Sibylle Lewitscharoff belebt den Pong wieder

Die Schriftstellerin und Büchner-Preisträgerin Sibylle Lewitscharoff.
Die Schriftstellerin und Büchner-Preisträgerin Sibylle Lewitscharoff.
Foto: dpa
So verrückt wie das Leben, aber ohne Wortpurzelbäume: Der Held der Erzählung, mit der die diesjährige Büchner-Preisträgerin 1998 den Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb gewonnen hat, feiert eine Wiederauferstehung. Mit Illustrationen von Lewitscharoffs Lebensgefährten Friedrich Meckseper.

Essen.. Pong lebt: Diese freudige Nachricht überbringt ein schmales Bändchen der diesjährigen Büchner-Preisträgerin Sibylle Lewitscharoff. Pong, der „Ratschbürtige“, geboren durch Entzweireißen. Pong, der eine Brücke zu Gott geschlagen hat, „jauchzend bestätigt“ durch das „Sturzgold früher Sonnenstrahlen“.

Ein Held, für den trotzdem galt: „Leider Sorgen die Menge“. Eine der vielen eigentümlichen Wendungen, die sich seinerzeit ins Hirn brannten, als Sibylle Lewitscharoff mit einem Auszug aus der Erzählung „Pong“ 1998 den Ingeborg-Bachmann-Preis gewann. Wendungen, die manche gar durch die Fährnisse des Lebens begleitet haben.

Buchgenerator und Elektro-Spiegel

Am Ende aber sprang Pong vom Dach eines Hauses. Mit ihm starb das Programm der frohgemuten Verrücktheit – auch die Idee, die Welt retten, jedenfalls verbessern zu können. Oder? „Pong redivivus“ steigt quasi im Flug ein, der Held landet im „Gezweig der Blutbuche“ sowie mit gebrochenem Bein in der „Siechen­station“. Sogleich fängt Pong an, die Umwelt seinen Wünschen anzupassen, zum Beispiel die beiden Krankenschwestern Erika und Mandy, eine kurze Dicke und eine lange Dünne, aufs Idealmaß zu phantasieren.

Irre also ist Pong noch immer, in Maßen. Die sprachlichen Salti, die eigentümlichen Wortkonstrukte aus „Pong“ aber fehlen. Dafür wird Pongs Genesung begleitet und gefördert durch die Erinnerung an Objekte, die er daheim gehortet hat und die im Buch abgebildet sind: kleine Werke aus Schräubchen und Zahnrädern, ein „Buchgenerator“, ein „elektrischer Spiegel“. Der Künstler Friedrich Meckseper, Lebensgefährte von Sibylle Lewitscharoff, hat sie geschaffen.

Am Ende scheint Pong geheilt: Die gemeinsame Leidenschaft für die Fernsehserie „Monk“ beschert ihm einen Freund – was für eine ge­genwärtige Erdung! Vielleicht das beste Mittel gegen das „Stirngebraus“, dem Pong so wortgewaltig ausgesetzt war.

Sibylle Lewitscharoff/Friedrich Meck­seper: Pong redivivus. Insel, 108 Seiten, 13,95 €

 
 

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