Routinierte Experimente mit „Forced Entertainment“

Letzte Abenteuer im Wald
Letzte Abenteuer im Wald
Foto: Triennale
Ruhrtriennale: „Forced Entertainment“ entfacht in der Gladbecker Halle Zweckel einen Bildersturm

Gladbeck.  Es begann wie eine brave Märchenlesung, bevor die auf 16 Köpfe erweiterte Sheffielder Künstlergruppe „Forced Entertainment“ die Stühle verließ und aufdrehte, wie man es von ihr seit über 20 Jahren gewohnt ist. „The Last Adventures“ heißt die neueste Kreation der Kult-Truppe, die in der Gladbecker Maschinenhalle Zweckel bei der Ruhrtriennale mit freundlichem, aber weder enthusiastischem noch ungewöhnlich langem Beifall aus der Taufe gehoben wurde. Tim Etchells und seine Mitstreiter bleiben ihrem Konzept, mit jeder lieb gewonnenen Theatertradition brechen zu wollen, so treu, dass ihre experimentellen Ausbruchsversuche schon selbst zur Tradition zu erstarren drohen.

Auf eine stringente Handlung wird verzichtet. Stattdessen entfesselt sich an Seeungeheuern, Märchenfeen, wandelnden Bäumen und Dramen-Königen ein Bildersturm vielfältiger Anspielungen. Alles mit schlichten, aber treffsicher gestalteten Kostümen und ebenso einfach, meist naiv gemalten Bühnenelementen optisch vertieft. Auch die Schauspieler demonstrieren bewusst keine professionelle Perfektion, sondern präsentieren sich als Suchende in einem Gewühl von 16 Lebewesen, die, teils improvisierend, teils choreografiert, wie Fliegen im Einmachglas agieren.

Gesprochen wird nach dem Prolog kaum noch. Durch die Mitwirkung des libanesischen Soundkünstlers Tarek Atoui erhalten die pantomimischen und tänzerischen Elemente zwangsläufig stärkere Impulse als die verbalen. Atoui residiert stehend an seinem Tisch und bedient Laptop sowie etliche Schalter und Relais mit großem Körpereinsatz. Die Aktionen werden durch ihn in Klang- und Geräuschwolken gehüllt, die mit ihrer Schärfe die szenischen „Abenteuer“ bisweilen ins Alptraumhafte verzerren. Allerdings erweist sich sein Sound-Repertoire für eine 70-minütige Performance letztlich als so begrenzt, dass auch hier ein Gewöhnungseffekt einsetzte, der den Gesamteindruck der zwiespältigen Produktion bekräftigte. Fazit: wenn das Experiment zur Gewohnheit wird.

Termine: 7. und 8. September (20.30 Uhr). www.ruhrtriennale.de

 
 

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