Schrilles „Weißes Röss'l“ im Düsseldorfer Schauspielhaus

Mit Kaiser (Wolfgang Reinbacher, li.): Das knallbunte „Weiße Rössl“ in Düsseldorf.
Mit Kaiser (Wolfgang Reinbacher, li.): Das knallbunte „Weiße Rössl“ in Düsseldorf.
Foto: Sebastian Hoppe
Selten war der Bühnenfeger von Ralph Benatzky, der auch gerade im Kino Konjunktur hat, so rheinisch zu sehen wie im Düsseldorfer Schauspielhaus. Imogen Kogge gibt die Wirtin Josepha Vogelhuber – und Wolfgang Reinbacher hat einen Gastauftritt als Kaiser höchstpersönlich.

Düsseldorf.. Das Gamswild, das hat’s umgehau’n, niedergestreckt liegt das Tier im Gestein. Oben, am Gipfelkreuz, dröhnt der Jodler der Briefträgerin Kathi etwas hart im Anschlag. Und auch Kellner Leopold war schon mal besser drauf: Das Trinkgeld fließt spärlich, und seine Wirtin, die geliebte „Peppi“, will ihn nicht erhören. Dass man im Salzkammergut trotzdem gern feiert, hat Ralph Benatzkys „Weißes Röss'l“ zigfach bewiesen. In den 50ern war die Operette ein Hit, derzeit feiert sie mit Armin Rohde ein Kino-Revival. Ähnlich flippig kommt sie im Schauspielhaus daher. Der Berliner Christian Weise inszeniert eine Persiflage mit viel Slapstick und neuen musikalischen Arrangements.

„Ich bin ein Jäger. Schieß von Fern, die Hirschen, Reh und Vögel“ prangt über dem Portal des Wirtshauses, in dem Josepha Vogelhuber (Imogen Kogge) tiefdekolletiert das Zepter schwingt. Jo Schramm hat die imposante Drehbühne in eine Alpenlandschaft mit Hüttn und Gipfel verwandelt. Berge glitzern, Geranien blühen am Balkon, Hirschgeweihe dienen als Kronleuchter.

Jazzband mit Filzhüten

Kaum kommt der „Zauber der Saison“ als erste Showeinlage daher, ist man mittendrin im knallbunten Klamauk mit baumlangen Stubenmaderln und sechs asiatischen Sängern der Schumann-Hochschule als fotografierende, schuhplattlernde Touristen, die das Spiel stimmlich und optisch ungemein erweitern. Und überhaupt, der Dreivierteltakt.

Jens Dohle hat die Palette Evergreens neu eingerichtet und lässt sie durch eine Jazzband mit Filzhüten spielen, die im Wirtshaus sitzt. Dazu schluchzt eine Geige, schmachtet ein Bläser, wird die Zither via Keyboard eingespielt. Das Ensemble singt tapfer, ist aber auch optisch ein Erlebnis. Was für ein Panoptikum schriller Typen.

Fabrikant Giesecke ist so einer. Ihn spielt der knurrig-bullige Berliner Gast Hendrik Arnst, dem der Karoanzug ebenso gut steht wie die Krachlederne. Arnst fliegen die Herzen zu, sobald er deftig berlinernd durch die Drehtür quillt, im Schlepptau Tochter „Otti“ Ottile, eine Superzicke, die zur Entspannung Yoga übt, als ihr Dr. Siedler (Florian Jahr) Avancen macht.

Während Imogen Kogges Wirtin ihren Charme behalten durfte, hat Leopold die gute Peter-Alexander-Laune eingebüßt; Klaus Schreiber, ein Griesgram mit latenten Aggressionen, prügelt schon mal mit dem Wischtuch auf den Tischen herum. Dazu gesellt sich der schöne Sigismund (Moritz Führmann), ein Flieger mit Fallschirm, der sich bäuchlings in den Pool wirft und seinen „Sigismund“ schaumbedeckt als Sprechgesang vorträgt.

Alles das ist schrill, gradezu anarchistisch, selten war ein Rössl rheinischer. Fast hätte man den Nebenmann untergehakt und geschunkelt. Aber statt des Karnevalsprinzen tritt der Kaiser persönlich auf, Wolfgang Reinbacher in einer Gastrolle, und bringt zum richtigen Zeitpunkt Ruhe ins Spiel. Der zweite Teil ist versöhnlich, fast poetisch.

Alles in allem? Ja, wir haben herzlich gelacht.

Tickets/Termine: www.duesseldorfer-schauspielhaus.de

 
 

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