NRW-Bank wollte offenbar zwei Polke-Bilder verkaufen

In die Verkaufspläne der NRW-Bank waren weder NRW-Museen noch die Kulturpolitik einbezogen worden. Im Bild: Drei Arbeiten des Künstlers bei einer Ausstellung im Christie's.
In die Verkaufspläne der NRW-Bank waren weder NRW-Museen noch die Kulturpolitik einbezogen worden. Im Bild: Drei Arbeiten des Künstlers bei einer Ausstellung im Christie's.
Foto:  Facundo Arrizabalaga
Das Land ist stärker in Kunstverkäufe verwickelt als bislang bekannt. Wieder ist ein Plan zum Verkauf landeseigener Kunst in NRW publik geworden. Anders als im Fall Warhol waren aber Museen in die Diskussion einbezogen.

Düsseldorf.  Erneut ist ein geplanter Verkauf von hochwertiger Kunst aus einem landeseigenen Unternehmen in Nordrhein-Westfalen bekanntgeworden. Die NRW-Bank wollte zwei Bilder des Künstlers Sigmar Polke (1941-2010) verkaufen, nachdem NRW-Museen zunächst kein Interesse an den Objekten als Dauerleihgabe geäußert hätten, sagte eine Sprecherin des landeseigenen Förderinstituts am Dienstag auf Anfrage.

Sie bestätigte damit einen Medienbericht. Inzwischen hätten sich aber zwei Museen - die Kunstsammlung NRW sowie das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster - bereiterklärt, die Bilder zu übernehmen.

Der Fall unterscheidet sich von dem umstrittenen Verkauf von zwei millionenschweren Warhol-Bildern aus dem Besitz der angeschlagenen NRW-Bank-Tochter Westspiel. Am Mittwoch sollen die Warhol-Siebdrucke in New York versteigert werden.

In die Verkaufspläne waren weder NRW-Museen noch die Kulturpolitik einbezogen worden. Eine Übernahme der Bilder durch Museen stand nicht zur Debatte. Westspiel will mit dem Erlös den Spielbanken-Betriebs sanieren.

Erlös der Polke-Bilder fließt in Stiftung zur Förderung junger Künstler

Der Erlös aus dem Verkauf der Polke-Bilder hätte dagegen gezielt in eine Stiftung zur Förderung junger Künstler fließen sollen. Die Bank hatte den Angaben zufolge ihr Kunstkonzept im Jahr 2010 verändert und die Förderung junger Künstler ins Zentrum gestellt. Zuvor hatte das Institut auch Werke bekannter Künstler wie etwa die beiden großformatigen Polke-Bilder gekauft.

Die NRW-Bank besitze rund 60 Kunstwerke und Werkgruppen mit einem Gesamtwert im einstelligen Millionenbereich, sagte die Sprecherin. Dazu gehörten auch Grafikeditionen, Deko-Kunst und Werke von Kunststudenten. Zu der Sammlung zählten keine Werke aus dem Besitz der 2002 aufgespaltenen Westdeutschen Landesbank.

Versteigerung von zwei Warhol-Bildern sorgt für Debatte

Das Polke-Bild "Hüter der Schwelle" hängt künftig als Dauerleihgabe im LWL-Museum Münster, das mit dem kürzlich eröffneten Neubau nun über zusätzlichen Ausstellungsraum verfügt. Polkes Bild "Primavera" werde die Kunstsammlung NRW in Düsseldorf bekommen. Auch weitere aktuell eingelagerte Werke sollen als Dauerleihgaben an NRW-Museen übergeben werden, sagte die Sprecherin.

Die am Mittwoch anstehende Versteigerung von zwei Warhol-Bildern, die früher im Casino Aachen hingen und seit 2009 eingelagert sind, hatte eine heftige Debatte über den Umgang mit Kunst in Unternehmen in NRW ausgelöst.

Kritiker sprechen von einem "Ausverkauf der Kunst des Landes" und einem "Tabubruch". Befürworter halten dagegen, dass Westspiel, eine 100-prozentige Tochter der NRW-Bank, ein eigenständiges Unternehmen sei, das aus eigener Kraft aus der Verlustzone herauskommen müsse.

Kürzlich war zudem durch einen Medienbericht bekanntgeworden, dass die WestLB 2006 ein Gemälde von Max Beckmann verkauft hatte. (dpa)

 
 

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