Oberhausen wird Entenhausen - Disney-Zeichner zeigen Bilder

Foto: Kai Kitschenberg, FUNKE Foto Services
Ab Sonntag wird Ober- zu Entenhausen. Die Ludwiggalerie zeigt Skizzen, Drucke, Gemälde und Arbeitsblätter von sechs großen Disney-Zeichnern.

Oberhausen.. Wer noch daran zweifelt, ob Comic eine Kunstform ist, muss sich nur die Ausstellungskalender der Kunstmuseen anschauen: Das Grand Palais in Paris präsentiert den belgischen Kult-Zeichner Hergé, die Frankfurter Schirn hat gerade „Pioniere des Comic“ vorgestellt. Und ab Sonntag wird Ober- zu Entenhausen. Die Ludwiggalerie zeigt eine Ausstellung, die wegen der schwierigen Urheber-Rechtslage in den USA gar nicht möglich wäre. Skizzen, Drucke, Gemälde und Arbeitsblätter aus der Comic-Fabrik von sechs großen Disney-Zeichnern: drei aktuelle Entenbändiger, die Donald & Co. im Dschungelcamp oder bei „The Voice of Germany“ antreten lassen, und drei Altmeister.

Unter denen ist Carl Barks der bekannteste, auch wenn sein Name erst spät bekannt wurde; die Leser, die längst ahnten, dass nicht alle Comics vom 1965 gestorbenen Disney gezeichnet waren, hatten ihm, dessen Strich sie stets erkannten, längst den Ehrentitel „The good artist“ (der gute Künstler) verliehen. Barks hatte nach acht Jahren Schule ein gutes Dutzend Jobs vom Holzfäller bis zum Eisenbahner durch, bevor er das ewige Zeichnen (seine erste Frau hat ihn deshalb frustriert verlassen) zu seinem Beruf machte. Zuerst beim Männermagazin „The Eye-Opener“ (der Augenöffner) mit ebenso an- und auszüglichen wie kurvenreichen Witzblättern, dann ab 1936 bei Disney, wo er zunächst an Zeichentrick-Filmen arbeitet.

Das Vorbild für Daisy Duck

Fast alle Comichelden im Disney-Imperium haben im Film das Licht der Welt erblickt; von dort aus wanderten sie in die Sonntagsbeilagen der Zeitungen, mit vier bis fünf Bildern pro Streifen, pro „panel“, wie es unter Comicologen heißt. Barks, der auch Dagobert Duck, Gustav Gans und Daniel Düsentrieb erfunden hat, wird derjenige, der aus den Kurzwitzen Geschichten und heftelange Abenteuer spinnen darf.

Vor ihm hatte 1929 schon Floyd Gottfredson bei Disney angeheuert, ebenfalls beim Trickfilm. Disney bittet ihn, aushilfsweise den Micky-Maus-Comicstrip zu übernehmen – und dabei blieb es dann, für die nächsten 46 Jahre. Was ihm den Ehrentitel „Mäusemann“ einbrachte. Al Taliaferro (1905-1991) hingegen zeichnete den täglichen Donald Duck für Zeitungen, fast vier Jahrzehnte lang, von denen er die letzten 11 Jahre als einziger Disney-Zeichner zu Hause in einer Garage arbeiten durfte, weil er an Krebs erkrankt war. Ihn halten Fachleute für den besten Zeichner unter den vielen guten – auch die Sammlerin Ina Brockmann, aus deren ­Beständen die Oberhausener Schau in weiten Teilen zusammengestellt ist. Sie, die zwar Taliaferro nicht mehr kennengelernt hat, aber seine Witwe, ist sicher, dass Lucy Taliaferro das Vorbild für Daisy Duck war, und das nicht nur wegen der gleichen Hüte: „Lucy konnte auch ganz schöne Spitzen austeilen“, erinnert sich Ina Brockmann mit Schelmenlächeln.

Wie aus Strichen Bewegungen entstehen

Für den Heimarbeiter Taliaferro, der die drei Donald-Neffen erfunden hat, war es einfacher als für die Fließbandarbeiter in Disneys Industriestudios, Entwurfszeichnungen und Vorbild-Blätter, nach denen sich die Zeichner richten sollten, an Sammler zu verkaufen. Bei Disney selbst ist solches Material oft vernichtet worden, weil nur die gedruckten Comics zählten.

Sehenswert ist es doch, wie aus Strichen Bewegungen entstehen, wie Donald Duck, zunächst eine Mischung aus Gans, Ente und Kranich, mit längerem Schnabel und längerem Hals, allmählich jener Donald wird, den alle kennen. Und heutige Zeichner wie Don Rosa, Jan Gulbransson (Neffe des berühmten „Simplizissimus“-Zeichners Olaf Gulbransson) und Ulrich Schröder zu vergleichen mit Zeitungs-Comics aus den 30er- und 40er-Jahren.

 
 

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