„Rambo plusminus Zement“ – Ein Live-Film in Dortmund

Arnold Hohmann
Mal GI John Rambo, mal Rotgardist Gleb Tschumalow: Sebastian Kuschmann in „Rambo plusminus Zement“ am Schauspiel Dortmund.
Mal GI John Rambo, mal Rotgardist Gleb Tschumalow: Sebastian Kuschmann in „Rambo plusminus Zement“ am Schauspiel Dortmund.
Foto: Edi Szekely
Bei „Rambo plusminus Zement“ erlebt das Publikum im Schauspielhaus Dortmund einen Live-Film, der das Scheitern von Utopien spiegelt – und den man nur bewundern kann.

Dortmund.  Voller Hoffnung kehrt der Russe Gleb Tschumalow 1920 aus dem Bürgerkrieg gegen die „Weißen“ zurück. Jetzt muss doch alles besser werden, wozu hat man sonst für die Revolution gekämpft? Doch da wartet keine neue kommunistische Gesellschaft auf ihn, da warten nur Trümmer und Indoktrination. Ein halbes Jahrhundert später kehrt der Elitesoldat John Rambo aus dem Vietnamkrieg zurück und sucht in einem Städtchen namens Hope eigentlich nur noch Frieden. Doch weder hat er das Trauma des Dschungelkampfs wirklich überwunden noch kann er angesichts eines bösartigen Sheriffs in Ruhe leben.

Beide Männer sind erdachte Helden, in denen sich das Scheitern von Utopien spiegelt, der endlose Kampf auch jenseits des Krieges. Zusammengeführt hat diese Figuren aus Heiner Müllers Stück „Zement“ sowie aus Sylvester Stallones Hollywood-Film „Rambo“ der Regisseur Klaus Gehre, der den Schauspieler Sebastian Kuschmann mit großer Kunstfertigkeit von einer Rolle in die andere gleiten lässt. Nach der Adaption von Steven Spielbergs „Minority Report“ ist „Rambo plusminus Zement“ bereits seine zweite Uraufführung am Dortmunder Theater. „Regisseur“ ist eigentlich zu kurz gesprungen bei einem Künstler, der seine Stoffe schließlich auch selbst aufwändig kreiert, um sie als „Live-Film“ präsentieren zu können.

Der Zuschauer sitzt dabei in einem Raum, in dem unendlich viele kleine Utensilien herumstehen, die auf ihren Gebrauch warten. Bewegt werden sie je nach Bedarf von einem Schauspieler-Quartett, das somit nicht nur Akteur ist, sondern auch großen Anteil hat an den Bildern, die via Digitalkamera auf einem großen Bildschirm erscheinen.

Teil der Aufnahmen

Ob das nun Zeitungsausschnitte sind, ob Puppen benutzt werden, Töne oder auch Stimmen – immer agieren die realen Schauspieler vor passendem Hintergrund oder werden selbst zum Teil der Aufnahmen.

Tschumalow träumt vor der Kulisse seines zerstörten Betriebes, für Rambos Flucht steht ein Wüstenprospekt bereit, jaulende Helikopter aus der Spielzeugkiste befinden sich im Einsatz. Und manchmal gibt es sogar so etwas wie Fußnoten, wenn etwa gelbe Minion-Figuren verzweifelt komisch versuchen, den toten Lenin zu reanimieren.

Brüder im Geiste

Man kann Gehres Live-Film nur bewundern. Nicht nur, dass er dieses denkwürdige Treffen zwischen Müller und Stallone arrangiert hat. Sondern vor allem, dass sich Tschumalow und Rambo hier mit Hilfe des Müllerschen Prosatextes „Herakles 2“ als Brüder im Geiste sehen können. Blutsbrüder, wenn man so will.

Weitere Termine im Studio des Schauspielhauses: 21. Februar, 5. März. Karten: 0231/5027222.