Schlange stehen für Gasometer-Krimis aus WAZ-Wettbewerb

Siegerehrung im WAZ-Krimi-Wettbewerb mit Leonard Lansink im Gasometer Oberhausen.
Siegerehrung im WAZ-Krimi-Wettbewerb mit Leonard Lansink im Gasometer Oberhausen.
Foto: Funke Foto Services
Erst Lesung, dann Autogramm-Stunde. Wilsberg-Darsteller Leonard Lansink las bei der Siegerehrung des WAZ-Wettbewerbs Tatort Gasometer aus den Einsendungen und der Gewinner-Geschichte.

Oberhausen.. Anstehen macht keinen Spaß. Warten auch nicht. Im Gasometer in Oberhausen ist das anders. Dort wird Schlange stehen zum Erlebnis. Umgeben von der Ausstellung „Der schöne Schein“ wurden die Besucher der Lesung zum Krimi-Wettbewerb „Tatort Gasometer“ am Donnerstagabend eindrucksvoll vom Warten abgelenkt. Neben Mona Lisa und Nofretete blieb kein Platz für ungeduldiges Nörgeln. Eher tauschten sich die Anstehenden über ihren letzten Besuch in Münster aus.

Schlange stehen als Erlebnis

Münster? Mitten im Wahrzeichen von Oberhausen wird das Gesprächsthema schnell klar: Es war Leonard Lansink, der die besten von Lesern beim WAZ-Kurzkrimi-Wettbewerb eingereichten Texte las. Der Schauspieler verkörpert seit über 18 Jahren den Privatdetektiv Wilsberg in den Münster-Krimis des ZDF. Die Lesung im Gasometer war für ihn fast ein Heimspiel: Der 59-Jährige ist in Gelsenkirchen-Rott­hausen aufgewachsen.

Als Lansink die Bühne betrat, hatte das Warten ein Ende. Braune Schuhe, dunkle Jeans, blauer Pullover, keine aufgesetzte Euphorie. Die Zuschauer erkannten den Wilsberg in ihm sofort.

Fünf Geschichten las Lansink. In allen spielte der Gasometer eine Hauptrolle – das war das Kriterium des Wettbewerbs. Mal ging es um verschmähte Liebe, mal um Rache oder sogar um Ratten. Manche der Autoren waren Neulinge, andere hatten schon Erfolge mit ihrer Schreibkunst gefeiert. Leonard Lansink machte alle Geschichten zu einer eigenen. Trotz unbequemer Stufen fesselte der Schauspieler die Zuhörer auf ihren Plätzen. Sie hörten von Intrige, Betrug, Blut – und immer war Mord im Spiel. Gänsehaut kroch nicht nur wegen der Industriekulturkälte über den Rücken. Nach jedem Satz wirbelte der Klang von Lansinks tiefer Stimme noch eine Weile durch die 117 Höhenmeter des Gasometers: „Man bringt seine eigenen Kopfschmerzen bei“, sagte er über die Akustik.

Die Sieger

Nach rund einer Stunde Lesung wurden die besten Autoren geehrt. Der klare Sieg ging an Sarah Meyer-Dietrich mit ihrer packenden Geschichte „Der schöne Schein“. „Sie hat zurecht gewonnen“, murmelte eine Besucherin. Große Zustimmung. Meyer-Dietrich gehörte zu den erfahrenen Autoren, der Preis war nicht ihr erster. Ihr Geheimnis? „Man muss viel lesen, wenn man schreiben will“. Auf Platz 2 landete der Duisburger Markus Alfieri mit der Geschichte „Rache ist Blutdurst“, die in der Bauzeit des Gasometers Ende der 20er-Jahre spielt; dritte wurde Ulrike Engels-Koran aus Xanten mit ihrer fabel-artigen Geschichte „Das Rattennest“. Manfred Vollmers „Schrei des Fotografen“ sorgte dagegen für manchen Lacher im Publikum.

Am Ende der Lesung schrieb Leonard Lansink geduldig bis in den späten Abend Autogramme und lächelte freundlich für Fotos. Vor ihm standen die meist weiblichen Fans Schlange – im Gasometer immer ein Erlebnis.

 
 

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