Schwanensee in Stützstrümpfen

Die Komödie mit Ballett von Jan-Ferdinand Haas ist bis Anfang Januar im Boulevard-Theater zu sehen. 
Die Komödie mit Ballett von Jan-Ferdinand Haas ist bis Anfang Januar im Boulevard-Theater zu sehen. 
Foto: Veranstalter
Komödie: Ein bankrottes Schuhgeschäft soll durch einen Ballettabend gerettet werden. Die ulkigen Verkäuferinnen planen eine Aufführung zwischen Sandaletten, Pumps und Schneestiefeln

Düsseldorf.  Hanna und Dora sind nicht mehr die Jüngsten. Sie haben sich zwar gut gehalten, sind flott und forsch, kloppen Sprüche und Knittelverse am laufenden Band. Ob’s passt oder nicht. Oberhalb oder am liebsten unterhalb der Gürtellinie. Doch getrübt ist die gute Laune der beiden Schuhverkäuferinnen, die nur noch ein paar Jahre bis zur Rente haben. Denn ihr Chef steht kurz vor der Pleite und das Trio in rosafarbenen Blusen vor einem finanziellen Desaster. Einen letzten Rettungsversuch wollen die drei unternehmen, verwandeln das Schuhgeschäft in eine Weltbühne, sich selber in weißes Federvieh - und trippeln als Schwäne übers Podium. Obwohl sie eher Graugänsen gleichen. Klar, dass es in „Schwanensee in Stützstrümpfen“ mit derartigen Konstellationen reichlich Slapsticks und schräge Comedy gibt. Das gleichnamige Ulk-Stücks aus der Feder von Jan-Ferdinand Haas feierte jetzt bejubelte Premiere in der Komödie. Sie lassen keine Gelegenheit aus, versetzen ihrem Gegenüber permanent kleine Stiche. Die schnippische Dora – alias Gaby Blum – würgt ihrer Kollegen Hanna – alias Manon Straché – gerne Boshaftigkeiten rein. Ganz ohne zuckende Wimper. Letztere lässt sich keine Sekunde die Butter vom Brot nehmen und setzt auf jeden Spruch noch einen dreisteren (manchmal leider auch zotigeren) drauf.

Die durch viele TV-Serien bekannte Manon Straché mit ihrer hinreißenden Berliner Kodderschnauze zieht die Fäden, bringt selbst ihre Mitspieler auf Tempo und zum Lachen. In scharf autoritärer Tonart eines preußischen Feldwebels lenkt die Straché das sinkende Schiff von Schuhgeschäft in sanfte Gewässer und begeistert sich von Anfang an Feuer und Flamme für die Rettungsaktion.

Quotenschwuler wird hetero

Eine Ballett-Aufführung zwischen Sandaletten, Pumps und Schneestiefeln ist ganz nach ihrem Geschmack; denn Straché selber war in ihrer Jugend mal Tänzerin. Der Clou indes: Ihr Chef (hier brilliert der Wahl-Düsseldorfer Rolf Berg, rheinisch frohsinnig, versteht sich) schlüpft ebenfalls in Trikot und Tütü und mimt den schwebenden, noch nicht sterbenden Schwan. Travestie, Travestie! Wenn’s um Ballett geht, darf, so das Klischee, ein Homosexueller nicht fehlen. Hier ist’s Doras Sohn Tim (alias Marco Knorz, der die gemäßigte Tunte mimt): Als Profitänzer trimmt er die reifen Damen auf Linie, federnde Sprung und gestreckte Füße. Seltsam, wie manches in diesem Stück, ist nur: Der Quotenschwule mutiert am Ende zum heterosexuellen Mann, der den Reizen der jüngsten Schuhverkäuferin Daniela nicht widerstehen kann. Fazit: Das auf Düsseldorf und die Kö ungeschriebene Stück hat zwar manche Text-Schwächen – wie das nervige und bemüht wirkende Abdriften in sexuell aufgeladene Sprache. Gerettet wird der locker flockige Abend aber von umtriebigen, temperamentvollen Mimen, die ganz schön die Sau rauslassen. Ebenso von der Pointen sicheren Regie von Florian Battermann.

 
 

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