Schauspieler Andreas Kunze ist in Essen gestorben

Foto: Oliver Müller NRZ

Essen.. Schauspieler Andreas Kunze ist bereits am Donnerstag in Essen nach einer Herzoperation gestorben. Bekannt wurde er durch Helge Schneiders irrwitzige Filmparodie „Johnny Flash“, in der er gleich neun Rollen spielte.

Irgendwie war seine Karriere typisch fürs Ruhrgebiet: Aus dem großen Plan wird nix, man sattelt um und wird schließlich doch berühmt. So wollte Andreas Kunze eigentlich Film-Regisseur werden und lernte deshalb erst einmal Fotograf. “Um sehen zu lernen. Später merkte ich, dass das im Ruhrgebiet nicht möglich ist und so wurde ich Komödiant.“ Dabei war der Schauspieler, der so herrlich auf Ruhrpott knöttern konnte, gar kein echter Revier-Bürger, sondern 1972 zugezogen.

Freunde, die seinen speziellen Humor teilten, fand der gebürtige Bremer in Essen rasch: Piet Klocke, Heinrich Schafmeister, Siggi Domke - ihr “Kamikaze Orkester“ mischte rasch das Ruhrgebiet auf und legte den Grundstein für so manche Karriere. Andreas Kunze dagegen wechselte die Seite, wurde Kulturmanager und Veranstalter im Kunsthaus Essen, damals noch im einem Rüttenscheider Hinterhof domiziliert. Regelmäßig dort zu Gast: ein junger Mülheimer mit Drang zu Höherem. Wenig später stand Kunze vor der Kamera von Werner Nekes. Für “Johnny Flash“, jene aberwitzige Schlagersänger-Parodie, in der das Schwergewicht mit dem Knautschgesicht gleich neun Rollen spielte. “Dadurch wurde ich Filmstar und Mutter“, sagte er später mit dem ihm eigenen Humor.

Andreas Kunze war und blieb “Mutter Potzkothen“

Denn die frühe Mutterrolle an der Seite des damals noch völlig unbekannten Helge Schneider wurde der schauspielerische Autodidakt nie mehr richtig los. Dass er - abgesehen von Christof Schlingensiefs frühen Underground-Movies - auch in ernsthaften Produktionen von Peter Greenaway, Peter Timm oder Helmut Dietl mitspielte, wurde vom Publikum zwar registriert, aber kaum ernstgenommen. Andreas Kunze war und blieb “Mutter Potzkothen“.

Vielleicht auch deshalb gründete er 1990 gemeinsam mit dem Regisseur Reiner Oldach das Satiricon-Theater in Essen-Rüttenscheid, das rasch zu einer bedeutenden Bühne für Kleinkunst, Theater und Jazz avancierte. Doch der anstrengende Spagat zwischen Management und Bühne sowie Leinwand fiel dem schwergewichtigen Künstler bald immer schwerer. So beschloss er 1996, künftig als freier Schauspieler zu arbeiten.

Keine wirklich schwierige Entscheidung, denn die ökonomische Unabhängigkeit als Spross einer begüterten hanseatischen Reeder-Familie erlaubte es dem Hochgebildeten und Vielbelesenen, seine vielfältigen künstlerischen Interessen ungehindert auszuleben. Was folgte, waren zahlreiche Gastspiele in kleinen und größeren Fernsehproduktionen - von “Schmidteinander“ über “Adelheid und ihre Mörder“ bis “Polizeiruf 110“. Seinen letzte Kino-Auftritt hatte Andreas Kunze 2004 als Hausmeister in Oskar Roehlers prominent besetztem Film “Agnes und seine Bruder“.

Danach wurde es stiller um den unverwechselbaren Schauspieler, der nur noch selten in der Öffentlichkeit, etwa bei Lesungen mit dem Bassklarinettisten Eckard Koltermann, zu erleben war. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist Andreas Kunze am vergangenen Donnerstag im Alter von 57 Jahren nach einer Herzoperation gestorben.

 
 

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