Privatleben ade? Twitter – Tagebuch der Stars

Rebecca Krizak
Selbst auf dem Roten Teppich twittern Demi Moore und Ashton Kutcher per Handy. Foto: imago
Selbst auf dem Roten Teppich twittern Demi Moore und Ashton Kutcher per Handy. Foto: imago
Foto: imago stock&people

Essen. Immer mehr Prominente nutzen Twitter, um Nachrichten über ihr Privatleben zu verbreiten. Was steckt hinter den Meldungen? Sind sie gut geplante Karriereschachzüge oder impulsive Spontantaten?

Es gab Zeiten, da sah man in den Magazinen Bilder von Britney Spears, wie sie abgeschirmt von muskelbepackten Bodyguards durch die Straßen lief. Die Männer an der Seite des Popsternchens hatten die Aufgabe, sie vor neugierigen Passanten-Blicken zu schützen und die Paparazzi fernzuhalten. Geht man noch weiter zurück in der Zeit, fallen einem beim Thema Stars Diven wie Marlene Dietrich ein, die stets unnahbar wirkten und von denen wohl gerade deshalb so eine Anziehungskraft ausging. Die Britney Spears von damals und Marlene Dietrich hatten eines gemeinsam: Sie wollten, dass ihr Privatleben auch tatsächlich privat bleibt.

Nackt unter der Dusche oder während des Essens

Heute aber wollen Fans keine Bewunderer mehr sein, sondern Freunde. Und die Stars sind gerne bereit, ihnen dieses Gefühl zu vermitteln. Über Onlineplattformen, wie Twitter, Facebook und Co, informieren sie uns über Details aus ihrem Alltag. Britney Spears fotografiert sich auf dem Bett beim Spare-Ribs-Essen. Lenny Kravitz zeigt sich nackt unter der Dusche. Und Ashton Kutcher sorgte für Aufsehen, als er den Po seiner Ehefrau Demi Moore fotografierte und ins Netz stellte. Jeder der möchte, kann bei Facebook Freund von Katy Perry werden und sich dort über ihr Sexleben informieren lassen. Der Wunsch nach Privatspähre scheint ein Relikt aus einer Zeit zu sein, in der Soziale Netzwerke noch nicht erfunden waren.

Diese Entwicklung ist kein Zufallsprodukt, sondern Kalkül. Unantastbare Stars sind nicht mehr gefragt. „Mit Twitter-Nachrichten über private Dinge stellen Prominente Nähe zu ihren Fans her. Auch wenn Twitter ein Massenmedium ist, wird der Anschein erweckt, eine Person vermittele etwas Persönliches über sich, dass sie sonst nicht preisgeben würde,“ erklärt Jo Groebel, Medienpsychologe und Direktor des Deutschen Digital-Instituts in Berlin. Dennoch, so Groebel, twittere kein Star spontan und zufällig: „Jeder, der bei Trost ist, wird seine Äußerungen vorher prüfen. Der Kontakt zu den Medien geschieht nicht unkontrolliert.“

Paparazzi überflüssig machen

Der gezielte Einsatz von Twitter und anderen Netzwerken ist aber nicht immer nur die Strategie von Stars, deren Karriere nicht mehr läuft, und die deshalb mit privaten Details ihren Gesprächswert erhöhen möchten. Häufig steckt auch ein anderer Gedanke hinter dem Verbreiten von Nachrichten und Bildern im Internet. Ashton Kutcher erklärte erst kürzlich in einem Interview, wenn ihn Paparazzi fotografierten, würde er ein ähnliches Bild von sich machen und sofort ins Netz stellen. Das ursprüngliche Bild sei damit wertlos.

Dieses Vorgehen schützt zwar nicht das Privatleben, aber es gibt das Gefühl von Kontrolle. Lieber produzieren Stars selbst einen kleineren Aufreger und lenken damit ganz bewusst das Medieninteresse, als dass sie die Presse selbst die Skandale suchen lassen. „Das ist eine alte Kommunikationsstrategie mit Hilfe eines neuen Mediums“, erklärt Groebel. Ashton Kutcher und das Bild von Demi Moores Po sind dafür ein gutes Beispiel, denn die Medien sprangen auf den Zug auf und berichteten über Kutchers ungewöhnlichen Online-Eintrag anstatt selbst zu recherchieren.

Für Hintergrundinformationen ungeeignet

Das kann natürlich zur Folge haben, dass die Medien auf eine Falschmeldung hereinfallen. „Hier und da wird auch mal ganz bewusst eine falsche Spur gelegt. Was tatsächlich Fake ist, das ist am Ende nicht mehr nachvollziehbar“, so Groebel. Zeitungen nutzen Twitter dennoch gerne als Informationsquelle. Gleichzeitig macht ihnen der Online-Dienst aber auch Konkurrenz. Denn warum sollten die Leser sich die Informationen nicht dort holen, wo sie entstehen, sondern auf klassische Medien zurückgreifen? „Um an Hintergrundinformationen zu gelangen oder an Informationen über einen echten Skandal, ist Twitter nur selten geeignet“, so der Medienexperte. Denn niemand, egal wie intensiv die Online-Freundschaft auch scheinen mag, wird freiwillig unliebsame Informationen heraus geben.