Wir haben die Galerie mit unseren eigenen Design-Systemen umdekoriert, oben richteten wir eine Lounge ein, und wir stellten verschiedenen Instrumente bereit, mit denen die Leute, die hereinkamen, theoretisch spielen konnten. Meist fanden dort jedoch organisierte Events statt, und das war echt spitze. Die Leute kamen einfach, füllten die Gasse, hockten um das Baugelände herum und tranken Bier, weil der Bau noch nicht fertig war. Diese Atmosphäre hatte etwas von kleinen Performances…“. (Auszug aus: Christophe Wavelet/Paul Sztulman, Interview mit Kim Gordon, 2008, Katalog „Sonic Youth“, Museion).

Ira Cohen

(1935, New York, USA), wo er lebt und arbeitet.

Ira Cohen ist in zahlreichen multimedialen Bereichen tätig: Er arbeitet als Filmemacher, Fotograf, Herausgeber von Literaturmagazinen, wie Gnaoua, und als Autor „wilder Prosa“ und Poesien. Als bekennender Dadaist und Surrealist wird Cohen insbesondere in seiner Funktion als Dichter der sog. Beat-Generation zugeordnet. William Burroughs and his Gilded Cobra (1966) und Jimi Hendrix (1966) sind Teile der legendären Serie From the Mylar Chambers, die Ira Cohen von Beginn der 60er Jahre an durchführt und für die er Freunde und Bekannte aus der New Yorker Künstlerszene in einem eigens geschaffenen Raum, der mit spiegelnden, biegsamen Paneelen aus Mylar-Kunststoff ausgestattet ist, fotografiert. Hypnotisch, surreal und halluzinatorisch wirken die so entstandenen Bilder, die den Gezeigten über sein übliches Portrait hinaus in einer fließenden Metamorphose darzustellen scheinen.

Loren Mazzacane Connors

(1949, New Haven, Connecticut, USA).

Der experimentelle Musiker und Gitarrist Loren Mazzacane Connors taucht unter vielen Namen auf, darunter Guitar Roberts, Loren Mazzacane, Loren Mattei und zuletzt Loren Connors. Als Komponist und Improvisator der akustischen und elektrischen Gitarre bringt er über 50 Alben heraus und kooperiert mit zahlreichen Künstlern, wie Jandek, Alan Licht, Thurston Moore, Keiji Haino, Jim O’Rourke, Smog und John Fahey. Nach seiner musikalischen Laufbahn in Richtung Blues-Rock, experimentellem Jazz, Noise, Drone und düsterem Folk entwickelt er zu Beginn der 80er Jahre einen weniger improvisierten Musikstil im Bereich der traditionell-ursprünglichen Folk Music. 1991 veröffentlicht Connors sein bis zu diesem Zeitpunkt bekanntestes Album Hell’s Kitchen Park.

Tony Conrad

(1940, Concord, New Hampshire, USA).

Das Werk des Künstlers Tony Conrad lässt sich nicht unter einem Begriff subsumieren: Er ist Avantgarde-Videokünstler, Experimentalfilmer, Musiker, Komponist, Sound-Künstler, Schriftsteller und im Rahmen seiner umfangreichen Schriften und Lehrtätigkeiten zugleich auch Vermittler seines Wissens. Als Violinist gehört Conrad zu den Begründern der Minimal Music, die als musikalisches Pendant zur Minimal Art in den 1960er Jahren entsteht. Inspiriert durch Jack Smith, dem Pionier des New Yorker Underground Films, und Beverly Grant, seiner ersten Frau, wendet er sich ab Mitte der 60er Jahre auch dem Film zu und realisiert mit The Flicker (1966) ein Hauptwerk des Strukturellen Films. Der Wechsel von dunklen und hellen oder farbigen Bildern mit unterschiedlicher Frequenz ist ein häufiges Stilmittel dieser Experimentalfilme. Während seine Filme primär wahrnehmungsorientierte Fragestellungen reflektieren, bedienen sich seine Videoarbeiten häufig narrativen Strukturen. Durch seine seit den 60er Jahren fortgeführte Abkehr von jeglichen formalen und modernistischen Traditionen wird Conrad für viele nachfolgende Medienkünstler, wie Tony Oursler und Mike Kelley, zur zentralen Leitfigur. Welches die physikalischen Formen und Verwendungsmöglichkeiten eines Filmes sein können, hinterfragt er kritisch und ironisch mit seiner Serie an in Essig eingelegten Filmen, Pickled E.K..

Sofia Coppola

(1971, New York, USA).

Sophia Coppola ist die Tochter der Filmemacher Eleanor und Francis Ford Coppola. Ursprünglich aus dem Bereich der Malerei und Fotografie kommend, widmet auch Sophia Coppola sich seit einigen Jahren verstärkt der Filmregie. Ihr Debüt The Virgin Suicides (Die Selbstmordschwestern), einer Verfilmung des gleichnamigen Romans von Jeffrey Eugenides, gewinnt 1999 bereits mehrere internationale Filmpreise. Ihr folgender Film Lost in Translation gewinnt 2003 den Oscar für das beste Originaldrehbuch, und auch Marie Antoinette (2006) wird ein international anerkannter Erfolg. Sophia Coppola, die auch als Modedesignerin tätig ist, arbeitet für ihre Filme immer wieder eng mit aktuell angesagten Musikgruppen zusammen, wie Air oder Phoenix. Zahlreich sind auch die Zusammenarbeiten mit Sonic Youth und im Besonderen mit Kim Gordon, die Arbeiten von Coppola in der durch die Musikerin 2000 in Eindhoven kuratierten Ausstellung Kim’s Bedroom zeigt.

Gregory Corso

(1930, New York, USA - 2001, Robbinsdale, Minnesota, USA).

Der US-amerikanische Dichter Gregory Corso gilt als einer der wichtigen Vertreter der Beat-Generation. Inspiriert durch den englischen Poeten Percy Bysshe Shelley (1792-1822) beginnt er gegen Ende der 40er Jahre, eigene Gedichte zu verfassen. In New York trifft er auf Allen Ginsberg, William S. Burroughs und Jack Kerouac, die ihn als Mitglied in die Gruppe der Beat-Autoren aufnehmen.

Paula Court

Die amerikanische Fotografin Paula Court hält die Protagonisten des Hip-Hop, Punk, No Wave, Free Jazz, Underground Dance und der experimentellen Musik in ihrem Einklang mit der New Yorker Kunstszene des Underground über einen Zeitraum von 10 Jahren in ihren Bildern fest: Andy Warhol, Africa Bambaata, Keith Haring, Patti Smith, John Cage, Liquid Liquid, Julian Schnabel, Madonna, Jean Michel Basquiat, Sonic Youth und viele mehr sind auf ihren Fotos, die in dem Bildband New York Noise. Art and Music from the New York Underground 1977-88 (Soul Jazz Records, 2007) gesammelt sind, vertreten.

Tacita Dean

(1965, Canterbury, GB). Lebt und arbeitet in Berlin, D.

Die Künstlerin Tacita Dean fokussiert ihren Blick auf die zunächst scheinbar unspektakuläre Faszination von Geschichten, Orten und Zeiten unterhalb der gewohnten Wahrnehmungsschwelle. Mit den Mitteln der Fotografie und des Films lässt sie sie in festgehaltenen, komponierten oder gefundenen Bildern sichtbar werden. Dabei reflektiert sie nicht nur den Vorgang des Sichtbarmachens und die darin zentral bestehende Rolle von Bildern, sondern sie thematisiert auch Zeit, Zyklus und den Aspekt des „Verschwindens“.

Für Merce Cunningham. First performance of STILLNESS (in three movements) to John Cage’s composition 4’33” with Trevor Carlson, New York City, 28 April 2007 filmt Tacita Dean den legendären Choreografen und Tänzer Merce Cunningham während der Ausführung seiner Choreografie zu der Komposition 4’33’’ von John Cage. Die Kamera bleibt fixiert auf Cunningham, der auf einem Stuhl sitzt und verschiedene Haltungen einnimmt. Die Statik der Szene wird lediglich durch Trevor Carlson, dem Direktor der Merce Cunningham Dance Company, unterbrochen, der in einer simplen Geste die Unterscheidungen zwischen den drei Teilen kennzeichnet, aus denen der Auszug von Cage zusammenkomponiert ist.

Barbara Ess

(1948, New York, USA).

Die Künstlerin Barbara Ess arbeitet mit den Mitteln des experimentellen Videos und der Fotografie, beschäftigt sich mit Musik und Performance, realisiert Bücher und schafft Installationen. Sie ist in den 80er Jahren zudem Herausgeberin der multimedialen Kunstzeitschrift JAA. Kennzeichnend für die Bilder von Barbara Ess ist der Einsatz einer einfachen Lochkamera und ihre Suche nach Motiven, die eigentlich nicht fotografierbar wären. Ihre Arbeit liegt somit im Grenzbereich des Wahrnehmbaren von „Menschen, dem Ich und dem außerhalb des Ichs Liegenden, dem Innen und Außen“. Ihrer Ansicht nach sind die Erinnerungen, Gedanken, Wünsche und Emotionen eines Jeden, der wahrnimmt, Teil unserer Wirklichkeit – einer Wirklichkeit, die so gesehen mit einer „normalen“ Kamera nicht greifbar wäre. Das Sublime und Unmögliche, Wunsch und Verlust sind somit zentraler Bestandteil der Arbeiten von Barbara Ess.

John Fahey

(1939, Takoma Park, Maryland, USA – 2001, Salem, Oregon, USA).

Der US-amerikanische Fingerstyle-Gitarrist, Komponist, Musikwissenschaftler und Gründer des Plattenlabels Takoma Records (1959) John Aloysius Fahey trifft zu Beginn der 50er Jahre auf den Sänger und Gitarristen Frank Hovingston und beginnt, sich verstärkt mit Blues und moderner Klassik auseinanderzusetzen. Unter dem Pseudonym Blind Joe Death veröffentlicht Fahey mehrere Alben, darunter einige so überzeugend, dass Kenner davon ausgehen, einen in Vergessenheit geratenen Bluesmusiker wieder entdeckt zu haben. Später entfernt John Fahey sich deutlich vom Blues, bezieht Einflüsse aus nichtwestlichen Musikformen in seine Kompositionen mit ein, experimentiert mit Collagen und arbeitet gemeinsam mit der Avantgarde-Band The Red Crayola. Mitte der 70er Jahre stürzt eine Schaffenskrise ihn in eine existenzielle und finanzielle Krise. Erst als in den 90er Jahren sein Werk von Musikern wie Sonic Youth und Jim O’Rourke neu entdeckt wird, greift er seine Schaffensperiode wieder auf. Sein Spätwerk unterscheidet sich deutlich von früheren Stücken und ist, elektronisch produziert, geprägt durch Genres wie Noise und Industrial.

Marco Fusinato

(1964). Lebt und arbeitet in Melbourne, Australien.

Gemeinsam mit seinem Künstlerkollegen John Nixon betreibt der Australier Marco Fusinato seit Jahren neben seiner künstlerischen Tätigkeit im Bereich der monochromen Malerei das musikalische Projekt SOLVER. Darin beeinflussen und ergänzen sich die praktischen Erfahrungen der beiden im visuellen Bereich mit dem gemeinsamen Interesse an der Musik des Punk. Da beide Künstler in großer Distanz voneinander leben – Melbourne und Sidney – ist ein Proben kaum möglich; die Ideen für ihre Aufnahmen entstehen vielmehr per Telefon und realisieren sich jeweils bei den gemeinsamen Treffen in der Stadt des Einen oder des Anderen. Die Umsetzung der unter den ungewöhnlichen Bedingungen entstehenden musikalischen Performances unter dem Label FREEWAYSOUND setzt einen besonderen Fokus auf Elemente des Rock und Noise. Zu den im Rahmen von SOLVER entwickelten Projekten zählt auch die Herausgabe der Publikation AXE, einer regelmäßig erscheinenden Musik-Zeitschrift. Einige der zuletzt erschienenen musikalischen Erscheinungen präsentiert Marco Fusinato im Rahmen eines gemeinsamen Projekts mit Thurston Moore.

Isa Genzken

(1948, Bad Oldesloe, D). Lebt und arbeitet in Berlin, D.

