Red Hot Chili Peppers stellen neues Album „Getaway“ vor

Gruppenbild mit Hund: die Red Hot Chili Peppers
Gruppenbild mit Hund: die Red Hot Chili Peppers
Foto: steve keros
Neue Töne bei den Red Hot Chili Peppers: Das neue Album heißt „The Getaway“. Das Ergebnis: vielschichtiger Sound, der der Band gut zu Gesicht steht.

Essen.. Anthony Kiedis, Sänger der Chili Peppers, liebt Motorräder, Supermodels und das süße Leben am Strand von Malibu. Doch das konnte er zuletzt kaum genießen. Ein Mann namens Brian Burton, auch bekannt als Danger Mouse und Produzent von U2 sowie den Black Keys, hat ihn mächtig auf Trab gehalten. Etwa mit der Aussage, die Band-Demos fürs neue Album „The Getaway“ seien nicht gut genug. Für gewöhnlich der Anfang vom Ende – in diesem Fall der Beginn einer ungewöhnlichen Arbeitsbeziehung.

„Ich war nicht sauer, weil Brian das auf eine Art gesagt hat, die nicht arrogant war“, erklärt Kiedis. „Und auch später, als ich Texte für die neue Musik geschrieben habe, meinte er oft: „Das kannst du noch besser. Probier’s noch mal.“ Also habe ich mich dahinter geklemmt, und es hat funktioniert. Sprich: Er hat mich gefordert und ich habe tatsächlich besseres Material erhalten.“

Nachzuhören auf „The Getaway“, auf dem sich die Chili Peppers nach vier Dekaden kurzerhand neu erfinden. Zwar setzen sie weiter auf Rap, Funk und Rock, aber mit breiterer Instrumentierung, mit Keyboards, Klavier und Streichern nebst technischen Spielereien wie Samples und Loops.

Vielschichtiger Sound

Das Ergebnis ist ein vielschichtiger Sound, der der Band gut zu Gesicht steht. Genau wie Kiedis’ Texte, die ungewohnt direkt sind. Wie das sozio-politische „We Turn Red“.

„Es ist ein Blick auf Amerika“, so der durchtrainierte 53-Jährige. „Auf ein Land, das von Kriegen profitiert – von Menschenleben und verflossenem Blut. Trotzdem ist es für viele der Ort ihrer Träume. Was uns zu diesem zweiköpfigen Monster macht, bei dem die eine Hälfte extrem aggressiv ist. Und die andere unbegrenzte Möglichkeiten für jedermann fordert. Für Menschen aus aller Welt, die nach Amerika fliehen, um Teil dieser verrückten Energie zu werden.“

Trump, eine Witzfigur

Wenn Kiedis, ein glühender Verehrer von Bernie Sanders, erst mal auf Betriebstemperatur ist, nennt er Hillary Clinton eine Tyrannin, Obama eine Enttäuschung und Trump eine Witzfigur. Klare Worte, die er sich bei seinem alternativen Publikum leisten kann, die zur Hommage an Hollywood-Rebell Steve McQueen im Albumtitel „The Getaway“ passen – und einen Gegenpol zu den übrigen Texten des Werks bilden. „Da ist eine Menge Herzschmerz, der daher rührt, dass ich zuletzt in einer schwierigen Beziehung war, bei der ich mich ständig fragte: „Ich liebe diese Person – warum funktioniert das nicht?“ Es war, als hätte ich zwei Jahre meines Lebens verschwendet. Bis ich diese Songs schrieb – und ein guter Freund meinte: „Du hast nichts verschwendet, sondern ein Album gewonnen.“

Tatsächlich begehen die Peppers mit „The Getaway“ ihr 33-jähriges Dienstjubiläum und blicken zurück auf eine Geschichte voller Höhen und Tiefen: Mit 80 Millionen verkauften Tonträgern, Konzerten in den größten Arenen der Welt, sechs Grammys, aber auch Personalquerelen, Drogentoten und kolossalen Flops. Eine Reise, die laut Kiedis längst nicht zu Ende ist. „Eines Tages würde ich mich David Bowie auf seiner Wolke anschließen – um welchen Planeten sie auch kreist. Das wäre ein toller letzter Ort. Aber noch bin ich nicht so weit. David muss sich ein bisschen gedulden.“

 
 

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