Reitstunde auf dem Rhein

Im Schlauchboot von Neuss nach Düsseldorf - Wildwasser auf der Erft inklusive: freizeit hat zum Paddel gegriffen und sich in die Fluten gestürzt.

Neuss liegt nicht am Grand Canyon, und die Erft sieht gegen den Colorado River etwas vertrocknet aus – aber River Rafting gibt es hier wie da. Zugegeben: Auf einem Strom zu reiten, den pro Sekunde mehr als 600 Kubikmeter Wasser durchfließen, sollte man keinem Anfänger zumuten. Für einen spannenden Nachmittag muss man aber ohnehin nicht bis Arizona paddeln. Auch am Niederrhein können sich Amateur-Abenteurer ebenso wie frisch verliebte Pärchen und Firmenausflügler in die Fluten stürzen – noch dazu sorgenfrei.

Der feucht-fröhliche Spaß indes beginnt meist auf Rädern. Denn der vorausschauende Rafting-Sportler fährt mit dem Auto (und trockener Ersatzkleidung!) zum Ziel der Tour, um dann mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Startpunkt zu gelangen. Knapp 50 Minuten dauert die Reise von der Düsseldorfer Altstadt nach Neuss. Und hier beginnt Wildwasser-Guide Uwe Freyberg pünktlich um 12 Uhr seine Einweisung: So wird das Paddel angepackt; Fuß´ in die Schlaufe; Helm aufsetzen, Weste umschnallen – los geht's. Und wenn jemand ins Wasser fällt? „Ach, das wird schon nicht passieren”, sagt der Schlauchboot-Kapitän. Er erklärt dennoch, wie unfreiwillige Badegäste aus dem Nass gefischt werden. Das wird später noch von Nutzen sein...

Vier Teams machen sich schließlich auf, um über Erft und Rhein zu paddeln: eine Gruppe holländischer Laien-Piraten, ein Junggesellenabschied und zwei gemischte Gruppen. Uwe Freyberg ist der letzte Guide, der seine Schützlinge zu Wasser lässt. Doch einige Positionskämpfe stehen noch bevor. Und gleich nach dem Start kommt schon das erste natürliche Hindernis. Ein kleiner Schwall lässt die Rafting-Anfänger hüpfen und sorgt für nasse Füße.

Mit zwei knappen Anweisungen – „links vor, rechts zurück” – sorgen die Guides für schnelle 360-Grad-Drehungen der Boote. Wenn eine Seite nicht prompt reagiert, rotiert das Raft nur halb und dümpelt erstmal vor sich hin. So geschieht es dem Steuermann, der vor Uwe Freyberg unterwegs ist. Letzterer sieht aber keinen Grund zum Ausweichen, schließlich treffen hier zwei überdimensionale Airbags aufeinander. Die Gummi-Gefechte ersetzen auf ruhiger Strecke auch schon mal die Wasserfälle und Wehre.

Nach einer halben Stunde werden die letzten Meter auf der Erft genutzt, um eine vorgezogene „Rheintaufe” durchzuführen: Die Aushilfs-Freibeuter aus den Niederlanden tun sich durch besonders rege Wasserschlachten hervor. Einer setzt sogar zum Entern an, geht nach heftiger Gegenwehr aber mit verdutztem Gesichtsausdruck selber baden. Im Mündungsbereich von Erft und Rhein sind solche Spielchen noch erlaubt. Danach wird es aber ernst – zu nah möchte man den imposanten Frachtschiffen samt Bugwellen nämlich nicht kommen.

Auf dem Rhein gibt es zwar kein Wildwasser mehr, doch die schieren Massen sind beeindruckend genug. Uwe Freyberg hält das Rafting-Boot weit von der Spur der Binnenschiffer entfernt, ihre Wellen sorgen dennoch für Berg- und Talfahrten. In der Ferne blitzt der Düsseldorfer Funkturm auf; die Rheinkniebrücke erscheint am Horizont. Aus einer Nussschale betrachtet, bekommt sie eine neue Dimension.

Gegen 15 Uhr ist das Robert-Lehr-Ufer in Sicht. Etwas wehmütig werden schließlich die letzten Paddelschläge ausgeführt, bis das Boot an die Kaimauer stößt. Holländer und Junggesellen sind schon da, nass und zufrieden. Die Piraten-Party wird wohl in der Altstadt über die Bühne gehen, kaum trockener als beim Rafting.

 
 

EURE FAVORITEN