Die künstlerische Praxis von Isa Genzlen umfasst neben der Skulptur auch Fotografie, Collage-Bücher und Film. In ihrem Werk ermittelt sie die Struktur und Handlung des Körpers sowie die gegenseitige Wechselbeziehung zwischen Objekt und umliegendem Raum. Zentral ist ihr konstantes Interesse für die Stadt und ihre formalen Widersprüche. Ihr künstlerisches Vokabular interpretiert den Modernismus als verloren gegangenes Modell und ist charakterisiert durch die Verwendung einer großen Auswahl an Materialien, die von Küchenutensilien bis herausgeschnittenen Fragmenten aus kunsthistorischen Büchern reichen. 1980 fertigt Genzken eine Serie von zwölf Fotografien weiblicher Ohren. Losgelöst vom körperlichen und sozialen Kontext dominieren diese zu Fetischen gewordenen Sinnesorgane die Komposition, so wie das Antlitz in einem traditionellen Porträt. Für die Realisierung dieses Projekts hält Genzken Passanten auf den Straßen New Yorks an, überschüttet sie mit Komplimenten für die Schönheit ihrer Ohren und bittet sie, diese fotografieren zu dürfen. Somit handelt es sich hierbei um eine extrem radikale Form der Street Photography zur Erforschung von Themen der Transmission und Rezeption. Die spiegelnden, an durchscheinende Gebäudefassaden erinnernden Oberflächen von Kinder Filmen I schließen die Reflektionen des Raumes, in dem sie ausgestellt sind, in das Innere eines chaotischen Gefüges aus Collageelementen mit ein. Abbildungen von Werken der klassischen Kunst, Stücke von farbigem Klebeband, Farbkleckse, Verpackungen von Süßigkeiten überlappen sich, bilden Raster und lineare Kompositionen und vervollkommnen das Konzept des Raums, in dem sie sich befinden, indem sie ihn anreichern mit kulturellen und materiellen Bezügen.

Allen Ginsberg

(1926, Paterson, New Jersey, USA - 1997, New York, USA).

Wie viele der in der Ausstellung vertretenden Literaten, Künstler und Poeten zählt auch der US-Amerikaner Allen Ginsberg zu den Gründern der in den 50er Jahren entstehenden Beat-Generation. Auch sein politisch links orientiertes Engagement, sein buddhistischer Glauben, seine jüdische Herkunft, seine Homosexualität, zu der er sich früh bekennt, sowie der Einfluss bewusstseinsverändernder Drogen fließen in sein Werk mit ein. Allen Ginsberg selbst beruft sich zudem auf Vorbilder wie William Blake (1757-1827), Walt Whitman (1819-1892) und vor allem William Carlos Williams (1883-1963), der sein Schreiben stark beeinflusst. Ginsbergs bekanntestes Gedicht ist das 1956 veröffentlichte Howl, dessen als zu obszön empfundener, sprachlicher Stil einen Skandal auslöst. Der Verbot des Gedichtes sowie die Inhaftierung seines Verlegers Lawrence Ferlinghetti führen zu einer wichtigen Kampagne im Kampf um die politische, dichterische und künstlerische Freiheit. In den 70er Jahren vertont Allen Ginsberg gemeinsam mit dem Musiker Bob Dylan einige seiner Texte und führt einen regen künstlerischen Austausch.

“…ein Meilenstein für mich, nach New York zu kommen, war die ganze Bewegung um die Beat Generation und viele andere Sachen, die danach kamen und daraus hervorgingen – Dichter, Hippies, verrückte, inspirierende Künstler, The Velvets und The Fugs, Jack Smith, Warhol – eine ganze Litanei von Abkömmlingen. So waren wir alle sehr an Literatur interessiert, und am Kino ebenso.“ (Auszug aus: Christophe Wavelet/Paul Sztulman, Interview mit Lee Ranaldo, 2008, Katalog „Sonic Youth“, Museion).

Stefano Giovannini

Der italienische Fotograf Stefano Giovannini, der auch andere Bands wie Blonde Redhead, Chan Marshall oder Peaches als enger Freund portraitiert, fotografiert Sonic Youth nicht nur in Mailand, sondern er begleitet sie auch auf dem weiteren Verlauf ihrer Tour von 1992, nach Paris. Dokumentieren bedeutet für Giovannini festzuhalten, was anderfalls in Vergessenheit geraten würde. Dabei misst er dem einzelnen Foto nicht viel Bedeutung zu; vielmehr ist es die serielle Vielfalt an den Menschen und ihren Geschichten, die ihn interessiert.

„Heute standen wir zwischen römischen Säulen aus dem Jahr 300 n. Chr. Alter Ort. Mailand (…) ist das Einzige, was ich mir auf dieser Reise von Italien ansehen konnte, und drei Tage müssen genügen. Das Essen ist toll (…). Ein hier lebender Fotograf namens Stefano hat sich unserer angenommen und zeigt uns die Stadt. Dieser Ort ist so weit weg von uns – man denkt und geht das ganze Leben völlig anders an.“ (Auszug aus: Lee Ranaldo, Tagebuch der „Dirty“-Tour, 1993, Katalog „Sonic Youth“, Museion).

Tomoo Gokita

(1969, Tokyo, Japan), wo er lebt und arbeitet.

Jede Generation hat ihre eigene Auseinandersetzung mit der Figur. Auch der Japaner Tomoo Gokita geht im Spannungsfeld zwischen Abstraktion und Darstellung einem konzeptuellen Interesse an der Verzerrung des Schönen nach. Bei der Wahl seiner Motive lässt er sich von Musik, Typographie, Erotik, sogar professionellem Wrestling inspirieren. Mit seinem Pinsel entstellt Gokita, der von der Tusche- und Kohlezeichnung zur Malerei übergeht, die Gesichter seiner unheimlich wirkenden Schwarzweiß Portraits zu abstrakten, maschinenartigen Formen, oder vernichtet sie ganz. Darüber hinaus zeichnet Gokita zahlreiche Cover für Punk-Rock-Alben, darunter ein aktuelles für The Roadhause Session, an dem Thurston Moore als Solist beteiligt ist.

Jack Goldstein

(1945, Montreal, Kanada). Lebt und arbeitet in Los Angeles, USA.

Die wegweisenden Recherchen, die Jack Goldstein in den 70er und 80er Jahren auf den Gebieten des Klangs, des Films und der Malerei durchführt, beeinflussen nachhaltig viele nachfolgende Generationen amerikanischer Künstler. In seiner Arbeit zentral sind sein starkes Interesse für die populäre Kultur sowie seine künstlerischen Tätigkeiten im Bereich der Appropriations-Kunst mit medialen Bildern. Sein A Suite of Nine 7-inch Records with Sound Effects besteht aus der Zusammenstellung einer farbkräftigen Serie an Schallplatten, denen mit entsprechendem Titel versehene Cover beigefügt sind.

Mark Gonzales

(1969, Huntington Park, Kalifornien, USA).

Mark Gonzales, auch bekannt als The Gonz, ist professioneller Skateboarder und Künstler. Er gilt in der Szene als Pionier des Street-Skateboarding, der populärsten Form dieser Sportart. Gonzales, der in den 80er Jahren ungewöhnliche Skateboard-Sprünge etabliert, löst zu Beginn der 90er Jahre mit seinem Video Video Days eine neue Begeisterungswelle im Skateboarding aus. Parallel zu seiner Skateboard-Karriere beginnt er als Künstler zu zeichnen und malen sowie Kurzgeschichten zu publizieren. Seine Werke gehören zur Sammlung von Kim Gordon und Thurston Moore.

Kim Gordon

(1953, Rochester, New York, USA).

Die Amerikanerin Kim Gordon ist Musikerin, Künstlerin und Kuratorin. Bereits in den 80er Jahren ist sie nicht nur als Galeristin und Kunstkritikerin für die einflussreiche Kunstzeitschrift Artforum tätig, sondern zudem auch als Musikproduzentin, Bassistin und Mitbegründerin mehrerer Rockbands, wie CKM, Free Kitten oder Harry Crews. 1981 gründet sie, gemeinsam mit ihrem späteren Ehemann Thurston Moore und Lee Ranaldo, eine durch Noise-Rock und No Wave beeinflusste Band, aus der kurz darauf die Band Sonic Youth hervorgeht. Gordon, die durch ihre Texte bald schon zu einer Leitfigur der feministischen Punk-Bewegung wird, bleibt trotz ihrer musikalischen Karriere weiterhin im Bereich der Kunst tätig. So kuratiert sie 1982 eine Ausstellung in der White Columns Gallery in New York, bei der unter anderem die zu diesem Zeitpunkt noch wenig bekannten Künstler Mike Kelley und Tony Oursler vertreten sind. Andere Künstler, wie Jutta Koether, Rita Ackermann, Spike Jonze, Sophia Coppola und Raymond Pettibon sind, gemeinsam mit ihren eigenen künstlerischen Arbeiten, im Rahmen von Kim’s Bedroom (MU, Eindhoven 2000) ausgestellt. Eng ist auch die Zusammenarbeit Kim Gordons mit dem amerikanischen Künstler Dan Graham, dessen Einladung zu der Teilnahme an einer Performance die Gründung ihrer ersten Band CKM sowie den Beginn ihrer Karriere als Musikerin auslöst.

„Ich ging auf eine Kunstschule, gedachte, Künstlerin zu werden, wurde besonders von der Pop Art und Konzeptkunst beeinflusst.

Zog nach N. Y., um Kunst zu machen, war jedoch stärker an den No Wave-Bands interessiert, die damals [dort] spielten.

Damals hatte ich das Gefühl, es sei interessanter, in einer Subkultur zu arbeiten, die sich eher an der populären Kultur orientiert, als Kunst zu machen, die die populäre Kultur [nur] kommentiert. Jetzt weiß ich, dass ich dasselbe mache, doch ich glaube, habe das Gefühl, dass ich wirklich einen Beitrag dazu leisten kann, die populäre Kultur auf direktere Weise zu verändern. Ich glaube wirklich, dass die Kunst letztendlich einen Einfluss auf die populäre Kultur hat, auch dann, wenn es sich um eine oberflächliche Ästhetik handelt, ebenso wie Subkulturen wie die Underground-Musik einen Einfluss haben oder zu bedeutenden Trends werden.“

“Im Jahr 1981 organisierte ich eine Ausstellung von Platten-Covers bei White Columns. Überwiegend bildende Künstler, einige Musiker. Mir gefällt die Vorstellung von Plattenhüllen mit ihrem dem Publikum vertrauten Format. Man nimmt sie in die Hand, sie werden abgenützt, rollt Joints auf ihnen. Sie tragen Bilder, die sich, wie in der Werbung, nicht immer auf das aktuelle Thema [der Platte] beziehen.“ (Auszug aus: Kim Gordon, »Ich ging auf eine Kunstschule…«, o.D., Katalog „Sonic Youth“, Museion).

Dan Graham

(1942, Urbana, Illinois, USA). Lebt und arbeitet in New York, USA.

In seiner Funktion als Künstler und Kulturhistoriker ist Dan Graham zeit seiner Karriere im engen Kontakt mit der New Yorker Punk und No Wave-Szene. In seinen Arbeiten setzt er sich mit den Grenzen und Stereotypen auseinander, die den Kodex der führenden Konzepte charakterisieren, die um die Entstehung und Rezeption zeitgenössischer Kunst kreisen. Er konzipiert Projekte, die sich differenziert mit sozialer Interaktion in öffentlichen Räumen, dem Subjekt und seiner Beziehung zur Umwelt auseinandersetzten. Dabei entwickelt Dan Graham eine unabhängige Reflektion über den Ort und die Erfahrung von Kunstwerken innerhalb des Kontextes, auf den sie sich beziehen. Vor allem bei seinen Glas-Pavillons kommt Grahams psychologisches Gespür für soziale Funktionen der Kommunikation zum Tragen –zwei der bekanntesten sind die für die documenta7 realisierten sowie jener auf dem Dach des DIA Center for the Arts di New York (1981-1991). Hier ermittelt der Künstler eine elementare und symbolische Form, durch die er die Diskussion um die Wahrnehmung des Raums und die die Unterteilung in sein Inneres und Äußeres ins Blickfeld rückt. Dabei konkretisiert sich die Architektur zu einem gesellschaftlichen Raum, der sowohl Überwachung als auch Isolation bewirkt und das Verhalten von Benutzer und Betrachter analysiert. Der Sonic Pavilion for Punk Rock wurde eigens von Dan Graham für die Ausstellung SYetc. konzipiert.

„…Dan Graham lernte ich bei Vito (Acconci) kennen. Das war kurz bevor Kim (Gordon) in die Musikszene kam. Ich weiß noch, wie ich hinkam und sie in der Küche saßen und über Punkrock-Platten und dergleichen sprachen. Konzeptkünstler, die sich über Punkrock unterhielten! Ich war platt. Diese Typen waren schon seltsam. Dann kam Kim dazu, und ich begann, mich etwas mit Dan zu beschäftigen. Irgendwie war er faszinierend. Von seiner und auch Vitos Kunst bekam ich allmählich eine Vorstellung, da es bei beiden schon Bücher über ihr Werk gab.“ (Auszug aus: Christophe Wavelet/Paul Sztulman, Interview mit Thurston Moore, 2008, Katalog „Sonic Youth“, Museion).

