Ohnsorg-Theater feiert Erfolg an neuer Spielstätte

Das Wagnis hat sich gelohnt: Das Ohnsorg-Theater hat vom Umzug in das neue Domizil profitiert. Mit der ersten Spielzeit im neuen Haus blickt die niederdeutsche Traditionsbühne auf eines der besten Ergebnisse ihres mehr als 110-jährigen Bestehens zurück. "Wir haben 2011/2012 eine Auslastung von 92,5 Prozent erreicht", sagte der Intendant des Theaters, Christian Seeler.

Hamburg (dapd). Das Wagnis hat sich gelohnt: Das Ohnsorg-Theater hat vom Umzug in das neue Domizil profitiert. Mit der ersten Spielzeit im neuen Haus blickt die niederdeutsche Traditionsbühne auf eines der besten Ergebnisse ihres mehr als 110-jährigen Bestehens zurück. "Wir haben 2011/2012 eine Auslastung von 92,5 Prozent erreicht", sagte der Intendant des Theaters, Christian Seeler, am Mittwoch in der Hansestadt. Das seien 9,5 Prozent mehr als in der letzten Spielzeit im alten Haus. Das Ohnsorg-Theater war im August 2011 nach 75 Jahren von den Großen Bleichen in das Bieberhaus am Hauptbahnhof umgezogen.

"Nach anfänglichem Fremdeln sind wir geradezu überrannt worden vom Publikum", sagte Seeler. So habe das Theater 2011/2012 insgesamt 169.815 Besucher in 459 Vorstellungen registriert. 2010/2011 waren es 141.143 Besucher in 464 Vorstellungen. Das ist ein Plus von knapp 30.000 Gästen. Das neue Haus am Hauptbahnhof hat zehn Prozent mehr Plätze als die alte Spielstätte. Die Zahl der Abonnenten kletterte um 372 von 9.112 auf 8.740.

Als Grund für das große Interesse des Publikums nennt Seeler die Neugierde am neuen Haus. Ferner sei die neue Spielstätte "der perfekte Standort". "Besser als am Hauptbahnhof geht es nicht, das ist ein zentraler Treffpunkt", sagte der Intendant, der das Haus seit 1996 leitet.

"Wir werden uns da einpendeln"

Für die Spielzeit 2012/2013 dämpft Seeler jedoch die Erwartungen: "Es wäre fahrlässig, jedes Jahr mit einem derartigen Zulauf zu rechnen, wir werden uns da einpendeln." Bis Ende Februar 2013 verbuchte das Haus eine Auslastung von 85 Prozent. Das sei immer noch ein deutlicher Zuwachs im Vergleich zum Zuspruch im alten Haus.

Hinzu kommt, dass die Sachkosten in der neuen Spielstätte von etwa 45.000 auf 125.000 Euro gestiegen sind. Seeler zufolge sind die Wege im neuen Haus weiter, es existiert ein höherer Bedarf an Technik und Personal. So hat das Theater statt der früher bis zu 65 Rollen pro Saison nun 2011/2012 fast 90 Rollen besetzt. Die Personalkosten seien explodiert, sagte Seeler und fügte hinzu: "Aber das wussten wir, denn wir wollten im neuen Haus mit einem Knall beginnen."

Einbußen muss die niederdeutsche Bühne, die Mimen wie Heidi Kabel und Henry Vahl zu bundesweiten Stars machte, auch durch den neuen Vertrag mit dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) hinnehmen. Künftig produziert der Sender statt drei nur noch zwei Neuaufzeichnungen pro Jahr und strahlt zudem wie gehabt 25 Wiederholungssendungen aus. Der Rückgang aus Spargründen beim NDR schmerze sehr, sagte Seeler. "Das hat wirtschaftliche Auswirkungen, und wir müssen sehen, wie wir das finanziell kompensieren können."

Mit der ersten TV-Übertragung ("Seine Majestät Gustav Krause") wurde das Ohnsorg-Theater 1954 über die Grenzen Hamburgs hinaus bekannt und ist nach der "Tagesschau" und dem "Wort zum Sonntag" die drittälteste TV-Sendung hierzulande. Zum 60. Jahrestag der Übertragung 2014 wollen das Theater und der TV-Sender eine Offensive starten und die Bühne in den Vordergrund rücken. Denn die Quoten am Samstagabend seien immer noch zufriedenstellend, sagte Seeler.

"Auch die Kasse muss stimmen"

"Wir möchten jedes Jahr immer wieder die tollsten Stücke machen, aber auch die Kasse muss stimmen", sagte Seeler vor dem Hintergrund der finanziellen Situation. Die "kleine, beschauliche GmbH" habe bis auf 25.000 Euro alle Rücklagen ausgegeben. Dennoch will das Theater den Höhenflug beim Publikum 2013/2014 fortsetzen. So viel Programmvielfalt gab es laut dem Intendanten "noch nie". "Wir wollen zeigen, wie klasse und cool die plattdeutsche Sprache ist und wie sie sich mit Theater verbinden lässt", sagte Seeler. Ziel sei erneut, das Stammpublikum zu erhalten und neue Besucher zu gewinnen.

Gelingen soll das mit einer "Mischung aus Traditionellem, Modernen, Lautem und Leisem". Start der Saison 2013/2014 ist am 25. August mit dem Schwank "De Spaansche Fleeg". Ferner plant das Theater die plattdeutschen Erstaufführungen des Schauspiels "Lengen Na Leev" (13.10.) sowie der Komödien "Gode Geister" (2.3.14.), "Sülverhochtiet" (13.4.14.) und "De Nervbüdel" (1.6.14).

Junges Publikum will das Theater mit seiner Studio-Bühne anlocken, die Cornelia Ehlers leitet. Sie setzt jährlich auf jeweils ein Kinder-, Jugend- und Erwachsenenstück. "Platt kommt gut an bei Kinder und Jugendlichen", sagt Ehlers und stellt ein Bedürfnis beim Nachwuchs fest, Theater auf Plattdeutsch zu machen. Einer der Höhepunkte 2013/2014 sei ein "Poetry Slam" op Platt (28.9.). "Da sitzen dann Fans vom Poetry Slam und von der plattdeutschen Sprache im Publikum - eine tolle Mischung", sagte Ehlers.

dapd

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