Romantik ist tot - bei den Ruhrfestspielen

Recklinghausen.. „Romantik is dead“ titelt Christian Schäfer seinen theatralischen Doppelabend, den er als Uraufführung für die Ruhrfestspiele einrichtete - mit der schrägen Gauner-Komödie „Zastrozzi“ und der bizarren Groteske „Die Lieb-Haberin“.

Die Romantik ist auch nicht mehr das, was sie früher einmal war. Schlimmer noch. „Romantik is dead“ titelt Christian Schäfer seinen theatralischen Doppelabend, den er als Uraufführung für die Ruhrfestspiele einrichtete. Doch ein paar Überlebende entdeckte der Regisseur dann doch noch im romantischen Meer, in dem das Recklinghäuser Festival in diesem Jahr thematisch schwimmt.

Denn sowohl in der schrägen Gauner-Komödie „Zastrozzi“ des kanadischen Autors George F. Walker (eine deutsche Erstaufführung) als auch in der bizarren Groteske „Die Lieb-Haberin“ von Joachim Zelter (eine Uraufführung) sind Motive der kulturgeschichtlichen Romantik und des romantischen Lebensgefühls übrig geblieben. Am Ende gar regnet es Blütenblätter auf die Bühne. Die blaue Blume, sie blüht noch!

Kurzweilig und humorvoll

Beide Dramen brachte das Zimmertheater Tübingen in einer dreieinhalbstündigen, kurzweiligen und vor allem augenzwinkernd humorvollen Koproduktion mit den Ruhrfestspielen und mit einem brillant spielfreudigen, jungen Ensemble auf die Theaterzeltbühne.

Motive der literarischen Romantik dominieren beide Bühnenbilder: ein finsterer Wald in „Zastrozzi“, ein Friedhof in der „Lieb-Haberin“, beides Lieblingsschauplätze der literarischen Ära. Und das geht bei den Themen weiter: Sehnsucht, Liebe, Leidenschaft und Tod.

„Zastrozzi“ beleuchtet im Gewand eines historischen Gruselromans und mit witzigen Versatzstücken aus altbackenen Mantel- und Degen-Schinken das Verhältnis von Gut und Böse, von Lüge und Wahrheit, von Außenseiter und biederem Bürgertum. Und das überzogen komisch in plakativem Schwarz-Weiß-Ambiente. Die Fronten, sie sind klar gesteckt.

Rache am Mörder
der Mutter

Der böse, kahlköpfige Meisterdieb Zastrozzi (herrlich schleimig mit gebleckten Zähnen: Endre Holeczy) jagt den lieben, aber tumb-naiven Religionsfanatiker Verezzi (Moritz Peters als trotteliger Heiliger). Rache ist sein Antrieb, Rache am Mörder seiner Mutter. Sprachgewandte Dialoge, muntere Kampfgefechte und ein paar Morde führen unweigerlich auf den Showdown zu. Das Böse nimmt das Gute in die Zange - und lässt es dann überraschend wieder laufen.

Die Moral von der Geschicht’: Das eine funktioniert ohne das andere nicht. Wie romantisch!

Romantik wider Willen erlebt dagegen der Partner der „Lieb-Haberin“ in Joachim Zelters absurdem Spiel. Über Poesie parlieren kann der Universitätsdozent Frederick (Robert Arnold) ganz vorzüglich. Theoretisch eben. Aber wehe, romantische Gefühle treffen auf Wirklichkeit.

Frederick, der dröge Dozent, will Verena und imponiert ihr mit einer erfundenen Biografie. Frederick aber bekommt Fatie, und die will nur eines: Romantik, Liebe, Leidenschaft, das ganze Gefühlsprogramm. Der gedankenverlorene Phlegmatiker gerät völlig wehrlos in einen romantischen Alptraum, der in einer Hochzeit ganz in Weiß endet. Die Romantik ist einfach nicht totzukriegen.

Ein schräger Abend, im zweiten Teil ein wenig geschwätzig, aber voller herrlicher sprachlicher Bonmots. Im Herbst eröffnet die Produktion die Saison am Tübinger Zimmertheater

 
 

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