Rodney Graham

(1949, Masqui, British Columbia, Kanada). Lebt und arbeitet in Vancouver, Kanada.

Rodney Graham verbildlicht in seinen Arbeiten verschiedene Ebenen des Alltags und der Kulturgeschichte. Auf diese Weise schafft er ein komplexes, in seiner Kritik sympathisierend gemeintes Werk zwischen Realität und Fiktion. Wie in dem ausgestellten Werk bezieht sich seine Kunst häufig auf filmische Klischees und bekannte Elemente der Musik. Dabei spielt die Wiederholung als formales und strukturelles Prinzip eine zentrale Rolle – nicht nur in seinen Filmen, sondern auch in vielen anderen Werken. Für Aberdeen schießt Graham 1998 einige Fotos im Geburtshaus von Kurt Cobain: Er präsentiert sie im Rahmen einer Dia-Show, die er begleiten lässt von vierspurig aufgenommenen Liedern, die in Gedanken an Kurt Cobain entstanden sind.

Kim Gordon: Aberdeen war ein interessantes Projekt, das du durchgeführt hast, als du zur Realisierung der Fotos das Geburtshaus von Kurt Cobain aufgesucht hattest. Das ist eine der depremierendsten Städte, in denen ich war, aber sie ist sehr bezeichnend für einige Teile der Westküste, zum Beispiel den Umkreis von Crescent City, im Norden Kaliforniens.

Rodney Graham: Ich habe die Stadt sehr schnell besucht und wieder verlassen. Zum Teil auch wegen des Wetters, es war ein sehr öder Tag. An einem gewissen Punkt öffnete sich der Himmel und ich konnte für zwei Stunden Fotos machen. Ich fühlte mich ein wenig wie ein Voyeur, mit all diesen Leuten, die mich von hinter ihren Jalousien aus betrachteten. Es war seltsam. Es war eine Arbeit, die für mein Vorhaben sprach, in den Bereich der Musik einzutreten und mich in der Herstellung von Demos zu versuchen. Zu Hause habe ich dann vierspurige Aufnahmen von Liedern gemacht, wobei ich an Kurt Cobain gedacht habe. Es war eine Lo-Fi Präsentation mit Diapositiven und Audio-Kassetten.

(Aus dem Interview von Kim Gordon mit Rodney Graham, veröffentlicht im Nero Magazine n.15, Rom, Januar/Februar 2008).

Matt Groening

(1954, Portland, Oregon, USA).

Matthew Abram Groening ist der Erfinder der Zeichentrickfilmserien The Simpsons und Futurama sowie des Comics Life in Hell. In den frühen 80er Jahren arbeitet er als Musikjournalist und ist selbst Mitglied der Rockband Rock Bottom Remainders, einem Zusammenschluss bekannter Comiczeichner und Schriftsteller, wie Stephen King, Dave Barry und Scott Turow. Vor allem mit seinen seit 1989 über die Fox Broadcasting Company ausgestrahlten, glubschäugigen Simpsons schafft Groening eine der erfolgreichsten Zeichentrickserien. Mit über 400 produzierten Episoden in mehr als 18 Jahren ist sie darüber hinaus die am längsten laufende Zeichentrickserie überhaupt. Viele Folgen der Simpsons stecken voller Anspielungen und sind gespickt mit Seitenhieben auf die amerikanische Alltagskultur – eine zynische, mitunter bösartige Abrechnung also mit dem „American Way of Life“ und den Idealen des „American Dream“. In einer Folge der Simpsons mit dem Titel Homerpalooza tauchen unter den Protagonisten Sonic Youth auf, die für diesen Anlass eine eigene „Grunge“-Version des abschließenden Jingle-Songs entwickeln.

Brion Gysin

(1916, Taplow House, GB - 1986 Paris, F).

Der amerikanische Schriftsteller und Maler trifft während der 50er Jahre erstmals auf William S. Burroughs. 1958, bei einem zweiten gemeinsamen Aufenthalt in Paris inspiriert Brion Gysin den Dichter des Beat zur Anwendung der von ihm selbst zuvor experimentell zum Einsatz gebrachten Cut-Up-Technik – einer Methode, den Zufall und die Montage in die Literatur mit einzubeziehen und zu völlig neuen Möglichkeiten der Textverarbeitung zu gelangen. (Ähnliche Ansätze waren zuvor bereits von Max Frisch und James Joyce entwickelt worden.) Die Zusammenarbeit der beiden mündet in der Veröffentlichung von Interzone, einem Werk, das nachhaltig Einfluss auf die amerikanische Literaturlandschaft hat. Gysin verfeinert im Laufe der Jahre die Cut-up-Methode und produziert mit Hilfe eines Computerprogramms so genannte Permutation Poems (Austauschgedichte) – eine Form des Gedichts, bei der eine kurze Phrase mehrfach wiederholt wird, wobei sich bei jeder Wiederholung die Reihenfolge der Worte vertauscht. Formen des akustischen Experimentierens erfahren Gysins Gedichte darüber hinaus durch Tonbandaufzeichnungen. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist das 1960 durch die BBC veröffentlichte Pistol Poem, eine Abfolge arrangierter Pistolenschüsse, die aus unterschiedlichen Entfernungen aufgezeichnet wurden.

Tim Hailand

(1965, Buffalo, USA). Lebt und arbeitet in New York, USA.

Zu den bekanntesten Werken von Tim Hailand gehört eine Serie mit dem Titel Words). Wie bei der hier ausgestellten Arbeit Believe (1999) zeigt die Serie Fotografien amerikanischer, oftmals melancholisch ins Licht gerückter Landschaften, durch die der Künstler den Schriftzug einzelner Wörter oder Poesien fließen lässt. Vorüberziehende Gedanken mischen sich so mit Momentaufnahmen des alltäglichen Lebens und mit der sich ständig in Bewegung befindlichen Welt. Believe ist Teil der Sammlung von Leah Singer und Lee Ranaldo.

Grant Hart

(1961, St. Paul, Minnesota, USA).

Grant Hart ist Schlagzeuger, Gitarrist und Songschreiber. 1979 gründet er gemeinsam mit dem Musiker Bob Mould und dem Gitarristen Greg Norton die Alternative Rock- und Hardcore Punkband Hüsker Dü. Nach der Auflösung der Gruppe gegen Ende der 80er Jahre veröffentlicht Grant Hart 1989 seine erste Solo-EP 2541 und gründet eine neue Band namens Nova Mob. Es folgen weitere Soloalben sowie Zusammenarbeiten mit Patti Smith, Charles Plymell und Philip Glass in späteren Jahren. Neben seinem musikalischen Werk ist Hart, beeinflusst durch den Dichter William S. Burroughs, auch als Schriftsteller tätig.

Todd Haynes

(1961, Los Angeles, USA).

Der Schauspieler, preisgekrönte Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Todd Haynes dreht bereits früh erfolgreiche, jedoch kontrovers diskutierte Kurzfilme, wie die 1987 mit Barbie-Puppen als Protagonisten gedrehte Karen Carpenter Story. Kennzeichnend für seine provokativen Ansätze sind nicht nur das Umstürzen jeglicher narrativer Strukturen, sondern auch tabuisierte und komplexe Elemente der Erotik, die Haynes zum Vorbild und Vorreiter des New Queer Cinema werden lassen. 1990 entsteht das für „Sonic Youth“ produzierte Video Disappearer – ein Einklang der visuellen und musikalischen Experimentationen der Band. Für sein aktuellstes Projekt I’m not there (2007), eine Biografie über Bob Dylan, gewinnt er 2007 im Rahmen der 64. Filmfestspiele von Venedig den Großen Preis der Jury.

Dick Higgins

(1938, Cambridge, GB - 1998, Québec, Kanada).

Wie viele andere Fluxus-Künstler studiert der Komponist und Dichter Dick Higgins Komposition bei John Cage. 1963 gründet er den Verlag Something Else Press und publiziert einflussreiche Texte von Künstlern wie Gertrude Stein, Emmett Williams, Claes Oldenburg, George Brecht und Daniel Spoerri. Seine Tochter Hannah Higgins wird zur Autorin der Fluxus Experience, einem Werk, das schon bald als maßgeblich für die Fluxus-Bewegung gilt. Dick Higgins veröffentlicht die wichtigsten Beiträge zu seinen eigenen künstlerischen Aktivitäten 1965 unter dem Begriff „Intermedia“ zusammen. Mit der Publikation bekommt der Begriff eine neue Dimension, die den Bereich der Kunst nachhaltig beeinflusst. Auch ist Dick Higgins bereits in den 60er Jahren ein begeisterter Befürworter und Nutzer des Computers als Werkzeug künstlerischen Schaffens. Er veröffentlicht zahlreiche Werke, darunter zum Beispiel eine neue Übersetzung von De Imaginum, Signorum, Et Idearum Compositione von Giordano Bruno (1548-1600), der als einer der frühesten Texte gilt, die sich mit der Idee des Multimedia auseinandersetzen.

Ake Hodell

(1919, Schweden – 2000)

Lässt sich der Klang eines Maschinengewehrs in Musik umwandeln? Der schwedische Schriftsteller, Komponist und Künstler Ake Hodell führt den Versuch 1967 in Strukturer III durch, einem Stück, das ausschließlich aus Kriegsgeräuschen besteht. Hodell, der zu Beginn der 60er Jahren einer Gruppe avantgardistischer Formexperimente angehört, bricht mit dieser Komposition das Tabu, Gewalt und Terror künstlerisch zu verarbeiten. Neben seiner Serie an Text-Sound-Kompositionen produziert der Künstler und Vertreter der schwedischen Konkreten Poesie Radio-Dramen und Bücher. Dabei thematisiert er immer wieder sarkastisch und provokativ zum Ausdruck gebrachte Formen politischer Gewalt und Unterdrückung, wie Krieg, Terror und Rassismus. Seine Werke befinden sich in der Sammlung von Kim Gordon und Thurston Moore.

Jenny Holzer

(1950, Gallipolis, Ohio, USA). Lebt und arbeitet in New York, USA.

Im Mittelpunkt des Werks der amerikanischen Konzeptkünstlerin Jenny Holzer steht die Realisierung von Sprach- und Textbezogenen Projekten im öffentlichen Raum. Straßenplakate sind ihr bevorzugtes Medium, doch sie nutzt für ihre Arbeiten auch andere Medien, wie LED-Leuchtbänder, Sitzbänke, Aufkleber, T-Shirts und Internet. Die aufrüttelnden, sozialkritischen Texte und politischen Botschaften – Truisms (= Binsenweisheiten) –, die Jenny Holzer seit Ende der 70er Jahre auf Anzeigetafeln, Laufbänder in Flughäfen, Gebäudeflächen, Flüsse und Plätze projiziert, lösen in unserer von Werbetexten und optischen Signalen dominierten Umwelt ein Innehalten und Nachdenken aus. Mit ihren durch Leuchtbänder und Schriftstehlen nach Außen getragenen, visuell-verbalen Interventionen greift die Künstlerin bewusst ein Kommunikationsmittel auf, das den heutigen Menschen aus ihrer täglichen Umwelt vertraut ist. Somit kann ihre Arbeit sowohl medienkritisch aufgefasst werden, als auch als Aufforderung zur Anerkennung neuer Kommunikationsformen der Kunst, die sie nutzt, um ihre Botschaften möglichst effektiv zu übermitteln. Ihre Freundschaft mit Kim Gordon geht auf die Zeit zurück, in der diese Kunst studierte.

Tim Irwin

Tim Irwin ist ein Video-Dokumentarist. In We Jam Econo – The Story of the Minutemen (2005) dokumentiert er die Anfangsjahre der frühen 80er Jahre Punk-Rock-Band bis zu deren tragischem Ende 1985, als der Gitarrist D. Boon bei einem Unfall ums Leben kommt. In einer dynamischen Abfolge aktueller Interviews mit Archivmaterial hält Irwin den Geist des für die Pioniere des Punk Rocks typischen „Do-it-Yourself“ fest. Zu den Aufnahmen neueren Datums zählen Gespräche mit Minutemen-Mitgliedern, wie Mike Watt und George Hurley, sowie mit anderen, einflussreichen Punk-Rock-Musikern, wie Flea, Greg Ginn, Richard Hell, Ina MacKaye, Thurston Moore und Henry Rollins.

Cameron Jamie

(1969, Los Angeles, USA). Lebt und arbeitet in Paris, F.

