Nobelpreisträger Günter Grass mit 87 Jahren gestorben

Günter Grass ist tot. Der Literaturnobelpreisträger - hier auf einem Bild aus dem November 2014 - starb am Montag im Alter von 87 Jahren.
Günter Grass ist tot. Der Literaturnobelpreisträger - hier auf einem Bild aus dem November 2014 - starb am Montag im Alter von 87 Jahren.
Foto: dpa
Literaturnobelpreisträger Günter Grass ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Sein Verlag teilte dies am Montagvormittag mit.

Göttingen.. Günter Grass ist tot. Der Literaturnobelpreisträger sei am Montagmorgen im Alter von 87 Jahren in einer Lübecker Klinik gestorben, teilte der Steidl Verlag in Göttingen mit. Er sei einer schweren Infektion erlegen. Er sei kurzfristig in ein Lübecker Krankenhaus gekommen und dort Montagfrüh im Kreis seiner Familie gestorben, teilte sein Sekretariat in Lübeck mit.

Trotz des hohen Alters sei der Tod sehr überraschend gekommen, sagte seine Sekretärin Hilke Ohsoling, die noch am Samstag mit Grass gesprochen hatte. Über Ort und Zeitpunkt der Beisetzung könne sie noch nichts sagen.

Das Günter-Grass-Haus veröffentlichte zum Tode des Autors auf seiner Homepage das Grass-Gedicht "Wegzehrung" von 1997: "Mit einem Sack Nüsse will ich begraben sein und mit neuesten Zähnen. Wenn es dann kracht, wo ich liege, kann vermutet werden: Er ist das, immer noch er."

Welterfolg mit der "Blechtrommel"

Grass zählte zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern der Gegenwart. Bereits sein 1959 erschienener erster Roman "Die Blechtrommel" wurde ein Welterfolg. 40 Jahre später erhielt der gebürtige Danziger für sein Gesamtwerk den Nobelpreis.

Zeitlebens schaltete sich Grass in gesellschaftspolitische Debatten ein. So unterstützte er Willy Brandts Aussöhnungspolitik mit Polen und machte Wahlkampf für die SPD. Grass löste heftige Kontroversen aus, zuletzt 2012 wegen eines Israel-kritischen Gedichts.

Zum umfangreichen Werk von Grass gehört die Anfang der 1960er-Jahre erschienene "Danziger Trilogie". Sie umfasst neben der "Blechtrommel" die Novelle "Katz und Maus" (1961) und den Roman "Hundejahre" (1963). Fast ein halbes Jahrhundert später schrieb Grass seine "Trilogie der Erinnerung" mit den autobiografischen Bänden "Beim Häuten der Zwiebel" (2006), "Die Box" (2008) und "Grimms Wörter" (2010).

Steinmeier "tief bestürzt"

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zeigte sich "tief bestürzt" vom Tode Grass'. Grass sei ein großer Bürger und Sohn der Stadt Lübeck, wie ein Außenamtssprecher am Montag in Berlin sagte. Es sei tragisch, dass er jetzt gestorben sei, einen Tag, bevor die Welt auch wegen eines G7-Außenministertreffens in Lübeck auf die Stadt blicken werde. Dieses Treffen beginnt am Dienstag.

Auch Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) reagierte tief erschüttert. "Das ist ein schwerer Verlust für Lübeck, aber auch für die deutsche und die internationale Literatur", sagte Saxe. "Mein tief empfundenes Mitgefühl gilt seiner Ehefrau und seiner Familie." Tief betroffen äußerte sich auch der Leiter des Lübecker Günter-Grass-Hauses, Jörg-Philipp Thomsa. "Wir sind dankbar für die vielen Erlebnisse, die wir mit ihm teilen durften", sagte Thomsa.(dpa)

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