Politiker protestieren gegen „unsensiblen“ Terror-Tatort

Mehmet Kurtulus (m.) als Ermittler Cenk Batu in dem umstritttenen Tatort „Der Weg ins Paradies“. Foto: NDR/Hannes Hubach/dapd
Mehmet Kurtulus (m.) als Ermittler Cenk Batu in dem umstritttenen Tatort „Der Weg ins Paradies“. Foto: NDR/Hannes Hubach/dapd
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Der jüngste „Tatort“ der ARD sorgt für heftigen Unmut unter Medienpolitikern. Der Grund: Der syrische Geheimdienst tritt als Freund und Helfer der deutschen Sicherheitsbehörden auf. Ein FDP-Politiker wirft den Machern „mangelnde Sensibilität“ vor. Und fordert gar, dass die Folge vorerst nicht mehr ausgestrahlt wird.

Essen.. Es war der spannendste Moment im aktuellen Tatort aus Hamburg: Ermittler Cenk Batu muss vor den Augen der Al-Qaida-Terroristen buchstäblich die Hosen herunterlassen. Die Angst steht ihm ins Gesicht geschrieben. Jeden Moment droht sein Tarnmanöver als radikaler Muslim aufzufliegen. Doch einer der Männer reagiert nicht, als er das kleine Mikrofon entdeckt, das auf dem Po des Tatort-Ermittlers klebt. Gegen Ende stellt sich heraus: Der vermeintliche Terrorist, der Batu deckte, war selbst ein V-Mann. Eingeschleust vom syrischen Geheimdienst, der mit dem BKA zusammenarbeitet.

Syrien als Freund und Helfer deutscher Sicherheitsbehörden? FDP-Politiker Burkhardt Müller-Sönksen ist empört: „Das ist eine äußerst zweifelhafte Botschaft, die der gebührenfinanzierte Tatort aktuell aussendet. Und das in einer Zeit, in der der syrische Geheimdienst für zahlreiche Morde an Oppositionellen und Deserteuren verantwortlich gemacht wird“, klagt der medienpolitische Sprecher der Liberalen im Bundestag gegenüber DerWesten.

„So ein Fehler darf dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht passieren“

Scharfe Kritik kommt auch aus den Reihen der Union: „Der Tatort hat einen unangenehmen Beigeschmack“, meint Stephan Mayer, Innenexperte der CSU im Bundestag. „Warum musste man ausgerechnet den Geheimdienst eines Landes nehmen, in dem neben dem Iran derzeit das brutalste Unrechtsregime herrscht? Jordanien oder Israel wären eine bessere Wahl gewesen.“

Müller-Sönksen wirft den Machern des TV-Krimis mangelnde Sensibilität vor. Selbst wenn der Tatort gedreht worden sei, bevor die Lage in Syrien eskalierte, hätte er seiner Meinung nach dringend überarbeitet werden müssen. „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat mehr als genug Mitarbeiter. Da darf so ein Fehler einfach nicht passieren“, meint Müller-Sönksen.

NDR widerspricht der Kritik

Auch Alexander Vogt sieht die aktuelle Folge des Hamburg-Tatorts kritisch. Die Darstellung des syrischen Geheimdienstes sei zu einseitig, sagt der Medien-Experte der SPD in NRW. "Die Probleme in Syrien hätten nicht komplett ausgeblendet werden dürfen." Grundsätzlich sei der Tatort zwar Fiktion. Da die Macher jedoch immer wieder reale Themen aufgreifen würden, sei eine besondere Sorgfalt geboten. „Die Verantwortlichen müssen sich ihres Einflusses auf die Bevölkerung bewusst sein“, mahnt Vogt. Er plädiert dafür, dass sich der Rundfunkrat des verantwortlichen NDR mit dem Tatort noch einmal auseinander setzen sollte.

Müller-Sönksen geht einen Schritt weiter: Er fordert, dass diese Tatort-Folge vorerst nicht mehr ausgestrahlt wird.

Der NDR widerspricht jedoch der Kritik. "Der Al-Qaida-Tatort orientiert sich - bei aller Freiheit von Drehbuchautor und Regisseur - an den Fakten", teilt Fernsehfilmchef Christian Granderath mit. In der Vergangenheit habe es in Bezug auf das Terrornetzwerk Berührungspunkte zwischen dem syrischen Geheimdienst und dem BKA gegeben.

 
 

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