Der amerikanische Multimedia- und Performancekünstler Cameron Jamie gilt als präziser Chronist amerikanischer und auch europäischer Tradition und Lebensweise: Überdimensionale Vorstädte, künstliche Räume, Leben in der Peripherie, gigantische Shopping-Malls, die Angst vor Erdbeben, Mythen wie Hollywood und Wrestling-Hallen sind nur einige seiner Motive. Im kalifornischen San Fernando Valley, wo er aufwächst, beginnt Jamie Anfang der 90er Jahre subkulturelle Schattenreiche intensiv zu erforschen und in seinen künstlerischen Arbeiten die Formen und Fantasien der Menschen, die dort leben, zu verarbeiten. Die formale Umsetzung seiner Studien erfolgt durch das Medium des dokumentarischen Films. Die Inszenierungen des Künstlers sind rau und kommen ohne gesprochene Texte aus. Den einzelnen Bildern verstärkte Kraft hingegen verleiht die von Jamie zum Film komponierte Musik, welche Gesamtkunstwerke von großer Spannung und Intensität entstehen lässt. Teil der Präsentationen der Filme sind Fotografien, Zeichnungen und Texte des Künstlers.

Benjamin Katz

(1939, Antwerpen, Belgien). Lebt und arbeitet in Köln, D.

Der belgische Fotograf Benjamin Katz bleibt seit seiner Gründung der Berliner Galerie Werner & Katz im Jahr 1963 als Galerist tätig und gilt als einflussreicher Chronist und Essayist der deutschen Kunstszene. Seit 1976 arbeitet Katz, der mehrfach auf der documenta in Kassel vertreten war und seit 2006 Fotografie an der Kunstakademie Düsseldorf lehrt, als freier Fotograf. In flüchtigen Bilderserien und Porträts hält er seitdem das Geschehen des Kunst- und Kulturbetriebs und seiner Protagonisten fest. Wie bei dem Portrait von Gerhard Richter bei der Arbeit an einer seiner Kerzen hat er die Motive seiner Wahl, darunter häufig Künstlerfreunde und –kollegen, stets in ihrem unmittelbaren Kontext – dem Atelier, als Teil einer Tischgesellschaft, bei einer Ausstellung oder während einer Performance – im Visier.

Mike Kelley

(1954, Detroit, Michigan, USA). Lebt und arbeitet in Los Angeles, USA.

Mike Kelley beschäftigt sich mit „Weltanschauungssystemen“ und den psychischen Abhängigkeiten der darin gefangenen Menschen. In Performances, Zeichnungen und Texten untersucht er das Unheimliche und Grauenvolle, interessiert sich für Punk und für Künstler, die wie Joseph Beuys (1921-1986) „Systeme erfinden“. Dabei ist das Spektrum der Quellen, auf die Kelley sich beruft, noch längst nicht ausgeschöpft: Elemente der christlichen Ikonografie, dem Surrealismus und der Psychoanalyse fließen in seine Projekte ebenso mit ein, wie die Konzeptkunst, die amerikanische Hippibewegung, Trashkultur, Folklore und Karikatur. Seine Analyse der Auswirkung ideologischer Systeme auf den Einzelnen setzt Mike Kelley im psychologischen Bereich an. Sowohl Massenkulturphänomene als auch Kulturen jenseits des Mainstream gehören dabei zu seinem Interessenfeld, auf das er neben dem Einsatz musikalischer und textlicher Elemente mit emotional aufgeladenen Objekten, wie Kuscheltieren, Puppen, Trivialobjekten und Textilien reagiert. Die alltägliche Dingwelt, die er aufspürt und künstlerisch transformiert, werfen einen zurück in die früheste Kindheit, decken aber auch Anteile frühkindlicher psychischer Prozesse im Unterbewusstsein Erwachsener auf. Mike Kelley arbeitet für seine Projekte eng mit anderen Künstlern und Musikern zusammen, wie Paul McCarthy, Jim Shaw, Tony Oursler und Sonic Youth. Das Motiv der LP Dirty stammt von ihm.

Sztulman & Wavelet: „Wann hast du Mike Kelley getroffen?“

Kim Gordon: „Erst zwei Jahre später. Ich hatte New York nach einem Jahr verlassen, ging zurück nach L. A. und dort ein Jahr lang auf das Otis Art College of Art and Design. Kurz nach meinem Abschluss besuchte ich eine Vorlesung von Dan Graham im CalArts. Mein Freund und Lehrer John Knight hatte gesagt: »Wenn du nach New York ziehst, dann solltest du Dan treffen.« Er sprach andauernd von ihm, also ging ich hin. Mike Kelley war auch dort und diskutierte mit Dan über Punkrock mitten in der Vorlesung. Ich traf Mike also dort, und dann lernten wir uns näher kennen.“

(...)

Kim Gordon: „Mike war von Paul Thek beeinflusst, der als Künstler wirklich sehr interessant war. Er ging bis ins Extrem und schuf eine ganze Atmosphäre, wie auch Musik dies tut – besser als jede Architektur, weil es so ganzheitlich ist. Man denkt über das Material einfach nicht nach, wenn man einem Song zuhört, der einem wirklich gefällt, und genau das hat Paul Thek mit seinen Environments erreicht. Mike geht auch eher in diese Richtung. Er treibt alles wirklich bis ins Extreme, Groteske. Seine Werke transportieren die Illusion, persönlich zu sein, doch es geht nicht um ihn. Ich schätze diesen Aspekt seiner Arbeit sehr. Sie hat diese Motor City-Ästhetik aus Detroit.“ (Auszug aus: Christophe Wavelet/Paul Sztulman, Interview mit Kim Gordon, 2008, Katalog „Sonic Youth“, Museion).

Steve Keene

(1957, Washington, USA). Lebt und arbeitet in New York, USA.

Das künstlerische Konzept des Malers Steve Keene entwickelt sich zu Beginn der 90er Jahre und ist stark beeinflusst durch die enge Verbindung des Künstlers zu bekannten Größen der US-amerikanischen Independent-Musikszene. Kennzeichnend für seine Schaffensweise ist das Produzieren von multiples (= Bildern in Serie). Dabei liegen diese im Grenzbereich zwischen primitiver Malerei und der gegenständlichen, amerikanischen Malerei der Mitte des 20. Jahrhunderts. Steve Keene, der selbst einige Jahre als Radio DJ tätig war, gestaltet zudem für zahlreiche Bands, wie Pavement, The Apples in Stereo, The Silver Jews, Dave Matthews Band, Soul Coughing und Merzbow Plattencover Poster und Video-Sets.

Richard Kern

(1954, Ronoake Rapids, North Carolina, USA). Lebt und arbeitet in New York, USA.

In den 80er Jahren gilt der Regisseur, Schriftsteller und Fotograf Richard Kern als Kultfigur der New Yorker Underground- und Fetischisten-Szene. Thema seiner Arbeiten sind Tabus und Perversionen, die er in stets auf Gradwanderung zwischen Unzucht und Unschuld befindlichen Bildern präsentiert. Trashige Kurzfilme, handfotokopierte Poesie-Zeitschriften und erste Video-Clips, unter anderem für Sonic Youth (Death Valley‚ 69), entstehen. Wie sein Kollege Nick Zedd spezialisiert Kern sich auf ein radikales und alternatives Kino-Genre, thematisiert Sex und Gewalt und gilt schon bald als einer der Hauptakteure des so genannten low-budget Cinema of Transgression. 1995 veröffentlicht er seinen ersten Bildband New York Girls, auch dies eine Abrechung mit bestehenden Tabus, wie sexuellem Bondage (engl. = Unfreiheit, Knechtschaft) und Fetischismus. Stars und Künstler, wie die Post-Punk-Diva Lydia Lunch, David Wojnarowicz, Karen Finley, Rita Ackermann, der Novellist Geoff Nicholson und Musiker, wie Sonic Youth, Butthole Surfers und Marilyn Manson stehen seit Jahren vor seiner Kamera und rücken durch ihr Porträt einmal mehr die komplexe und dunkle Seite des menschlichen Daseins ans Licht.

Sztulman & Wavelet: “Was ist mit [dem Underground-Filmemacher und Fotografen] Richard Kern? Er war ja derjenige, der das Musik-Video für »Death Valley ’69« produzierte, und ihr habt dann eines seiner Fotogramme für das Cover von EVOL übernommen, euer nächstes Album, und noch ein weiteres für Sister“.

Ranaldo: „Er bewegte sich auch in jenem kreativen Mix der frühen 1980er-Jahren, war einer von den Leuten, die wir kennengelernt hatten. Er arbeitete an Filmprojekten und gehörte zu der Szene, die später als Cinema of Transgression bekannt wurde. Man arbeitete da in diesem Kontext des extremen New Yorker Punk, wo man kaputt war, kein Geld hatte, aber trotzdem Filme machte.“ (Auszug aus: Christophe Wavelet/Paul Sztulman, Interview mit Lee Ranaldo, 2008, Katalog „Sonic Youth“, Museion).

Jutta Koether

(1958, Köln, D). Lebt und arbeitet in New York, USA.

Immer wieder wird Jutta Koether als scharfsinnige Theoretikerin und feministische Antwort auf die Neuen Wilden, also Künstlerhelden der 80er Jahre, wie Martin Kippenberger, Sigmar Polke und Albert Oehlen gehandelt. Sie selbst bezeichnet sich in erster Linie als „painter, performer, participant“ („Malerin, Performerin und Teilnehmerin“). Dass sie dennoch als Musikerin, Schriftstellerin und Kritikerin tätig ist, zeigt sich nicht zuletzt an ihrer Mit-Herausgeberschaft der Musik- und Popkulturzeitschrift Spex in den 80er Jahren. Kernpunkt ihrer künstlerischen Arbeit ist ein Crossover, das sich in ihrer Untersuchung der Funktionen von realen und ideellen Räumen und der Verbindungen der Malerei mit anderen Medien, wie Film, Musik, aber auch der Politik niederschlägt. Dass sie dabei zielgerichtet und kontinuierlich der Entwicklung eines eigenen Vokabulars nachgeht, schließt sie aus jeglichem kunsthistorischen Bezugssystem aus und erlaubt es ihr zugleich, frei aus dem Bilderschatz namhafter Künstlergenerationen zu schöpfen. Zu der Präsentation ihrer oft installationsartig, dicht inszenierten Arbeiten spielt die Künstlerin am Keyboard, liest eigene und fremde Texte, spricht und nutzt die Performance als Mittel, um Musik, Sprache und Bild zusammenzubringen. Kennzeichnend für ihr Werk ist zudem die regelmäßige Zusammenarbeit mit anderen Künstlern, wie den Musikern von Sonic Youth, Kim Gordon und Thurston Moore, sowie Steven Parrino.

Michael Lavine

(1963, San Francisco, USA). Lebt und arbeitet in New York, USA.

Seit Ende der 80er Jahre portraitiert der Fotograf Michael Lavine die Ikonen der Popkultur und Musikszene New Yorks. Im Verlauf seiner Arbeit mit den Protagonisten des Underground entwickelt er den für seine Bilder charakteristischen Stil einer verzerrten Perspektive, stark gesättigten Farben und extremer Belichtung. Doch nicht nur formale Aspekte, sondern auch die nahe Freundschaft und enge Beziehung zu vielen seiner Modellen bewirken, dass die Fotografien Michael Lavines sich von anderen unterscheiden und ihn bald schon zum fest etablierten Bestandteil der Musik-, Unterhaltungs- und Werbeindustrie werden lassen.

D.A. Levy

(1942 – 1968, Cleveland, Ohio, USA).

In der Mitte der 60er Jahre ist der amerikanische Künstler, Poet und Herausgeber D.A. Levy in der Kunstszene Clevelands aktiv. 1966 wird der von rechtlicher Seite als öffentliches Ärgernis empfundene Levy wegen des Vertriebs obszöner Poesien an Minderjährige angeklagt. Die Konfiszierung seiner Werke kurze Zeit später hat eine Benefiz-Lesung zu seinen Gunsten zufolge, an der namhafte Künstler wie Allen Ginsberg, Tuli Kupferberg und The Fugs teilnehmen. Levy, der sich im Alter von 26 Jahren das Leben nimmt, ist bekannt für Werke wie North American Book of the Dead (1966), Cleveland Undercovers (1966) und Suburban Monastery Death Poem (1968). Kennzeichnend für viele seiner Dichtungen ist, was später mit „lexical poetry“ bezeichnet wird – der bewusste Einsatz syntaktischer und orthografischer „Fehler“, die an entsprechender Stelle im Text Mehrdeutigkeiten hervorrufen.

George Maciunas

(1931, Kaunas, Litauen - 1978, Boston, USA).

