Oberhausen

Shakespeares "Heinrich" in Oberhausen - Königsdramen in drei Stunden

 Shakespeares „Heinrich" in Oberhausen, Regie: Tilman Knabe. Im Bild: Klaus Zwick, Henry Meyer, Martin Hohner.
Shakespeares „Heinrich" in Oberhausen, Regie: Tilman Knabe. Im Bild: Klaus Zwick, Henry Meyer, Martin Hohner.
Foto: Thomas Aurin
Große Machtgeschichte, gekonnt eingedampft von Tilman Knabe: Shakespeares „Heinrich“-Dramen ergeben in Oberhausen einen elegant verknappten Theaterabend. Allerdings triumphiert die Kürze über den eigentlichen Gehalt der Dramen.

Oberhausen. Würde man Shakespeares zweiteiliges Königsdrama „Heinrich IV.“ sowie den anschließenden „Heinrich V.“ ungekürzt hintereinander spielen, käme man auf fast 25 Bühnen-Stunden. Da mag der Versuch von Tilman Knabe, dieses Monstrum am Theater Oberhausen auf runde drei Stunden zu verkürzen, wie der reine Wahnsinn anmuten. Doch der Wahnsinn hat keine schlechte Methode; der Regisseur konzentriert sich bei seiner Textauswahl auf das Verhältnis von Vätern und Söhnen königlichen Geblüts.

Das kann gar nicht schlechter sein. Heinrich IV. (von verbitterter Strenge: Michael Witte) würde sich lieber den gegen ihn rebellierenden Heinrich Percy als Sohn wünschen als seinen eigenen Spross (Martin Hohner). Der nämlich zieht mit dem Rausch-Philosophen Sir John Falstaff (moderat: Henry Meyer) herum, sieht in ihm eine Art Vater-Ersatz, weil er beim leiblichen Exemplar bisher wenig Liebe verspürt hat. Die Einstellung ändert sich erst später, je näher Heinrich IV. dem Tode und sein Sohn damit der Krone kommt.

So streng der König, so streng die Inszenierung

So streng der König, so streng anfangs die Inszenierung. Alfred Peter hat einen schmucklosen Bühnenraum gebaut, bestehend aus einer ansteigenden Ebene und einer bedrückend wirkenden Decke. Diese Leere steht für alles, Schlachtfeld wie Schankraum, Thronsaal wie fürs Boudoir der französischen Prinzessin Katharina. Hier tritt man in grauen Anzügen mit Aktentasche auf, werfen Bürokraten der Machtelite mit derart vielen Namen um sich, dass man sich als Zuschauer reichlich ohnmächtig fühlt.

Dazu kommen pausenlose Szenenwechsel, per Obertitel akribisch erläutert und mit dröhnenden Klängen aus Mussorgskys „Bildern einer Ausstellung“ begleitet. An Opernhäusern war Knabe schon für manche Provokation gut. Bei Shakespeare bleibt er eher brav: Mal ein wenig Händel zu zeitlupenhaften Zweikämpfen, mal Orgelmusik von Ligeti, mal Carla Bruni, wenn Heinrich V. seine Truppen gen Frankreich führt. Dort ist man froh, mehr geboten zu bekommen als verkniffene Briten, auch wenn es Abziehbilder sind. Einen verfetteten König nämlich, der den Champagner nicht aus der Hand gibt; einen tänzelnden Dauphin, dazu englisches Vokabel-Pauken aus dem Intimbereich.

Elegante Verknappung

Aufs Ganze triumphiert hier eine Methode der eleganten Verknappung über den eigentlichen Gehalt der Dramen. Zu wenig Zeit bleibt den Schauspielern, ihre Charaktere zu gestalten, weil sie immer wieder von Mussorgsky ausgegongt werden. Nur Henry Meyers schlitzohriger Falstaff macht vielleicht eine Ausnahme. Selbst volltrunken kann er noch klare Erkenntnisse von sich geben; er ist der, um den man weint, wenn er stirbt. Und so gebührt ihm das letzte Wort an diesem heftig beklatschten Abend.

  • Weitere Termine: 7. und 14. Juni. Karten: 0208 / 8578-184.
 
 

EURE FAVORITEN