Rekord – Über 5000 Menschen beim Traumzeit-Festival

Zlatan Alihodzic
Traumzeit-Festival im Duisburger Landschaftspark: Auftritt der Editors in der Kraftzentrale.
Traumzeit-Festival im Duisburger Landschaftspark: Auftritt der Editors in der Kraftzentrale.
Foto: Kai Kitschenberg
30 Bands auf fünf Bühnen: Das zuletzt gefährdete Traumzeit-Festival in Duisburg erzielte jetzt einen Besucherrekord. Über 5000 Menschen sahen im Landschaftspark Stars der Pop- und Rockmusik, darunter Editors, Cat Power und Thees Uhlmann.

Duisburg. Große Namen, großer Erfolg. So einfach scheint die Formel zu sein, mit der die „Traumzeit“-Macher in diesem Jahr einen Besucherrekord aufstellen konnten. Mehr als 5000 Menschen besuchten am Wochenende das Festival im Duisburger Landschaftspark. Die Wurzeln im Jazz und in der Weltmusik wurden beinahe vollständig gekappt, dem breiten Publikum scheint das recht zu sein.

Doch trotz des gefälligen Künstlerangebots konnten die Besucher gleich zu Beginn auch Neues entdecken. Vielmehr: sie mussten. Denn wer am Freitagabend in die Kraftzentrale gekommen war, um die Editors zu sehen, kam am Homberger Knappenchor von 1882 nicht vorbei. Die Idee, mit charmanten Stilbrüchen etwas Witz ins Programm zu bringen, kennen Heavy-Metal-Freunde vom Wacken Open Air, das traditionell vom Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr eröffnet wird. In Duisburg war es ein Bergmann-Chor. Die mehr als 30 Sänger hatten sichtlich Freude, das Publikum nicht weniger.

Editors kommen direkt nach dem Knappen auf die Bühne

Doch gekommen war man, um Rock- und Pop-Stars zuzuhören. Und die bekannteste Band des Festivals trat gleich nach den Knappen auf die Bühne: die Editors. In der Kraftzentrale donnerte und schepperte es so laut, dass es dem befürchteten Gewitter am Abend zur Ehre gereicht hätte. Die Band aus dem englischen Birmingham sorgte bei ihrem Auftritt für brachialen Sound, besonders die klatschenden Drums von Ed Lay und die heftigen Einsätze des Gitarristen Justin Lockey ließen die Ohren so mancher Zuhörer noch lange nach dem Konzert klingeln.

Düster, meist nah am Wave verortet, spielten sie Songs wie „Bones“ oder „A Ton Of Love“. Doch es ging auch ruhiger, wenn Sänger Tom Smith zur Akustikgitarre griff und „Two Hearted Spider“ oder „The Phone Book“ angestimmt wurden. Die Editors glänzten an diesem Abend durch Perfektion, doch manches Mal war die Spielweise der Musiker zu geradlinig.

Thees Uhlmann und Band verbreitet Spielfreude 

Anders sieht das bei Thees Uhlmann aus. Seinen Stücken schadet es aber wenig, wenn der Tomte-Sänger mal nicht ganz im Takt ist oder den richtigen Ton trifft. Seine Band verbreitete in der halb offenen Gießhalle – für viele die schönste Bühne des „Traumzeit“-Festivals – Spielfreude. Uhlmann, zwischenzeitlich mehr Entertainer und Plaudertasche als Sänger, hatte das Publikum schnell auf seiner Seite. Ob es nun „Vom Delta bis zur Quelle“ ging, oder mit den Lachsen zum Laichen und Sterben den Fluss hinauf: Die Musiker entwickelten eine Dynamik, die die Studioaufnahmen manchmal vermissen lassen. Im August soll seine zweite Solo-Platte erscheinen.

Cat Power hat derer bereits neun veröffentlicht. Die Songwriterin startete mit dem Auftritt am Samstag in Duisburg ihre Europatournee. In den USA ist sie ein Star, kam mit ihrem letzten Album „Sun“ in die Top-10. Auch auf dem „Traumzeit“-Festival war das Interesse des Publikums groß, doch für einige war die dichte und düstere Atmosphäre dann wohl doch zu viel. Zur Mitte des Auftritts leerte sich die Kraftzentrale, was Cat Power vielleicht gar nicht mitbekommen hat: Sie schaute ihre Zuhörer nicht an, wirkte wie gefangen in ihrer eigenen melancholischen Welt. Dank des guten Klangs in der Halle konnte auch das Publikum, wenn es denn wollte, darin versinken.

Konstantin Gropper lässt Raum für Hoffnung

Dazu laden auch immer die Stücke von Konstantin Gropper ein, der mit seinem Band-Projekt Get Well Soon zum zweiten Mal beim „Traumzeit“-Festival spielte. Der Unterschied zur stillen Cat Power: Gropper räumt sich in seinen Stücken trotz aller Melancholie noch Raum frei für Hoffnung, für kleine musikalische Pointen, schräge Ideen, Augenzwinkern. Live setzt der Multiinstrumentalist die vielschichtigen Kompositionen spielerisch und kraftvoll um, dass er die Zuhörer sofort packt.

Dem stand die schwedische Indie-Rock-Band Shout Out Louds in nichts nach. Sie beschloss den letzten Tag des Festivals, zuvor waren Ron Sexsmith, Tom Liwa mit den Flowerpornoes und Alex Clare zu sehen.