George Maciunas gilt als einer der zentralsten Mitbegründer, Theoretiker und Propagandisten der in den 60er und 70er Jahren populären Fluxusbewegung, einem internationalen Austausch von Künstlern, Architekten, Musikern und Designern. Bereits zu Beginn der 60er Jahre nimmt er, gemeinsam mit George Brecht, Al Hansen und Allan Kaprow, an frühen Happenings der New Yorker Kunstszene teil. Von 1962 an veranstaltet er bis in die 70er Jahre hinein Fluxusveranstaltungen in Deutschland, unter anderem mit Joseph Beuys. Von nachhaltiger Bedeutung sind seine zahlreichen Dokumentationen, Sammlungen und Texte über die Kunst des Fluxus. Als eine der ersten Fluxusveranstaltungen angesehen werden die 1963 von Maciunas organisierten Internationalen Festspiele neuester Musik, zu deren Teilnehmern unter anderem Nam June Paik, Dick Higgins, Wolf Vostell, Emmett Williams sowie die Komponisten Karlheinz Stockhausen und John Cage gehören.

„Und die Fluxus-Leute waren fester Bestandteil des dortigen Kulturlebens, der Downtown- oder Untergrund-Szene. Cage gilt diesbezüglich ja schon seit ewigen Zeiten als Übervater, seit seinen ersten Stücken in den 1940er- oder 1950er-Jahren. Er war damals, als wir hierher kamen, bereits eine Art »Elder Statesman«, im Duo mit Merce Cunningham, einer weiteren Lichtgestalt der Kunst des 20. Jahrhunderts, dessen Arbeit ich sehr bewundere. Er war wirklich wichtig. Seine Ideen und Arbeiten erwiesen sich als höchst einflussreich, in so vielen Bereichen – indem sie Elemente des Zufalls und der Elektronik einbezogen.

Ich glaube, von den Fluxus-Leuten kam ein ähnlich großer Einfluss. Es war zwar eine Strömung, über die wir erst im Laufe der Zeit mehr erfuhren sollten, also kein unmittelbarer Einfluss. Doch speziell bei Leuten wie Maciunas, der hier in New York lebte, oder Yoko Ono war man mit den Werken vertraut.“ (Auszug aus: Christophe Wavelet/Paul Sztulman, Interview mit Lee Ranaldo, 2008, Katalog „Sonic Youth“, Museion).

Christian Marclay

(1955, San Rafael, Kalifornien, USA). Lebt und arbeitet in New York, USA.

Der Künstler und Komponist Christian Marclay erforscht seit Ende der 70er Jahre die gemeinsamen Muster von Ton, Fotografie, Video und Film. Für seine Performances und Installationen verwendet er Schallplatten und andere Tonträger, die er extrem manipuliert, verformt oder gar zerstört, um Soundeffekte wie Endlosschleifen und akustische Sprünge zu erzielen. Die auf diese Weise, d.h. durch Mix- und Scratch-Techniken (engl. scratch = kratzen) virtuos zusammengestellten Musikstücke, führen unterschiedlichste Kulturbereiche zusammen und erweitern beständig das Feld der Künstler und Interpreten, mit denen der durch den Punk-Rock beeinflusste „Scratcher“ Marclay zusammenarbeitet. Auch seine rein bildnerischen Installationen und Skulpturen, wie Schallplatten ohne Rillen oder Plakataktionen leerer Notenblätter im öffentlichen Raum Berlins, rufen wortlos zu musikalischen Äußerungen auf und führen Marclays Inszenierung eines „Theaters des gefundenen Sounds“ fort.

Stock -1: Christian Marclay hat Guitar Drag 2000 in Texas gedreht – genau dort, wo zwei Jahre vorher zwei Weiße den Afroamerikaner James Byrd entführt und getötet hatten, indem sie ihn hinter einem Wagen herzogen. Marclays Erforschung musikalischer und sozialer Symbole (wie zum Beispiel die heutigen Cowboy-Geländewagen) verbindet den Usus der Rockmusik, Gitarren zu zerstören, mit der Geschichte rassistischer Lynchjustiz in den Vereinigten Staaten.

Paul McCarthy

(1945, Salt Lake City, Utah, USA). Lebt und arbeitet in Los Angeles, USA.

Seit Mitte der 70er Jahre beschäftigt sich Paul McCarthy in humorvollen Aktionen und Inszenierungen mit Themen wie Perversion und dem Grottesken. Kennzeichnend für seine Life- und Videoperformances ist der Einsatz von automatisierten Figuren – eine Art Alter Ego –, die ab den 80er Jahren als Akteure vor eigens geschaffenen Kulissen agieren und aufgrund der mechanischen Bewegungsabläufe ihren performativen Charakter bewahren. Die gespielten Handlungen, meist rohe und gewalttätige Situationen, werden sowohl aufgezeichnet als auch fotografisch dokumentiert. Sie parodieren Autoritätspersonen, Familienbeziehungen und starre Begriffe von Sexualität. Effektvoll zum Einsatz gebrachte Materialien, wie Ketchup oder Mayonnaise, verstärken nicht nur die zum Ausdruck gebrachte Ironisierung amerikanischer Werte, sondern wecken auch Horrorvorstellungen und Assoziationen von Blut und anderen Körperflüssigkeiten. Paul McCarty ist einer der einflussreichsten Persönlichkeiten der Kunstszene der West Coast.

John Miller

Die Werke des nordamerikanischen Künstlers und Schriftstellers beziehen sich überwiegend auf populäre und massenkulturelle Stereotype und deren „Überarbeitung“. Beeinflusst durch konzeptuelle Kunst, spielt Miller in seinen Collagen und Objekten mit Illusion und Wirklichkeit. Auch der Einsatz von Sprache gilt als ein zentrales Element seiner Arbeit. So jongliert er sowohl mit Auszügen aus Kunstkritiken als auch mit Titeln von TV-Serien und Unterhaltungssendungen, die er metaphorisch und in unabhängigen Zusammenhang zu seinen Werken setzt. Bereits seit den späten 70er Jahren ist seine kritische Haltung innerhalb der internationalen Kunstszene anerkannt und etabliert. Thurston Moore beginnt Ende der 70er Jahre, mit Miller, der ebenfalls Gitarrist ist, zu spielen. Dank dieser Verbindung, die noch vor Moores Bekanntschaft mit Kim Gordon stattfindet, beginnt dieser, Künstler wie Mike Kelley und Tony Oursler kennen zu lernen.

Maya Miller

Maya Miller ist Designerin, Illustratorin und Musikerin. Sie entwirft Plattencover, T-Shirts und Poster für die Musikszene aus Brooklyn, New York.

Thurston Moore

(1958, Coral Gables, Florida, USA).

1981 gründet der Sänger und Gitarrist Thurston Moore gemeinsam mit Lee Ranaldo und seiner späteren Ehefrau Kim Gordon die Band Sonic Youth. Ebenso wie Ranaldo ist auch Moore zuvor Mitglied des legendären Glenn Branca-Ensembles. Die durch diese Zeit beeinflussten Gitarren-Techniken werden später ein typisches Markenzeichen seiner Gitarrenarbeit bei Sonic Youth. Sein experimenteller Einsatz der Gitarre geht so weit, dass die extreme Manipulation der Instrumente ungewöhnliche Klangfarben und Höhen hervorruft. Auf bis zu 50 Gitarren greifen Ranaldo und Moore in ihren Live Gigs zurück; manche davon sind nur zum Einsatz für einen einzigen speziellen Song bestimmt.

Neben Sonic Youth ist Thurston Moore mit anderen Projekten beschäftigt. So veröffentlicht er immer wieder improvisiert-instrumentale und an Noise orientierte Solo-Alben, wie Psychic Hearts (1995) und Trees Outside The Academy (2007) sowie gemeinsame Stücke mit Kim Gordon oder Richard Hell unter den Bandnamen Mirror/Dash und Dim Star. Umfangreich ist auch seine Zusammenarbeit mit zahlreichen anderen Bands und Musikern, wie Lydia Lunch, DJ Spooky, William Hooker, Christian Marclay, Mike Watt, Loren Mazzacane Connors, Tom Surgal, William Winant, Nels Cline, Cock E.S.P., Daniel Castro, Chris Corsano und My Cat is an Alien.

Wavelet: „Inwieweit war dir die Bedeutung der Szene damals bewusst, einer speziellen New Yorker Kunstszene?“

Moore: „Ich wusste, dass es die gab, stellte aber keinen Vergleich zu anderen Städten an. Ich war noch nicht groß anderswo gewesen, hatte eigentlich keine ausgeprägte Vorstellung vom Rest der Welt. Und New York war für sich gesehen ein solches Universum, dass mein Blick sich kaum darüber hinaus richtete. Über London wusste ich Bescheid, einfach wegen der ganzen Punk-Szene. Doch die New Yorker Kunstszene … Jack Goldstein kam vom CalArts, und die ganze CalArts-Szene war in New York beheimatet. Aus Buffalo kam Robert Longo, mit Cindy Sherman. Es gab Zufluss aus allen möglichen Teilen Amerikas, aus Deutschland kam außerdem Martin Kippenberger, der mit einigen der No Wave-Leute verkehrte. Ich wollte gar nicht wissen, was diese Szene eigentlich war – bis ich Kim kennenlernte. Kim war absolut Teil dieser Welt und wusste, was sie war. Sie hatte die Kunsthochschule besucht. Fuhr mit Mike Kelley quer durchs Land. Ich lernte sie kennen, als sie gerade nach New York gezogen war.“

(...)

„Es ging gleich los mit einer Europa-Tournee (mit Glenn Branca). Wir spielten immer an irgendwelchen Treffpunkten der Kunstszene, aus der sich auch das Publikum rekrutierte, darunter Gerhard Richter, Isa Genzken und so fort, die auch das Ganze organisierten. So kam ich nach Europa, lernte Düsseldorf kennen. Lernte Leute kennen. Und das alles als ganz junger Bursche.” (Auszug aus: Christophe Wavelet/Paul Sztulman, Interview mit Thurston Moore, 2008, Katalog „Sonic Youth“, Museion).

Michael Morley

Der Künstler, Rock- und Experimental-Musiker Michael Morley ist als Sänger, Gitarrist und am Laptop zunächst für die Band Wreck Small Speakers On Expensive Stereos, später für die neuseeländische Band The Dead C sowie solo tätig. The Dead C ist, im Gegensatz zu zeitgleichen Bands wie Sonic Youth, auf der Suche nach dem puren Klang und nach unverfälschten, improvisierten, lautstarken Tönen, die ohne technische Manipulation aufgezeichnet werden. Mit dieser Richtung prägt die Band entscheidend die musikalische Richtung dessen, was mit Free-Noise bezeichnet wird, einer Mischung aus Free-Jazz und Noise Music.

John Olson

Lebt und arbeitet in Detroit, USA.

Bereits als junger Teenager beginnt John Olson, als Künstler tätig zu sein, in Bands zu spielen und elektronische Instrumente zu erfinden. Olson gehört, gemeinsam mit Nathan Young und Aaron Dilloway, unter dem Bandnamen Wolf Eyes zu den bekanntesten Vertretern einer musikalischen Richtung, die man „Lo-Fi-Industrial“ oder „Armen-Noise“ nennen könnte: der Erzeugung eines ohrenbetäubenden und komplexen Lärms mit selbst gebastelten, möglichst einfachen Mitteln und alten, ausrangierten Geräten. Seit Jahren veröffentlicht Wolf Eyes ihre Do-it-Yourself-Kompositionen auf Kassetten, CD-Roms und von kleinen Indie-Labels produzierten CDs. Erst im vergangenen Herbst erscheint ein erstes Album Burned Mind unter dem einst durch Nirvana und Mudhoney bekannt gewordenen Label SubPop aus Seattle. Die Band selbst betrachtet den von ihnen verfertigten Krach als eine Art kosmisches Geräusch, welches, zuvor gequält zustande gebracht durch menschlich erschaffenes Material, nun in seinen erlösenden, ursprünglichen Naturzustand zurück verfällt.

Roberto Opalio

(Turin, I).

Gemeinsam mit seinem Bruder Maurizio gründet Roberto Opalio 1997 My Cat Is An Alien (MCIAA), deren erstes Live Debut 1998, als Vorgruppe von Sonic Youth, stattfindet. Mit ihrem unverfälschten und improvisierten Einsatz von Bass und Gitarre bewegen sich MCIAA international erfolgreich auf dem Gebiet des Post-Rock. Dabei fließen die vielseitigen künstlerischen Aktivitäten, denen Roberto Opalio im Bereich der Malerei und Fotografie, des Films und der Glas-Kunst nachgeht, als audio-visuelle Performances in das gemeinsame musikalische Projekt mit ein.

Jim O’Rourke

(1969, Chicago, USA). Lebt und arbeitet in New York, USA.

Das musikalische Werk des Experimental-Musikers, Musikproduzenten und Kurzfilm-Regisseurs Jim O’Rourke ist nicht nur beeinflusst durch Jazz, Noise-Musik und Gitarren-Rock, sondern auch durch klassische Musik. Neben seinen Solo-Arbeiten ist er, wie von 2000 bis 2005 bei Sonic Youth, in zahlreichen Bands und Projekten aktiv.

