Neun Stiftungen wollen Detroits Museum retten

Rodins „Denker“ vor dem „Detroit Institute of Arts“.
Rodins „Denker“ vor dem „Detroit Institute of Arts“.
Foto: Getty
Die Auto-Metropole Detroit steckt im Konkursverfahren – und der Kunst in Detroits Museum drohte der Ausverkauf. Nun haben neun Stiftungen zusammen 330 Millionen Dollar gesammelt. Reiche sollen auf 500 Millionen aufstocken, um das Haus zu retten.

Washington.. Hoffnungsschimmer für die Kunst in der im Konkursverfahren steckenden Auto-Metropole Detroit: Neun große Stiftungen haben zusammen 330 Millionen Dollar zugesichert, um ein landesweit einzigartiges Schatzkästchen vor dem Ausverkauf zu retten. Um das 20 Milliarden-Dollar-Defizit der seit Jahrzehnten von Siechtum, Kriminalität und Abwanderung geplagten Metropole am Michigan See abzubauen, setzte Konkursverwalter Kevyn Orr im Sommer auch die hochkarätige Sammlung des „Detroit Institute of Arts“ (DIA) auf die Liste der zu verscherbelnden Besitztümer.

In dem 1927 eingeweihten neoklassizistischen Bau an der Woodward Avenue hängen seltene Brueghels, van Goghs, Caravaggios und Warhols. Alles im Besitz der Stadt. Auch spektakuläre Wandmalereien aus dem Maschinenzeitalter, die Diego Rivera zur Erbauung der Auto-Dynastie Henry Fords in das Atrium integrierte, ziehen Besucher aus aller Welt an.

Orr ignorierte die öffentliche Empörung über die Verkaufsabsichten und beauftragte das Auktionshaus Christie‘s mit einer Schätzung. Ergebnis: Jene Werke, die zum Teil schon vor 80 Jahren mit städtischen Mitteln erworben worden waren, könnte heute im besten Fall 900 Millionen Dollar am Kunstmarkt erlösen. Gemessen an der Gesamtverschuldung ein Tropfen auf den heißen Stein, schrieb die „Detroit News“. Für das Museum, so Leiter Graham Beal, aber der „Todesstoß“.

Weil in dem historisch ersten richterlich geführten Bankrott-Verfahren einer großen US-Metropole vielfach Neuland betreten wird, sind jetzt die Ford-Stiftung und andere Philantrophen-Verbünde dazwischen gegrätscht. Das Museum soll in den Besitz einer nicht auf Profit ausgerichteten Organisation überführt und so vor dem Zugriff der Insolvenzverwalter geschützt werden, die über 100 000 Gläubiger zu bedienen haben. Im Gegenzug sichern die Stiftungen, so Alberto Ibargüen von der „Knight Foundation“, einen Teil des chronisch unterfinanzierten Fonds für knapp 20 000 städtische Pensionäre.

Der Charme der Aktion: Kunst und Rentner können nicht länger gegeneinander ausgespielt werden. Der Stiftungsverbund, der zwei Monate lang diskret an dem Projekt gearbeitet hat, will das Hilfspaket auf 500 Millionen Dollar aufstocken und sucht in der Welt der Reichen Mitstreiter. Ohne das „Institute of Arts“, so der Tenor, mache der Wiederaufbau Detroits keinen Sinn.

 
 

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