„Public Art Ruhr“ - 100 starke Stücke Ruhrgebiet

Die U-Bahn-Station „König-Heinrich-Platz“ in Duisburg, Ende der 80er-, Anfang der 90er-Jahre gestaltet von Gerhard Richter und seiner damaligen Frau Isa Genzken.
Die U-Bahn-Station „König-Heinrich-Platz“ in Duisburg, Ende der 80er-, Anfang der 90er-Jahre gestaltet von Gerhard Richter und seiner damaligen Frau Isa Genzken.
Foto: Andreas Ren
Kunst im öffentlichen Raum, vom Geheimtipp bis zum Klassiker: Der gerade erschienene Band „Public Art Ruhr“ ist auch ein Reiseführer zu Freiluft-Skulptur-Schätzen der Region. 100 Kunstwerke im öffentlichen Raum, die in den letzten 60 Jahren errichtet wurden, dokumentiert der neue Band.

Essen.. Den fröhlichbunte Riesenvogel von Niki de St. Phalle, der zwischen den toten Bank-Fas­saden in der Duisburger Fußgängerzone nicht nur Wasser, sondern auch Lebensfreude versprüht, kennen fast alle. Doch dass ein paar Meter darunter Gerhard Richter, der aktuell teuerste lebende Maler der Welt, eine farbstarke U-Bahn-Station gestaltet hat, gemeinsam mit seiner Schülerin und mittlerweile ehemaligen Frau Isa Genzken, weiß kaum jemand. In Bochum sind zwischen zwei Stahlträgern einer Eisenbahnbrücke quadratmetergroße Weltkarten von Norbert Radermacher. Um sie zu entdecken, musste man bislang ein ausgemachter Kenner sein, genauso wie für das federleichte, zauberschöne „Scherbenmosaik“ von Emil Schumacher auf einem Parkhaus oberhalb des Stadtgartens von Hagen.

Aber jetzt gibt es einen höchst kundigen Reiseführer zu diesen mehr oder minder verborgenen Schätzen des Reviers, auf die seine Bewohner stolz sein können: 100 Kunstwerke im öffentlichen Raum, die in den letzten 60 Jahren errichtet wurden, dokumentiert der neue Band „Public Art Ruhr“, der auf der Essener Welterbe-Zeche Zollverein erstmals öffentlich präsentiert wird und in den Buchhandel kommt.

Mit Feuereifer bei der Sache

Zusammengestellt haben diesen Band die 20 Ruhrkunstmuseen, die seit der Kulturhauptstadt 2010 eng zusammenarbeiten, finanziert wurde er vor allem von der Brost-Stiftung. Von ihr fühlten sich die beteiligten Museumsdirektoren ungemein „großzügig“ unterstützt, so ihr Sprecher Walter Smerling, Direktor der Duisburger Küppersmühle. Er sieht in dem Band, der innerhalb von nur drei Monaten erarbeitet wurde, auch einen Ausweis des Feuereifers, mit dem sich die Ruhrkunstmuseen bei der Sache sind.

Jedes einzelne benannte fünf sehenswerte Werke in seiner Umgebung, es musste ja eine Auswahl aus Hunderten Alternativen getroffen werden. So sind Klassiker wie den Bochumer „Terminal“ von Richard Serra vertreten, aber auch Geheimtipps wie die Licht- und Klanginstallation von Rochus Aust, die ironisch einen Flughafen in der Kanalisation von Bergkamen simuliert.

Bei allen Schokoladenseiten mit großen Ausflugsqualitäten (die Ruhrtourismus GmbH förderte das Projekt ebenfalls) ist allerdings nicht jedes der 100 Werke im vorzeigefähigen Zustand: Raimund Kummers graffitipralle „Schwelle“ im Essener Emscherpark oder der heillos zugewucherte „Nashorn-Tempel“ von Johannes Brus (ebenfalls im Essener Norden) sind solche Fälle, in denen der Bochumer Museums-Chef Hans Günter Golinski davon spricht, dass man zur Pflege der Kunst im öffentlichen Ruhr-Raum noch „alternative Modelle“ entwickeln müsse, wo weder die Museen noch die Städte und Gemeinden dazu in der Lage seien. Ein erster Schritt dazu ist immerhin getan. Schließlich, so Golinski, gehe es um die Idee von Karl Ernst Osthaus, mit Kunst in der einstigen Kulturwüste tätig zu werden – nicht, um den öffentlichen Raum hemmungslos zu möblieren, sondern um ästhetische Erfahrungen zu ermöglichen, die in einem ungestalteten Raum nicht möglich wären.

Public Art Ruhr. Die Metropole Ruhr und die Kunst im öffentlichen Raum. Hg. von Walter Smerling und Ferdinand Ullrich im Auftrag der Ruhrkunstmuseen. Wienand Verlag, 232 S., 100 Abb., 29,80 Euro.

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