Tony Oursler

(1957, New York, USA), wo er lebt und arbeitet.

Bekannt geworden ist der amerikanische Künstler Tony Oursler durch seine multimedialen Installationen und Arbeiten, in denen er Gesichter oder ganze Körper auf Gegenstände projiziert und zu lebendig verzerrten, brüllenden und stumm anklagenden „Dummies“ kreiert. Auch in seinen neueren Installationen, wie der ausgestellten Arbeit Sound Digressions in Seven Colours (2006) kombiniert er Video, Sound, Musik und Poesie. Das Werk zeigt sieben projizierte Video-Loops von 45 Minuten, auf denen Musiker unabhängig voneinander mit verschiedenen Instrumenten improvisieren. Wie Mike Kelley, mit dem er gemeinsam an dem Band-Projekt The Poetics tätig war, und Dan Graham setzt Oursler das in der zweiten Hälfte der 70er Jahre entstehende Geflecht aus Visueller Kunst und Punk-Musik in Gang. Gemeinsam mit Kim Gordon und Regisseur Phil Morrison produziert er darüber hinaus 2005 den Film Perfect Partner: Everything you Ever Wanted in a Car, eine Abhandlung über Amerikas Faszination für diesen Alltagsmythos.

Steven Parrino

(1958 – 2005, New York, USA).

Die Faszination des Künstlers Steven Parrino, der sich gegen Ende der 70er Jahre zunächst der Abstrakten Kunst, später auch dem Minimalismus zuwendet, gilt der Kultur des „outlaw“, in der Gewalt und Anarchie zentrale Themen bilden. Seine Arbeiten beziehen sich auf sämtliche kulturellen Phänomene, die der amerikanische Underground zum Ausdruck bringt: Cartoons, Punk, No Wave, Garage oder Noise. Die oft als „dark“ (engl. = düster, dunkel) bezeichneten, bewusst missgestalteten monochromen Gemälde (Black-Ops) des Künstlers gelten, ebenso wie seine auf Performance basierenden Filme, Zeichnungen, Gouachen und Collagen aus Materialien wie Motorlack, Blut und Glitter, als Zeugnisse stupider Unterhaltung, Aggression und radikalem Dissens.

Raymond Pettibon

(1957, Tucson, Arizona, USA). Lebt und arbeitet in Los Angeles, USA.

Raymond Pettibon setzt sich als Erzähler des Punk und Underground seit Jahren mit populären US-Mythologien auseinander und kratzt beharrlich am amerikanischen Selbstverständnis. Inspiriert durch die Produktion von Hollywood-B-Movies und die bilderreiche Sprache des Fernsehens produziert er Filme und bespielt in zahlreichen Cartoonartigen und mit Text kombinierten Blättern und Zeichnungen ganze Wände mit einer scheinbar willkürlichen, fragmentarischen Zusammenstellung von Helden und Anti-Helden der amerikanischen Comic-Industrie der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dabei thematisiert er nicht nut die Kultur des Baseball und Surfens, sondern wandelt auch blumige Hippieträume um in blutige Massakerszenen. Raymond Pettibon wird durch seine Plattencover für die Punkband Black Flag sowie die seit 1987 unter demselben Independent Plattenlabel SST herausgegebenen, handgefertigten Künstlerhefte bekannt. 1990 gestaltete er Cover und Booklet des Albums Goo der Band Sonic Youth.

“Sie hielt das keineswegs für Punkrock-Comic-Kunst, wollte ihn auch kennenlernen und sich mit ihm austauschen. Kim war wahrscheinlich die Erste, die im Kunst-Kontext etwas über Raymond Pettibon veröffentlichte. Ich weiß nicht mehr, in welcher Zeitschrift, auf jeden Fall geschah es lange, bevor er sich in den Galerien etablierte. Sein Bruder war übrigens bei SST Records, der Firma, die unsere Platten veröffentlichte. Gelegentlich unseres nächsten Trips nach Kalifornien machten wir also Raymonds Bekanntschaft, und er erwies sich als sehr interessanter Mensch, mit dem wir gerne zusammen waren. Vor allem Kim führte höchst fruchtbare Gespräche über Kunst mit ihm und machte ihn zudem mit Mike Kelley bekannt. Wir trafen uns mit beiden, und bald darauf drehte Raymond mit Mike zusammen einen Film.“ (Auszug aus: Christophe Wavelet/Paul Sztulman, Interview mit Thurston Moore, 2008, Katalog „Sonic Youth“, Museion).

“Raymond Pettibon kannten wir alle, doch Thurston meinte dann zum Beispiel: »Ich würde ihn gern bitten, dass er für das Album was macht.« Ich bin mir nicht sicher, ob Thurston erst ein bestimmtes Kunstwerk sah und dann für das Cover einen Entwurf machte, oder ob er Raymond selbst fragte, ob er nicht was hätte, doch gewöhnlich waren wir alle beteiligt, soweit es eben nötig war. Wenn man jahrelang in einer Gruppe ist, muss man eben für sich selbst auch so ein Gefühl haben »Wie weit muss ich mich selbst einbringen, um dabei zu sein?“ (Auszug aus: Christophe Wavelet/Paul Sztulman, Interview mit Steve Shelley, 2008, Katalog „Sonic Youth“, Museion).

Edwin Pouncey (alias Savage Pencil)

(1951, Leeds, West Yorkshire, GB).

Der Engländer Edwin Pouncey ist, unter anderem unter dem Pseydonym „Savage Pencil“, als Cartoonist und Musik-Jounalist tätig. Seine Bilder zieren Schallplatten und Poster von namhaften Bands wie Sonic Youth, Big Black, Bonnie „Prince“ Billie, The Fall und vielen anderen. Die Zeichnungen, Grafiken und Illustrationen, die er fertigt, scheinen Fusionen aus Psychedelic, Pop und Cartoon, amöbenhaften Dämonen und Kreaturen und surrealen Monstern mit irritierendem Eigenleben zu sein. Beeinflusst durch das amerikanische Underground-Comic der 60er und 70er Jahre sowie Punk, Noise und Black Metall entwickelt er einen eigenen Stil, der monatlich im englischen WIRE Magazin verfolgt werden kann. Im Mai 2006 kommt zudem das dritte Album der Band Pestrepeller heraus, einer improvisierten Mischung aus Drone-Rock (engl. = dröhnen) und Noise, deren Mitglied Savage Pencil aktuell ist.

Richard Prince

(1949, Panama Canal Zone, jetzt Republik Panama). Lebt und arbeitet in New York, USA.

Richard Prince beschäftigt sich mit trivialen Mythen der amerikanischen Alltagskultur. Mit seinen in den 80er Jahren entstehenden abfotografierten und in Ausschnitt, Farbe und Körnigkeit manipulierten Werbeanzeigen aus Zeitschriften wird er der Appropriation Art zugeordnet, einer in der Kunst etablierten, zeitgenössischen Ausdrucksform, bei der der Künstler vorgefundenes ästhetisches Material kopiert, manipuliert und strategisch verändert. „Sich aneignen“ oder „zitieren“ heißt diese hohe Form der Kulturkritik, auf deren Basis Richard Prince seit Jahren schamlos aus unserem reichen, medialen Massenfundus an Möbelanzeigen, Mode- und Amateurfotos, Cartoons, schlechten Witzen, Buchdeckeln, sogar Werken anderer Künstler schöpft. Vertraut und irritierend zugleich werfen seine Werke Kontroversen auf und karikieren und entlarven kritisch die Macht des Bildes in der Gesellschaft.

„Dasselbe im Fall Dan Graham. Internet gab es noch keines, doch ich machte mich trotzdem schlau. Bei der Beschäftigung mit seinem Werk fand ich heraus, dass es aus der Ära des New Yorker Minimalismus und der Konzeptkunst stammte. Von Konzeptkunst hatte ich zwar gehört, wusste aber nicht genau, was darunter zu verstehen war. Kim natürlich schon, und so sprach ich mit ihr darüber. Ich war für sie wie ein Rohdiamant, weil ich so wenig Ahnung hatte, aber stets auch bei solchen Themen in der Lage, das Wesentliche zu erfassen. Später entwickelte ich zweifellos ernsthafteres Interesse für Kunst, hielt aber das meiste davon für selbstverständlich. Richard Prince ist inzwischen ein wirklich etablierter Künstler, und damals spielte er in Glenns Band! Wenn er eine Ausstellung hatte, gingen wir hin und sagten: »Hallo, Richard, cool …«“

(...)

„Deswegen entzücken mich Menschen wie Richard Prince, der auch Kunstbücher und allen möglichen Kram sammelt und dies als Teil seiner künstlerischen Arbeit und Existenz ansieht. Mir ging das immer genauso, ich betrachte es als kreative Tätigkeit. Immer gab es Katalysatoren, die mich irgendwie in Bann zogen. Allein die Beschäftigung mit dem umfangreichen Archiv, das ich von Underground-Dichtung und dergleichen anlegte, barg Gefahren, weil es ein immens weites Feld ist, aber es faszinierte mich eben“ (Auszug aus: Christophe Wavelet/Paul Sztulman, Interview mit Thurston Moore, 2008, Katalog „Sonic Youth“, Museion).

Lee Ranaldo

(1956, Glen Cove, Long Island, USA).

Neben seiner Tätigkeit als Gründungsmitglied, Gitarrist und Sänger der Band Sonic Youth ist Lee Ranaldo mit eigenen Soloprojekten sowie als Herausgeber, Dichter und Musikproduzent aktiv. Mit seiner Frau, der experimentellen Künstlerin und Filmemacherin Leah Singer, erarbeitet er zudem Performances, in deren Rahmen die beiden Film- Sound und Sprachelemente mischen und improvisierte Effekte und Synergien aus Bild und Klang erzeugen. Legendär und beeinflusst durch die gegen Ende der 70er Jahre bestehende Mitgliedschaft im Ensemble des avantgardistischen Komponisten Glenn Branca ist Lee Ranaldos experimenteller Einsatz der Gitarre. Wie sein Band-Kollege Thurston Moore verwendet er zahlreiche verschiedenartige Gitarren, die er teilweise manipuliert, um ungewöhnliche Höhen und Klangfarben zu erzeugen.

Gus Van Sant

(1952, Louisville, Kentucky, USA). Lebt und arbeitet in Portland, Oregon, USA.

Gus Van Sant gilt als einer der bekanntesten Vertreter der New-Queer-Cinema- Bewegung, einer in den frühen 90er Jahren parallel zum Independent Film entstehenden, alternativen Kinobewegung, die radikal mit gesellschaftlichen Tabus bricht und vor allem die Homosexualität thematisiert. Frustriert vom konventionellen Hollywoodgeschäft beginnt Van Sant in den 80er Jahren, sich mit den tragischen Randerscheinungen, den Verlierern der Glamourwelt, zu beschäftigen. Neben seinem vielseitigen Werk als erfolgreicher Produzent und Filmemacher (My Private Idaho, 1991, Good Will Hunting, 1997 u.a.) ist Gus Van Sant auch als Fotograf und Musiker tätig. Gemeinsam mit William S. Burroughs entsteht zudem 1991 eine kurze Film/Literatur-Collage.

Mala Noche ist sein erster langer Film: Entstanden nach der Vorlage eines autobiographischen Romans von Walter Curtis, erzählt der 16mm-Film die Geschichte einer verrückten und verzweifelten homosexuellen Liebe. Der neuere Film Last Days reflektiert das Thema Tod in Erinnerung an die letzten Lebenstage von Kurt Cobain. Kim Gordon spielt darin die Mutter des Sängers.

Wilhelm Sasnal

(1972, Tarnớw, PL.).

Nach seinem Abschluss an der Krakauer Akademie widmet sich Wilhelm Sasnal im Rahmen der Künstlergruppe ladnie (poln. = hübsch) mit der direkten Erfassung von Alltagsgegenständen traditionellen Klischees der Malerei. In jüngster Zeit hat sich Sasnal der Rolle der polnischen Haltung während des Holocaust, aber auch der amerikanischen Künstlergeneration der 70er Jahre und der Musik von Independent-Bands wie Sonic Youth zugewandt. Auch hier bleibt seine Malerei also weiterhin auf Themen des Alltags gerichtet mit dem Ziel, eine individualistische Perspektive auf gesamtgesellschaftliche Phänomene zu manifestieren.

Um das filmische Material für The Band abzudrehen, filmen Sasnal und drei seiner Freunde, die sich während eines Konzerts von Sonic Youth unter dem Publikum befinden, aus ihrer jeweiligen Sicht entstandene Elemente der Band. Projiziert werden die vier Filme schließlich ohne Ton und in einer Aufstellung, die es dem Betrachter lediglich in fragmentarischer und unvollständiger Art ermöglicht, ein Zeugnis des Konzerts zu erhalten. Sweat ist das Shirt, das Sasnal während eines Sonic Youth Konzerts trug und dessen Spuren des Schweißes zu paradoxen, malerischen Zeichen werden, die an eine subjektive Erfahrung erinnern.

