Red Hot Chili Peppers sorgen für Ekstase in der Köln-Arena

Dass Sänger Anthony Kiedis schon 54 Jahre alt ist, merkt man in keiner Sekunde.
Dass Sänger Anthony Kiedis schon 54 Jahre alt ist, merkt man in keiner Sekunde.
Foto: Kai Kitschenberg
Die Red Hot Chili Peppers haben am Montagabend die ausverkaufte Köln-Arena in Wallung gebracht. Knapp 17.000 Fans feierten Hits wie "Californication".

Köln. Die Red Hot Chili Peppers spielen nur noch auf den ganz großen Bühnen dieser Welt. Das müssen sie auch! Denn die Funkrocker aus Kalifornien benötigen nach wie vor viel Platz für den Auslauf. Wild wie räudige Straßenköter tollen und toben sie auch im 33. Jahr des Bandbestehens pausenlos umher. Und beim Auftritt am Montagabend in der bis unters Dach gefüllten Köln-Arena vergaß es das Rudel um Leitwolf Anthony Kiedis zum Glück auch nicht, ein paar markante Duftmarken zu setzen.

17.000 Fans feiern halbnackten Anthony Kiedis

In seinen von Drogen und Chaoslust geprägten Anfangszeiten genügte dem quirligen US-Quartett als Bühnen-Garderobe oft eine einzelne Socke. Diese diente den ansonsten restlos Entblößten nicht etwa als Fußbekleidung, sondern als textiles Feigenblatt. In der Gegenwart setzen die scharfen Chilischoten eigentlich lieber auf Ekstase statt auf Exhibitionismus. Trotzdem dauert es nur ganze zwei rasante Auftaktsongs („Around The World“, „Dani California“), bis sich Bassist Flea seines schweißdurchtränkten Shirts entledigt. Kiedis zieht kurz darauf nach. Seine perfekt definierte Bauchmuskulatur ist eindrucksvoller Beleg seiner auch im Alter von 54 Jahren immer noch sehr ausgeprägten Trainingswut. Mit einer Jogi-Löw-Gedächtnisfrisur und fettem Schnauzbart erinnert der Frontmann inzwischen aber frappierend an einen B-Movie-Star der 80er Jahre. Den knapp 17.000 Fans scheint’s zu gefallen.

Nach vertrautem Material zu Beginn streuen die Peppers dann immer mehr Stücke des neuen Albums „The Getaway“ ein. Das schaffte nicht nur in Deutschland, sondern in weiten Teilen der westlichen Welt den Sprung auf Platz eins der Album-Charts. Und Songs wie „Dark Necessities“ oder „Go Robot“ funktionieren nicht nur auf Platte, sondern beweisen auch ein mitreißendes Live-Potenzial.

Fantastische Lichträume mit feuerroten Tropfen

Ein Protagonist des Abend steht überraschenderweise nicht auf der Bühne, sondern schwebt darüber: Hunderte Lampions hängen fein säuberlich aufgereiht an langen Fäden von der Hallendecke. Jeder ist einzeln steuer- und beleuchtbar. Das ermöglicht es dem Bühnendesigner, fantastische Lichträume zu schaffen. Manchmal scheint es feuerrote Tropfen zu regnen. Danach wirkt der dreidimensionale Effekt fast wie ein lebendiger Organismus, der über die Köpfe des Publikums hinweg fliegt. Das macht Spaß – und Staunen.

Gegen Ende des 80-minütigen Sets häufen sich die Superhits – wie „Californication“ oder dem emotionalen Höhepunkt „By The Way“. Da gibt es kein Halten mehr. Weder vor noch auf der Bühne. Bassist Flea springt nun höher und unberechenbarer als ein Flummi. Und Schlagzeuger Chad Smith schmeißt so viele seiner Drumsticks ins Kölsche Volk als seien es Kamelle.

Die Zugabe bleibt mit nur zwei Songs eine übersichtliche. „Give It Away“ als Rauswerfer verzehrt dann trotzdem die letzten Energievorräte. Da ist es auch zu verschmerzen, dass der Über-Hit „Under The Bridge“ diesmal ungehört bleibt.

 
 

EURE FAVORITEN