Schauspielhaus Bochum zeigt „Es wird einmal“ mit Längen

Arnold Hohmann
Martin Heckmanns "Es wird einmal" brachte Anselm Weber jüngst zum erstem Mal auf die Bühne.
Martin Heckmanns "Es wird einmal" brachte Anselm Weber jüngst zum erstem Mal auf die Bühne.
Foto: Schauspielhaus Bochum
Am Schauspielhaus Bochum feierte Martin Heckmanns „Es wird einmal“ Uraufführung. Regisseur und Hausherr Anselm Weber setzte auf den Schmunzelfaktor – trotzdem hatte das Stück, das deutlich an Beckett erinnerte, einige Längen.

Bochum. Alles hier riecht nach Beckett. Da sind die beiden Männer, Schwinder und Neumann, die sich auf einer fast leeren Bühne treffen, beide vom mystischen Regiegott Obermann persönlich zum Vorsprechen eingeladen. Ihr vermeintlicher Gönner aber wird sich nicht blicken lassen, was angesichts eines fast kahlen Apfelbäumchens und der damit einhergehenden Erinnerung an den nie ankommenden Godot zu erwarten war. Stattdessen taucht mit der Laien-Darstellerin Sophie noch ein weiteres Casting-Geschöpf auf und wird dieses Trio von Obermanns gestrenger Assistentin Dora (samt namenloser Assistentin) schon bald in ein Rollenspiel nach dem nächsten gejagt. Die Wartenden sind längst Bestandteil einer Inszenierung.

Distanz zum Bühnenbetrieb

In Martin Heckmanns‘ Stück „Es wird einmal“, das Hausherr Anselm Weber jetzt in den Kammerspielen des Bochumer Schauspielhauses zur Uraufführung brachte, erscheint die Bühne als großer Möglichkeitsraum für alles. Das Bühnenbild von Hermann Feuchter wirkt leer und abstrakt, erinnert an die kühle Ästhetik von Raumfahrzeugen in Science-Fiction-Filmen, auch wegen der Deckenöffnung hin zum Sternenzelt. Hier lässt Dora (Minna Wündrich) die arglose Sophie (Therese Dörr) in die Haut der Casting-Domina Heidi Klum schlüpfen, weckt sie in Schwinder(Günter Alt) den Altkanzler Kohl und lässt Neumann (Matthias Kelle) die Lebensstationen eines Jedermann bis hin zum (Bühnen-)Tod absolvieren.

Der aus Mönchengladbach stammende Martin Heckmanns gehört zu der überschaubaren Schar der erfolgreichen deutschen Gegenwartsdramatiker. Rund 20 Stücke werden es sein, die von ihm seit 1999 landauf, landab inszeniert wurden. Das allein ist kein Kunststück, eher schon die Tatsache, dass viele seiner Arbeiten tatsächlich nachgespielt werden und mittlerweile auch in zehn weiteren Ländern zu sehen waren. Dass er sein Studium mit einer Arbeit über den Witz in der Frühromantik abgeschlossen hat, mag an diesem Erfolg Anteil haben. Eine gewisse Komik ist nicht selten Bestandteil Heckmannsscher Dramatik.

Auch die Theater-Hommage „Es wird einmal“ zeugt zunächst von viel Ironie dem Bühnenbetrieb gegenüber. Schon der lange Prolog über die leere Bühne, den Weber ausgerechnet der Hospitantin (Kristina Peters) anvertraut, lässt immer wieder himmelsstürmende Theatereuphorie an der schnöden Realität zerschellen. Und wie der abwesende Obermann hier geschildert wird, dessen Fama allein auf zwei Inszenierungen beruht (ein „Düsseldorfer Welttheater“ und ein Laienspiel mit lauter Trümmerfrauen), zeugt von gesunder Distanz zu manchem Regie-Fetischismus an deutschen Bühnen. Dass Namen sprechen müssen, davor scheut Heckmanns ebenfalls nicht zurück: Bei ihm muss ein Prototyp alter Schauspielergarde „Schwinder“ heißen, ein junger Heißsporn eben „Neumann“.

Nur kein Leerlauf!

Anselm Weber, doch eher ein Freund des Greifbaren als des Nebulösen, bedient zu Beginn den Schmunzelfaktor denn auch nur all zu gern. Danach jedoch zieht diese ja nur knapp zweistündige Aufführung sich gefährlich in die Länge, weil Heckmanns ein wahres Textkonvolut auf die Zuschauer niedergehen lässt. Es wird salbadert auf Teufel komm raus, nur kein Leerlauf ist die Devise. Philosophische Reflexionen türmen sich, Nietzsche und Adorno treffen auf Allegorien und Diskurs-Theorien. Was anfangs sich noch klar erschloss, das vernebelt immer mehr. Da hilft dann auch kein neckisches Skelett-Kostüm mehr, wenn Neumann als Jedermann dem Tod entgegensieht. Für Bochumer Verhältnisse muss man den anschließenden Applaus denn auch eher moderat nennen.