Schauspiel Bochum hebt „Spamalot“ aus der Taufe

Monty Python's „Spamalot“ in Bochum. Die Premiere wurde jetzt frenetisch bejubelt.
Monty Python's „Spamalot“ in Bochum. Die Premiere wurde jetzt frenetisch bejubelt.
Foto: Diana Küster
Die Ritter der Kokosnuss fallen auch in Westfalen nicht vom Sattel: Bochums Schauspielhaus feierte eine gefeierte Premiere des Musicals „Spamalot“

Bochum. Der Vorhang zeigt eine um 90 Grad gekippte Karte des mittelalterlichen Britannien. Ein stocksteifer Historiker krempelt sich vorsichtshalber die Hosenbeine hoch: Er ist unverkennbar der „Nowman“, der – wie einst John Cleese in einem der absurden Sketche in „Monty Python’s Flying Circus“ – „something completely different“ ankündigt, etwas völlig anderes. Der Abend hat noch gar nicht richtig begonnen, da erreicht die Begeisterung der Zuschauer ihren ersten Höhepunkt.

Vorhang hoch. Bevor Mönche zum „Sacrosanctus Domine“ über die Bühne schleichen und sich dabei die Bibel vor die Stirn klatschen, watscht sich eine finnische Volkstanzgruppe mit Hingabe Fische um die Ohren. Die Finnen sind natürlich im falschen Film, schließlich geht es um England im Jahre 932, doch gerade deshalb sind sie im richtigen Film. Beziehungsweise im richtigen Stück.

Die Skepsis verfliegt schnell

Christian Brey (Regie), Anette Hachmann (Bühne, Kostüme), Tobias Cosler (musikalische Leitung) und Kati Farkas (Choreografie) lenken einen „völlig anderen“ Blick auf König Artus und seine sagenhafte Tafelrunde. Das Musical „Monty Python’s Spamalot“ basiert auf dem Film „Die Ritter der Kokosnuss“ der legendären britischen Komikertruppe. Mit einer so aufwändigen Produktion in die Spielzeit zu starten ist mutig, zumal der echte Fan die Dialoge vermutlich im Schlaf herbeten kann. Doch jede Anfangsskepsis verfliegt in Nullkommanichts.

Hinreißendes Bühnenbild

Im hinreißenden Bühnenbild, das immer wieder auf Terry Gilliams Zeichentrick-Einlagen anspielt, setzen 16 Schauspieler und Musicaldarsteller (die bis auf Ma­thias Redlhammer als Artus alle mehrere Rollen übernehmen) zur exzellenten Livemusik einer achtköpfigen Band zum rasanten, darstellerisch wie musikalisch unwiderstehlichen Angriff auf die Lachmuskeln an. Artur, Lancelot, Galahad & Co., der Göttliche Auftrag, die Ritter vom Ni, der Schwarze Ritter oder das Killer-Kaninchen – Brey und sein Team finden, trotz einiger überflüssiger Anspielungen auf Bochum, köstliche szenische Lösungen und bleiben doch an der filmischen Vorlage. Zu Hilfe kommt ihnen Daniel Große Boymanns genialische Nachempfindung der Python-Texte. Lediglich Eric Idles Song „Always look on the bright side of life“ aus „Leben des Brian“ ist nicht eingedeutscht.

Die Reaktion des tobenden Premierenpublikums lässt nur eine Voraussage zu: Dieses „Spamalot“ ist ein Hit.

 
 

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