George Schneeman

(1934, St. Paul, Minnesota, USA). Lebt und arbeitet in New York, USA.

In den 60er Jahren beginnt der Maler George Schneeman, die junge Dichterszene New Yorks zu portraitieren. Harris Schiff, Ron Padgett, Ted Berrigan und Alice Notley sind nur einige der Poeten, mit denen Schneeman zusammenarbeitet und die er in Gemälden, Drucken, Postern und schnellen Zeichnungen festhält. Seine blassen und zurückhaltenden Bilder geben nicht nur die von Dekadenz, Melancholie und Abenteuer getragene Atmosphäre der New Yorker Künstler-Boheme der 60er und 70er Jahre wider, sondern sie zeugen auch von der Leidenschaft Schneemans für die italienische Freskomalerei. Anders seine Serie an kleinformatigen Collagen, an der er jahrelang parallel arbeitet und die mit ihren kräftigen, an die Pop-Art erinnernden Farben an Comic-Strips der 20er und 40er Jahre, Pin-up-Girls und Illustrationen für Kinderbücher anzulehnen scheinen.

Jim Shaw

(1952, Midland, Michigan, USA). Lebt und arbeitet in New York und Los Angeles, USA.

Der amerikanische Künstler Jim Shaw mischt Ereignisse seines Lebens, surreale Elemente des Traums und Erfahrungen, die an den Grenzen der Realität und des Bewusstseins liegen. Auf großformatigen, teilweise kulissenhaften Bildern, die ganze Wandflächen einnehmen, zeigt der Künstler seine psychedelischen Visionen vom Ende der Welt, von einem elenden, von Maya-Göttern, Nonnen, Präsidenten der Vereinigten Staaten, Außerirdischen und Comichelden besuchten Amerika, von apokalyptischen Weltvorstellungen des Christentums. Kennzeichnend für seine grotesken, oft tragikkomischen Arbeiten ist die Verwendung und Verwertung von Träumen, die er in „Dream Drawings“ (Traumzeichnungen) und „Dream-Objects“ (Traumobjekte) verarbeitet. Dabei fließen nicht nur seine persönlichen Träume in die Arbeiten mit ein, sondern auch der reiche Fundus des von Träumen und Alpträumen nur so strotzenden Amerikas.

Paul Sharits

(1943, Denver, Colorado, USA – 1993, USA).

Der Künstler und Maler Paul Sharits beginnt in den 60er Jahren, mit dem 16mm-Film zu arbeiten. Er gilt als Vertreter des Experimentalfilms, welcher, jenseits der Konventionen des Mediums und Sehgewohnheiten des Publikums, in seinen Motiven und in seiner Inszenierung auf avantgardistische Weise neue Ausdrucksformen erforscht.

Steve Shelley

(1963, Midland, Michigan, USA).

Der amerikanische Schlagzeuger Steve Shelley spielt zunächst in der in den 80er Jahren aufstrebenden Punk-Band Crucifucks, bevor er 1985 – in Nachfolge des Musikers Bob Bert – festes Mitglied von Sonic Youth wird. 1993 gründet er außerdem das Independent Plattenlabel Smells Like Records und unterstützt als Musiker aufkommende Bands, wie Cat Power. Ebenfalls 1993 produziert er sein erstes Soloalbum Blonde Redhead.

Sztulman: „Hattest du dich schon vor deiner Zeit mit Sonic Youth für Kunst interessiert?“

Shelley: „Nein, also ich kann nicht behaupten, dass ich dafür ein tiefes Interesse gehabt hätte. Zu den früheren Künstlern, die ich kannte, zählte Diane Arbus, und wir alle wollten ihre Arbeiten für ein Crucifucks-Album verwenden. Da ich aus Michigan kam, hatte ich natürlich keine Ahnung, wie ich die Genehmigung für das Foto einholen und es korrekt verwenden sollte. Ich glaube, wir benutzten dann einfach eine Fotokopie des Bildes für unsere Kassetten und Flugblätter“. (Auszug aus: Christophe Wavelet/Paul Sztulman, Interview mit Steve Shelley, 2008, Katalog „Sonic Youth“, Museion).

Cindy Sherman

(1954, Glen Ridge, New Jersey, USA).

Die Fotoserien von Cindy Sherman zeigen in der Regel Selbstportraits, in denen Cindy Sherman sich mithilfe einstudierter Körperhaltungen, Schminke, Perücken, Prothesen und Kostümen selbst inszeniert. Auch wenn ihre Verwandlungen bewusst als solche erkennbar bleiben, so betreibt sie dieses Rollenspiel verschiedenster stereotyper Frauentypen, deren Bandbreite sämtliche Altersstufen, Hautfarben, sozialen Herkünfte oder gar kunsthistorische Epochen umfasst, bis ins kleinste Detail. Auf der Suche nach Klischees ist sie auch mit Untitled Film Stills (1977-1980), einer Serie von 69 nummerierten Schwarzweiß-Fotografien, auf denen Sherman sich als blonde Schauspielerin in fiktiven, an B-Movies der 40er und 50er Jahre erinnernden Filmszenen inszeniert. Grotesk und zu Horrorvorstellungen verzerrt sind hingegen ihre Disasters (1985-1989), einer Serie an Arrangements von Körperteil-Prothesen, verrotteten Nahrungsmitteln, Körperausscheidungen, Erde und Abfall. Immer wieder geht es ihr bei ihren Arbeiten um die emotionalen und sozialen Abgründe, Mehrdeutigkeiten und Klischeevorstellungen unserer Gesellschaft.

In dem Super-8-Film Doll Clothes (Puppenkleider) erscheint Cindy Sherman als lebendig gewordene Anziehpuppe, die ein Kleidungsstück nach dem anderen anprobiert. Der Film, dessen Bilder in ihrer Abfolge an eine fotografische Assemblage erinnern, hinterfragt ein weiteres Mal die durch die Medien verbreiteten Stereotypen weiblicher Identität.

David Shrigley

(1968, Macclesfield, Cheshire, UK). Lebt und arbeitet in Glasgow, UK.

Der englische Künstler David Shrigley fotografiert, zeichnet und fertigt Skulpturen. Wie besessen stürzt er sich auf die Bruchstellen der gesellschaftlichen Oberfläche, gräbt, sucht und forscht nach soziologischen und psychologischen Fragestellungen, die den Blicken der meisten verwehrt sind. Den Pessimismus seiner Themen und Inhalte bricht er durch die Entscheidung, sie in ebenso verzweifelter wie komischer Auseinandersetzung mit Kunst, Kitsch und Konvention in sarkastischen Humor umzuwandeln. Seine großformatigen Monotypien (= Drucke, von denen es nur einen Abzug gibt) sind, im Gegensatz zu seinen Comicstrip-artigen Schwarz-Weiß-Zeichnungen, grell und bunt. Dabei spielt Shrigley auf bizarre und grimmige Weise mit bekannten Motiven, die er auf ihre Grundform reduziert. Intensiv ist seine Zusammenarbeit mit zahlreichen Musikern, die er seit Jahren erfolgreich mit Zeichnungen und Texten zu imaginären Songs beliefert. Sein gemeinsam mit dem Musiklabel Tomlab entstandenes Kunstbuch Worried Noodles stieß in der Musikszene bislang auf so hohe Resonanz, dass Interpreten, wie David Byrne, Franz Ferdinand, Hot Chip, Liars, Trans Am, TV On The Radio und viele mehr mit begeisterten Beiträgen auf seine Vorschläge reagierten.

Leah Singer

(1962). Lebt und arbeitet in New York, USA.

Die Kanadierin Leah Singer ist Fotografin, Filmemacherin und Künstlerin. Gemeinsam mit ihrem Ehemann, Lee Ranaldo, improvisiert sie mithilfe von manipulierten Projektoren Performances, in denen beide Film-, Sprach- und Soundelemente mischen.

Michael Smith

(1951, Chicago, USA). Lebt und arbeitet in New York und Austin, USA.

In seinen Werken stellt der amerikanische Künstler Michael Smith die Routine und Standardisierung der Populärkomödie auf eine ironische und überspitzte Weise dar. Damit führt er dem Betrachter die Plattitüde und Trivialität des kulturellen Massenkonsums vor Augen. Der Künstler bedient sich der tragisch-komischen Figur „Mike“, der Verkörperung seines Alter-Ego, und stilisiert sie zu einem alltäglichen Helden, der an sich selbst scheitert. Dabei bedient Michael Smith sich in der Darstellung eines sozialen Jedermanns der allgemein verständlichen Sprache der Massenmedien, die er gleichzeitig durch Banalisierung dekonstruiert.

Patti Smith

(1946, Chicago, USA).

Ende der 60er Jahre beginnt die nordamerikanische Künstlerin, Punk-/Rockmusikerin und Rockpoetin Patti Smith ihre durch die Beat-Generation beeinflussten Poesien in Zeitschriften, wie Rock und Creem, zu veröffentlichen. 1975 erscheint ihr erstes Album Horses, das sie gemeinsam mit der späteren Patti Smith Group produziert. Schon bald wird die Band zum Vorläufer und Vorbild der englischen und amerikanischen Punk- und New-Wave-Bewegung – und Patti Smith zur Ikone der Frauenbewegung. Die frei assoziierte Lyrik, die sie, halb atmenlos, über ihre Akkorde legt, gibt den Songs den für sie typischen aufmüpfigen, nervösen Reiz. Seit ihrem Rückzug aus der Musikbranche zu Beginn der 80er Jahre geht Patti Smith erst 1996, mit ihrem neuen Album Gone Again, wieder an die Öffentlichkeit.

Robert Smithson

(1938, New Jersey, USA – 1973, Tecovas Lake, USA).

Robert Smithson wird in den 60er und 70er Jahren zu einer Schlüsselfigur zwischen Konzeptkunst, Minimal Art und Land Art. Im Unterschied zum Minimalismus, der um Objektivität bemüht ist und hauptsächlich im Kontext der Galerien und Museen zu finden ist, kennzeichnet die Land Art eine romantische aber auch explizit gesellschaftskritische Komponente. Viele Land Art-Künstler ziehen sich damals mit ihren temporären, teilweise utopisch angelegten Werken in die abgelegenen, weitläufigen Naturgebiete Nordamerikas zurück. Die hier entstehenden, teilweise überdimensional angelegten Projekte gehen, wie Smithsons Spiral Jetty (1970), einen direkten, unmittelbaren Bezug zu der umgebenden Landschaft ein und reflektieren durch ihr naturgegebenes, prozesshaftes Werden und Vergehen grundlegende Fragestellungen zu Raum und Zeit.

„Er lebt in unserer Erinnerung weiter, sein Werk vermittelt sich uns vor allem in Form abstrakter Gedanken oder Arbeiten in Museen. Wie viele Menschen, die einen seiner »Unorte« sahen und mochten, haben denn den Antrieb verspürt, den ursprünglichen Ort aufzusuchen? Ist das überhaupt entscheidend? Irgendwie kommen einem die ausgestellten Arbeiten selbst »in natura« abstrakt vor, während ein Besuch von Broken Circle / Spiral Hill eine völlig andere Geschichte ist: eine geistige Versöhnung. eine Bestätigung bekannter und unbekannter Dinge.“ (Auszug aus: Lee Ranaldo, Tour-Tagebuch, 1983–1985, Katalog „Sonic Youth“, Museion).

Sonic Youth

Die 1981 in New York gegründete Band Sonic Youth ist eine der einflussreichsten No-Wave/Noise-Rock-Bands. Ihre aktuelle Besetzung besteht aus Thurston Moore (Gesang, Gitarre), Kim Gordon (Bass, Gitarre, Gesang), Lee Ranaldo (Gesang, Gitarre) und seit 1985 Steve Shelley (Schlagzeug). Der Name Sonic Youth entstammt einer Verbindung aus Big Youth, einer Reggae-Band aus den späten 70er Jahren, und Sonic’s Rendezvous Band, einer frühen Punk-Band, die von 1977-1979 durch den Gitarristen Fred „Sonic“ Smith geleitet wird. Entgegen der Logik konventioneller Rocksongs ist Sonic Youth bekannt für experimentelle, emotional-assoziative Klangwelten, die teilweise einen stark improvisierenden, instrumentell und technisch hoch anspruchsvollen Charakter aufweisen. Durch ihre häufige Zusammenarbeit mit diversen anderen Musikern erlangt das Repertoire von Sonic Youth nicht nur eine facettenreiche Bandbreite, sondern auch eine breit gestreute Fan-Gemeinde. Neben den zahlreichen Solo-Alben einzelner Band-Mitglieder sind Sonic Youth mit diversen, an anderen künstlerischen Ausdrucksformen orientierten Projekten außerhalb der eigenen Musik-Tätigkeit beschäftigt. Fast alle Mitglieder von Sonic Youth sind darüber hinaus als Produzenten von Künstlern und Gruppen tätig, die sie fördern.

