Roboter und KI: Die neuen Kronen der Schöpfung

“Die Roboter" im DASA-Gebäude der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Dortmund
“Die Roboter" im DASA-Gebäude der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Dortmund
Foto: FUNKE Foto Services
Alles über Roboter und Künstliche Intelligenz: Zwei Ausstellungen beleuchten jetzt in Dortmund das Verhältnis von Mensch und Maschine

Dortmund..  Sie denken also, diesen Text hier hätte ein Mensch geschrieben? Sind Sie – sicher?

Es gibt kaum einen Bereich des menschlichen Lebens, in dem nicht Maschinen eine Rolle spielen; selbst der Journalismus geht schon automatisch. Bisher allerdings – Entwarnung! – beschränken sich erste Experimente auf Sportnachrichten und Wettervorhersagen. Noch. Denn es führt eine direkte Linie von der Steinzeitaxt bis zum Industrieroboter, von der Keilschrift zur maschinellen Textgenerierung – und weiter gen Künstliche Intelligenz.

Maschinen erleichtern das Leben: bauen Autos, stapeln Päckchen, melken Kühe. Maschinen retten Leben: löschen Feuer, entschärfen Bomben. Und Maschinen ersetzen Leben, teilweise jedenfalls: künstlichen Hüften und Herzen soll bald künstliche Haut folgen, Prothesen könnten so berührungsempfindlich werden.

Aber der Mensch, er will noch mehr von der Maschine: ihm ebenbürtig soll sie scheinen, lebendig wirken – oder sein. Schon 250 v. Chr. goss eine „Automatische Dienerin“ Tee in einen Becher, Philon von Byzanz hatte sie erdacht. Die Automatenkunst des Morgenlandes aber war längst vergessen, als Vor-Denker Descartes Mitte des 17. Jahrhunderts den Menschen als Kunst-Werk begriff und Leibniz im Körper „eine Art göttliche Maschine“ zu sehen glaubte. Dies war der Quellcode für eine Ära des großen Spielens. Scheint auch die etwas unheimlich geratene „Creeping Baby Doll“ aus dem 19. Jahrhundert eher für Frankensteins Labor denn fürs Kinderzimmer gedacht, führte die Technikbegeisterung doch dazu, dass in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts noch die simpelste aller Küchenreiben als „Küchenrobot“ beworben wurde. Oder ein „Haushaltsroboter Omnibot“ vermarktet, als wäre dies der Bruder von R2D2 („Star Wars“) – und nicht nur ein rollender Kassettenrekorder mit Leuchtaugen.

Leuchtaugen hat auch jene Maschine, die in Dortmunds DASA Besucher zu den Exponaten führt. Und „Felix, the Robot“ kann sogar lächeln; er ahmt den Gesichtsausdruck seiner Betrachter nach, sympathisches Kerlchen! Diese Freundlichkeit hilft. Nicht der Maschine. Sondern den Menschen, die mit ihr arbeiten müssen.

Wie menschlich sind Maschinen heute? Ein Kunstrobot, Werk eines Rotterdamer Künstlerkollektivs, zeichnet in der DASA-Schau Porträts der Besucher und leistet sich dabei künstlerische Freiheit – eine programmierte Willkür. Und beim Chatbot kann man sich nie sicher sein: Schreibt hier gerade die Maschine? Oder doch ein Mensch, der sich unten in der Empfangshalle eingeloggt hat?

Der maschinelle Makel

Mit derselben Idee der Interaktion spielte bereits der Künstler Chris Marker, der Mitte der 80er Jahre auf einem Apple II den „Dialector“ kodierte. Im Hartware MedienKunstVerein sind 32 Seiten Code zu bewundern, ein musealer Computer steht für höchst private Turing-Tests zur Verfügung – und überrascht mit Situationspoesie. Vielleicht sei diese Prognose erlaubt: Sobald Rechner zuverlässig unzuverlässig werden, unberechenbar also, vom menschlichen Makel befallen – könnte man sie als „intelligent“ bezeichnen? Eine Foto-Arbeit von Julien Prévieux erinnert an jenen Moment, in dem Deep Blue 1997 Schachmeister Garri Kasparow schlagen konnte – „weil“, wie Kurator Thibaut de Ruyter erläutert, „der Rechner einen Fehler machte, mit dem Kasparow nicht gerechnet hatte“.

Hinterher fragten sich alle, wie Kasparow sich fühlte. Den Rechner fragte (noch) niemand.

Infos, Zeiten, Preise

Die Roboter. DASA Arbeitswelt, Friedrich-Henkel-Weg 1, 44149 Dortmund. Bis 25. September 2016. Di - Fr 9 - 17 h, Sa & So 10 - 18 h. Eintritt 5 €/ erm. 3 €. www.dasa-dortmund.de

(Artificial Intelligence) Digitale Demenz. HMKV im Dortmunder U. Bis 6. März 2016. Di-So 11-18 h, Do + Fr bis 20 h. Eintritt 5 €/erm. 2,50 €. www.hmkv.de. Die Seite www.ddai.de ist ein eigenes Kunstprojekt, Brendan Howell generiert hier Unsinnstexte.

 
 

EURE FAVORITEN