So schön, so wahrhaftig: die Doku „Eva Hesse“

Eva Hesse, ca. 1963
Eva Hesse, ca. 1963
Foto: realfictionfilme
Die gelernte Film-Ausstatterin Marcie Begleiter hat sich für ihr dokumentarisches Regiedebüt „Eva Hesse“ einer deutsch-amerikanischen Künstlerin angenommen, die 1970 mit nur 34 Jahren einem Hirntumor erlag.

„Hesse, Eva, amerikanische Künstlerin deutscher Herkunft, emigrierte 1939 nach New York; fand Mitte der 1960er-Jahre zu amorph wirkenden Plastiken aus Schnüren, Stoffen, Gummi, später aus Fiberglas; gilt als Vorläuferin einer feministisch orientierten Kunst.“ So trocken konnte ein Leben im gedruckten Lexikon pointiert werden; der Wikipedia-Eintrag fällt kaum detaillierter aus. Umso wichtiger, dass sich die gelernte Film-Ausstatterin Marcie Begleiter für ihr dokumentarisches Regiedebüt „Eva Hesse“ der deutsch-amerikanischen Künstlerin angenommen hat, die 1970 im Alter von nur 34 Jahren einem Hirntumor erlag.

Es braucht seine Zeit, bis der Film in die Gänge kommt. Er geht chronologisch vor und kann nicht immer begreiflich machen, warum manche Details extrem ausführlich geraten und andere leichtfertig verschenkt werden. Die ersten Lebensjahre sind geprägt von Flucht und Neuanfang, Scheidung der Eltern und Selbstmord der Mutter; es folgen die New Yorker Beatnik-Jahre, als Teen-Girl Eva in der Szene von Manhattan zunächst als Malerin Tritt fasst. In der Ehe mit dem Bildhauer Tom Doyle, der gemeinsame einjährige Aufenthalt bei einem Sponsorenpaar in Essen-Kettwig findet Eva Hesse ihre Berufung als Bildhauerin. Sie beginnt mit Materialien zu arbeiten, die sich selbst zersetzen und das Kunstwerk endlich machen sollen.

Marcie Begleiter findet für diese und folgende Episoden und Analysen immer wieder beredte Zeitzeugen, die Wesen und Wirken Eva Hesses anschaulich schildern; ansonsten müssen Fotos herhalten und eben Hesses Kunstwerke, die allesamt die Zeit doch gut überstanden haben. Dramatisch wird die Zielgerade, als Hesses Gesundheit sich wegen eines viel zu spät behandelten Tumors verschlechtert und die Künstlerin unmenschlichen Schmerzen ausgesetzt ist. Ein Super 8-Streifen, im Atelier gedreht, zeigt sie kurz vor ihrem Tod bei der Arbeit, sympathisch, gezeichnet von Schmerzen, aber immer noch voll Tatendrang, zu Herzen gehend. So schön, so wahrhaftig kann Kino sein.

 
 

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