Reena Spaulings

Reena Spaulings ist eine von dem internationalen Künstlerkollektiv Bernadette Corporation erfundene Künstlerin, Romanschriftstellerin, Performerin, Musikerin und Galeristin. In jüngster Zeit hat Reena Spaulings eine in Zusammenarbeit mit Rita Ackermann, Jutta Koether, Seth Price, Hanna Liden und Klara Liden zusammenkomponierte CD signiert. 2007 präsentiert die Galerie Reena Spaulings die von Kim Gordon und Jutta Koether kuratierte Ausstellung Dead Already.

Sun Ra

(1914, Birmingham, Alabama, USA – 1993, USA).

Der avantgardistische und experimentelle Jazzmusiker und –komponist Sun Ra, eigentlich Herman „Sonny“ Blount, gilt schon zu Lebzeiten als Legende. In seinem sehr eigenen Stil wird der umstrittene und exzentrische Musiker von den einen als genialer Innovator, von den anderen als bizarrer Scharlatan angesehen. Unumstritten ist sein nachhaltiger Einfluss als einer der Wegbereiter des Free Jazz. Insbesondere in den 60er Jahren durchläuft seine Musik eine chaotische und experimentelle Phase. Obwohl seine Alben aus dieser Zeit für Hörer, die sich zum ersten Mal mit seiner Musik beschäftigen, oft nur schwer zugänglich sind, erreicht seine Popularität während dieser Periode seinen Höhepunkt – als die Beat Generation und die aufkommende Psychedelic-Bewegung seine Musik aufnehmen.

Kathy Temin

(1968, Sidney, Australien).

Populärkultur und kunsthistorische Ereignisse sind die häufigsten Themen der australischen Künstlerin Kathy Temin. In der Serie My Kylie Collection (2001) untersucht sie den Einfluss der Musik- und Popkultur auf Sehnsüchte und kreative Prozesse, die im Zusammenhang mit der Konstruktion einer eigenen, persönlichen Identität entstehen können. Der Faszination für die Pop-Sängerin Kylie Minogue unterliegend, inszeniert sie einen verschiedene Medien umfassenden Dialog zwischen Musik und Kunst.

Dennis Tyfus

Das Werk von Dennis Tyfus speist sich aus Graffiti und der Untergrund-Musik Europas und Amerikas. Die Ungeheuer, die seine hektischen Zeichnungen bewohnen, sind krude, beschämend, betrunken und aggressiv. In ihrer dschungelartigen Existenz dreht sich alles um Dominanz und Angriff. Kurz: Es geht ums nackte Überleben. Der gebürtige Antwerpener, Teil der dortigen dynamischen Untergrund- Kunst und Musik Szene, zeigt eine klare Affinität zur Punk-Kultur der Rhode Island School of Design nahestehenden Künstlergruppe, natürlich mit einer eigenen Unverwechselbarkeit.

Alan Vega

(1948, New York, USA).

Der nordamerikanische Sänger und Künstler Alan Vega ist, gemeinsam mit Martin Rev, in den späten 70er Jahren Mitglied des New Yorker No-Wave-Duos Suicide. Bereits früh bekannt ist er außerdem für seine üppig inszenierten Bühnen-Performances, seine Schreie und Provokationen des Publikums. Sucide beeinflusst nachhaltig die New Yorker Szene und neu aufkommende Bands, wie OMD, Primal Scream und The Chemical Brothers.

„Alan Vega trug eine alte Frauenperücke und sah im Gesicht aus wie ein weißer Pfannkuchen mit Narbe. Kniend skandierte er fast unausgesetzt »Cherie, Cherie« und schlug sich immer wieder selbst mit dem Mikrophon. Dann schaute er irgendjemand im Publikum an, und wenn der sich dann wegdrehte und etwas zu seinen Freunden sagte, packte er die betreffende Person an den Haaren und brüllte ihr ein »Ahhhhhh!« [brüllt] mitten ins Gesicht.

Was ich davon hielt? Weiß ich nicht. Ich saß da mit einem Freund und dachte: »Oh, mein Gott, das ist wirklich unglaublich beschissen.« Vega ging an den Tischen herum, schnappte sich das Glas von irgendjemand und schüttete ihm den Inhalt ins Gesicht. Dann zerschmetterte er das Glas. Ein Mädchen, das ich kannte, hatte ihr Gesicht abgewandt – er kam rüber, nahm das Kabel seines Mikrofons, wickelte es ihr um den Hals und zog es straff, ungefähr so: »Ahhhhh! Ahhhhh!« [brüllt]. Es war verdammt beängstigend, und wir gingen, glaube ich, bevor das Konzert zu Ende war. Und sagten uns: »Lasst uns lieber gehen!«” (Auszug aus: Christophe Wavelet, Paul Sztulman, Interview mit Thurston Moore, 2008, Katalog „Sonic Youth“, Museion).

Jeff Wall

(1946, Vancouver, Kanada), wo er lebt und arbeitet.

Kennzeichnend für die Bilder des kanadischen Fotografen und Kunsthistorikers Jeff Wall ist die bis ins kleinste Detail komponierte Inszenierung des Alltäglichen, in die der Künstler nicht selten surreale Elemente einbaut. Seine betont narrativ oder, wie bei Burrow (2004), dokumentarisch wirkenden Fotografien sind häufig durch literarische Werke, historische Gemälde oder andere Kunstwerke inspiriert. Kennzeichnend für den andeutungsweise filmischen Charakter vieler Arbeiten des Künstlers ist die Installation der Bilder in großformatigen Leuchtkästen. Sonic Youth verwendet 2007 das Werk The Destroyed Room (1978) als Cover für ihr gleichnamiges Album.

Mike Watt

(1957, Portsmouth, Virginia, USA).

Mike Watt ist Bassist, Songwriter, Radio-Moderator und Produzent. Die Ende der 70er Jahre von ihm gegründete Punk-Band Minutemen gilt als Wegbereiter des Hardcore und Vorreiter des Crossover. Sie beeinflusst nachhaltig die alternative Rock-Szene der USA. Nach dem Tod eines der Mitglieder, D. Boon, gründet Watt 1986 eine neue Band namens fIREHOSE, die bis 1994 existiert. Als Solo-Bassist ist Mike Watt darüber hinaus für verschiedene namhafte Musiker und Bands, wie The Stooges oder Iggy Pop, tätig.

Marnie Weber

(1959, Bridgeport, Connecticut, USA). Lebt und arbeitet in Los Angeles, USA.

Das vielseitige Werk der amerikanischen Künstlerin und Musikerin Marnie Weber umfasst Fotografie, Skulptur, Installationen, Film und Video sowie Performances. Albtraumhaft und grotesk wirken ihre kunstvoll arrangierten Collagen aus leuchtend farbigen Räumen – im Empire-Stil gehaltene, prächtige Säle oder dunkle, unheimliche und dichte Landschaften –, in denen sie immer wieder kehrende, symbolhafte Charaktere aus menschartigen Kindwesen und Tieren anordnet. Einen Schwerpunkt ihrer Arbeit bildet das Thema der weiblichen Figur, welches sie in Form von hybriden, halb männlich-, halb weiblich-, halb tierischen Körpern und Wesen umsetzt. Ihre Arbeit A Thousand Leaves ziert 1998 das gleichnamige Album der Band Sonic Youth.

James Welling

(1951, Hartford, Connecticut, USA). Lebt und arbeitet in Los Angeles, USA.

Die Arbeit von James Welling zielt darauf ab, die technischen und konzeptionellen Grenzen der Fotografie herauszufordern. Dazu verwendet er ein breites Spektrum von fotografischen Apparaturen. Seine abstrakten Kompositionen werden mittels Fotogramm, traditionellen Abzügen mit Silbersalzen, Polaroid oder digital bearbeiteten Abzügen aufgenommen. Außerdem verwendet Welling alte digitale Fotoapparate ohne Verschluss. Weiters kommen einfachste Materialien wie zerknittertes Aluminium, faltige Stoffe oder Brotteig zum Einsatz.

In der Fotoserie mit Gebäuden von Los Angeles aus der zweiten Hälfte der Siebziger Jahre erreicht Welling eine Aussöhnung zwischen der Monumentalität des Architekturthemas und seiner Recherchen zur fotografischen Abstraktion. Welling lernt Kim Gordon 1978, bevor sie nach New York zieht, in Los Angeles kennen. Danach arbeiten sie beide in der Annina Nosei Gallery. Welling hat das Cover der Sonic Youth-Platte Bad Moon Rising gezeichnet.

Joshua White

Lebt und arbeitet in New York, USA.

Der Produzent und Multimedia-Künstler Joshua White ist bekannt für seine legendäre, psychedelische Licht-Show, die er Ende der 60er Jahre in dem durch Bill Graham in San Francisco gegründeten Musiktheater Fillmore East (1965) aufführt. Mit seinem effektvollen Einsatz des „liquid light“ setzt er einen neuen Meilenstein in der multimedialen Inszenierung des Lichts. Bald schon entwickelt er Bühnenshows für namhafte Interpreten, wie Jimi Hendrix und Janis Joplin. Aktiv ist auch seine Zusammenarbeit mit anderen Künstlern, wie die mit Michael Smith installierte Show MUSCO: 1969-1994 (MUSCO = Musik und Farbe). Außer seiner Tätigkeit als Künstler arbeitet White als Produzent und Direktor für Film und Fernsehen.

Christopher Wool

(1955, Chicago, USA). Lebt und arbeitet in New York, USA.

Der amerikanische Künstler Christopher Wool hinterfragt mit seinen Arbeiten die Grenzen der Malerei. Kennzeichnend für seine Werke ist eine kontinuierliche Auflösung und Rematerialisierung der Komposition. In ständiger Analyse von Form, Linie, Farbe, Rahmen, Anordnung und Repräsentation vermitteln seine Bilder anstelle einer konkreten Aussage den Prozess der physischen oder intellektuellen Arbeit des Kunstschaffens. Seine auf Texte aufbauenden Arbeiten erkunden seit 1987 die Grenzen der Sprache und ihre symbolische Bedeutung. Wools interpretiert die Sätze und Wörter, die seine Bilder zusammensetzen, neu: Das Wort als plastisches Material in der Malerei steht immer im Kontrast zum Wort als sprachlicher Einheit. Eines seiner zentralen Themen ist das Unsagbare, das konstante Versagen der Sprache. Ein weiteres wichtiges Thema Wools ist das Verhältnis zwischen Original und Reproduktion, dort wo Überlagerungen und grafische Eingriffe eine Reproduktion wiederum in ein neu zusammengefügtes Original verwandeln. Zwischen 1994 und 1995 realisiert Wool eine Serie von Nachtfotografien mit dem Titel East Broadway Breakdown, nach dem Namen der Straße im Lower East Side, dem Viertel, in dem er lebt und arbeitet. So wie seine Malereien oszillieren auch seine Fotografien zwischen Abstraktion und Darstellung, sodass sich der Betrachter auf der Suche nach Kohärenz vor eine mehrdeutige Wirklichkeit gestellt sieht. In Zusammenarbeit mit Sonic Youth realisiert der Künstler das Cover des Albums Rather Ripped (2006).

Shinya Yamamoto

(1978, Kobe, Japan). Lebt und arbeitet in Tokio, Japan.

„Die meisten Menschen gehen bei der Betrachtung eines Bildes unbewusst davon aus, zusätzlich einen Klang oder Ton (engl. „audio“) zu hören.“ In ihrer Arbeit geht die japanische Medienkünstlerin dem Wissen um diese Erkenntnis nach. Als Quelle für die Entstehung ihrer grafischen Bildwelten, die sie mit Klängen untermalt, greift sie unter anderem auf den unerschöpflichen visuellen Fundus des Internets zurück.

Nate Young

1996 gründet der experimentelle Musiker Nate Young, gemeinsam mit John Olson und Aaron Dilloway, die Detroiter Band Wolf Eyes. Am Computer generiert er Klänge, die sich zu dichten Geräuschwänden verbinden und als Kompositionen in kleinsten Auflagen über das Label Hanson erscheinen. Wolf Eyes gehen ihrer lärmenden Passion nicht im kommerziell fruchtbaren Umfeld bekannter Produzenten, Labels oder Clubs nach, sondern in einer musikalischen Produktion, die sich in zahllosen Kassetten, Singles und Split-LPs manifestiert. Thurston Moore wird 2004 bei einem Noise-Konzert auf die Band aufmerksam und nimmt sie als Vorgruppe mit auf Tour.

 
 

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