Pleitgen: Die Kulturhauptstadt wird kein Fiasko

Essen. In einem guten halben Jahr startet das Kulturhauptstadtjahr 2010 – und die Veranstalter präsentieren sich gut gelaunt. Der Grundstock des Programms sei gesichert, lediglich für Glanzlichter suche man noch Sponsoren. Mal wieder auf der Kippe: das Projekt Zollverein unter Tage.

„Es häufen sich in schwierigen Zeiten die guten Nachrichten“, gibt sich Kulturhauptstadt-Chef Fritz Pleitgen betont positiv. Und dann verkündet er offiziell den Termin und die Location für die Eröffnung: Die große Feier steigt am 9. Januar 2010 auf dem Gelände der Zeche Zollverein.

Nicht nur die High Society soll da feiern, auch für die Bevölkerung soll Platz genug sein – sie wird nicht mehr wie ursprünglich geplant in die Arena Auf Schalke ausgelagert. Für die Organisation habe man sich erfahrene Mitarbeiter ins Boot geholt: Kersten Sattler ist dabei, Cheforganisator der Loveparade, die bekanntlich in diesem Jahr aus organisatorischen Gründen ausfällt.

„Positive Impulse“ bei Partnerkonferenz

„Was Sie möglicherweise auch interessiert, ist unsere Finanzlage“, sagt der Macher der Kulturhauptstadt, Pleitgen. Natürlich weiß er, dass in den vergangenen Tagen dunkle Wolken über dem Kulturhauptstadt-Projekt vorhergesagt wurden, weil den Kommunen das Geld für Ruhr 2010 fehlt.

Doch Pleitgen versprüht eine neue, verhaltene Euphorie. Der Anlass: eine Partnerkonferenz am Dienstag. Dort habe man „positive Impulse“ von der heimischen Wirtschaft bekommen. Meint: Weitere 2,5 Millionen Euro konnten für Ruhr 2010 eingetrieben werden. Diese Summe setzt sich sowohl aus Finanzierungsbeiträgen als auch aus Sach- und Personalleistungen zusammen.

Glanzlichter gesucht

„Wir sind Kulturhauptstadt in einer schwierigen Zeit und bei schwierigen Situationen in den Kommunen“, bringt Pleitgen es auf den Punkt. Das Image müsse aufpoliert werden. „Deswegen müssen wir Glanzlichter setzen.“ Dafür wurde bei der Partnerkonferenz geworben. Nicht nur NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Aufsichtsratsvorsitzender Wulf Bernotat, sondern auch Kuratoriumsmitglied Hans-Dietrich Genscher hielten vor den potenziellen Geldgebern flammende Reden. So seien spontan 2,5 Millionen Euro zusammen gekommen. „Das ist meines Wissens im Ruhrgebiet noch nicht vorgekommen, dass eine so große Summe an einem Abend zusammen gekommen ist“, sagt Oliver Scheytt, Geschäftsführer der 2010 GmbH.

Vor wenigen Wochen sei man noch sieben Millionen von den benötigten 65,5 Millionen Euro entfernt gewesen. „Das ist mittlerweile auf 5,8 Millionen abgebaut worden“, informiert Pleitgen. „Damit ist der Grundstock des Programms gesichert. Ein Fiasko wird es nie und nimmer.“

Als gesicherte Projekte gelten demnach: Die „Sinfonie der 1.000“, die laut Pleitgen „fast schon tot aussah“. Die „Schachtzeichen“, gelbe Ballons, die über ehemaligen Schächten im Revier schweben, seien „auf einem sehr guten Weg“. Ebenso das A40-Projekt „Still-Leben“, für das sich bereits zahlreiche Interessenten gemeldet haben. Für den „Day of Song“ in der Arena Auf Schalke seien bereits 11 000 Karten reserviert.

Neue Hürde für Zollverein

Eine neue Hürde habe sich bei dem sowieso sehr schwierigen Projekt Zollverein unter Tage ergeben: Die Projekte sind auf Nachhaltigkeit angelegt, das Bergbau-Unternehmen RAG kann jedoch nur eine Zusage für fünf Jahre Laufzeit geben. Es habe offenbar „einen Wechsel in der technischen Beurteilung“ der Pumpe, die eine Besichtigung der Stollen erst möglich macht, bei der RAG gegeben, sagt Pleitgen. Das spricht nicht gerade für die Nachhaltigkeit dieses Projektes.

Somit steht Zollverein unter Tage, das Besuchern einen Einblick in die Tiefen des Bergbaus geben sollte, auf sehr wackligen Beinen. „Unsere Bereitschaft zur Realisierung ist da, unsere Million zur Finanzierung steht“, sagt Fritz Pleitgen. „Jetzt müssen wir sehen, wie das Land entscheidet.“ Denn das habe in dieser Frage nun die nächste Entscheidungsgewalt. „Wir sind sehr gespannt auf diesen Brief“, sagt Pleitgen.

 
 

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