Robin Hood als Opernheld aus dem Computer

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Duisburg. Das junge Publikum bejubelte die Kinderoper „Robin Hood” am Theater Duisburg: Regisseurin Svenja Tiedt bannte die Zuschauer mit viel Bewegung, bildgewaltigen Massenszenen, actionreiche Kampfchoreografien und einer bisweilen etwas übertriebene Gestik zwei Stunden lang

Von Platz eins der Heldenskala dürfte Robin Hood bei Kindern inzwischen verdrängt worden sein. Spiderman und Co. haben da sicher die besseren Karten. Für einen unterhaltsamen Opernvormittag ist der berühmte König der Diebe aber allemal gut. Komponist Frank Schwemmer hat die Geschichte im vergangenen Jahr als Kinderoper für die Bühne adaptiert. Nach der Uraufführung an der Komischen Oper Berlin erlebte „Robin Hood” jetzt seine zweite Inszenierung an der Deutschen Oper am Rhein.

Es ist ja immer ein gutes Zeichen, wenn das junge Publikum zwei Stunden lang aufmerksam verfolgt, was auf der Bühne passiert. Wenn am Ende dann noch „Zugabe” gefordert wird, kann nicht so viel falsch gelaufen sein. Und die Premiere am Theater Duisburg hatte einiges zu bieten, was Musiktheater für Kinder besonders attraktiv macht.

Eine hübsche Rahmenhandlung

Dazu gehört, dass Librettist Michael Frowin der Erzählung einen modernen Anstrich verpasst hat. Es gibt eine hübsche Rahmenhandlung, in der ein Junge namens Daniel im Mittelpunkt steht. Daniel beschäftigt sich den ganzen Tag mit dem Computerspiel „Robin Hood”, das sein Vater programmiert hat. Plötzlich gerät Daniel selbst ins mittelalterliche England. Dort muss er mit seinem Helden einige Abenteuer bestehen, gerät selbst in Gefahr. Schließlich wird er von seinem Vater befreit.

Frank Schwemmers freitonale Musik, die dem jungen Publikum offenbar keinerlei Berührungsängste bereitet, ist solide komponiert. Der ganz große Wurf ist die Partitur freilich nicht, vor allem weil die mitreißenden Höhepunkte fehlen. Das ändert jedoch nichts daran, dass den Duisburger Philharmonikern unter der Leitung von Rainer Mühlbach eine engagierte und sehr lebendige Umsetzung gelingt.

Actionreiche Kampfchoreografien

Dass Regisseurin Svenja Tiedt weiß, wie man Kinder und Jugendliche bei Laune hält, wird sehr schnell deutlich. Viel Bewegung, bildgewaltige Massenszenen, actionreiche Kampfchoreografien und eine bisweilen etwas übertriebene Gestik – auf diese Karten setzt Svenja Tiedt und kommt damit beim Publikum ausgezeichnet an. Bühnen- und Kostümbildnerin Tatjana Ivschina liefert dazu die passenden optischen Reize: knallig-bunte Kulissen und aufwändig gestaltete Kostüme im Comic-Stil.

Und davon brauchte diese Produktion einige. Schwemmers Oper verlangt eine umfangreiche Besetzung, Chöre inklusive. Vor allem dem Düsseldorfer Mädchen- und Jungenchor (Leitung: Justine Wanat) muss man für seine engagierte Leistung ein großes Kompliment aussprechen. Ein weiterer Pluspunkt: Das Ensemble lässt sich auf die altersgerechte Inszenierung prächtig ein – darunter die beiden überzeugenden Hauptdarsteller Michael Pflumm als Daniel und Simeon Esper als Robin Hood. Dass die Stimmen der Solisten akustisch verstärkt sind, ist ausnahmsweise ein annehmbarer Kompromiss, weil Textverständlichkeit hier wirklich eine wichtige Rolle spielt. Es wäre doch zu schade, wenn Zitate wie „Verdammter Mist – Mist, Mist, Mist!” einfach so untergingen.

 
 

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