Neuer Streit um die Kölner Großmoschee

Ein Baukran steht in Köln auf der Baustelle der Zentralmoschee. Die Türkisch Islamische Union (Ditib), Bauherr der Kölner Moschee, hatte nach erheblichen Differenzen den Vertrag mit dem Architekten Paul Böhm gekündigt. „Als Künstler hat Herr Böhm brilliert, als Baumeister hat er leider versagt", so Sprecherin Ayse Aydin. Foto: dapd
Ein Baukran steht in Köln auf der Baustelle der Zentralmoschee. Die Türkisch Islamische Union (Ditib), Bauherr der Kölner Moschee, hatte nach erheblichen Differenzen den Vertrag mit dem Architekten Paul Böhm gekündigt. „Als Künstler hat Herr Böhm brilliert, als Baumeister hat er leider versagt", so Sprecherin Ayse Aydin. Foto: dapd
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Bauherr Ditib feuert den renommierten Architekten und Kirchenbaumeister Paul Böhm – aus konservativer Strategie? „Terminchaos und Kostensteigerung“ sind die Begründung. Beobachter fürchten Folgen für die Inneneinrichtung.

Köln. Josef Wirges hofft, dass die neue Großmoschee in Köln zu einem Touristen-Magneten wird, gleich nach dem Kölner Dom. Wirges will Gäste aus aller Welt zu dem islamischen Gotteshaus lotsen, in seinen Stadtteil. Der SPD-Mann ist Bezirksbürgermeister von Ehrenfeld. Er wirbt seit Jahren für den Bau der Moschee, und seinen Optimismus will er sich nicht nehmen lassen. Aber es gibt neuen Streit um das Bauprojekt. Während sich die Anwohner mit dem Bau in ihrer Nachbarschaft überwiegend abgefunden haben, sorgt jetzt ein Streit zwischen dem Bauherrn und dem Architekten für Schlagzeilen.

Die türkisch-islamische Organisation Ditib, die mit der Moschee auch ihre Deutschland-Zentrale neu errichtet, hat dem renommierten Kirchenbauer Paul Böhm fristlos gekündigt. „Aus wichtigem Grund“, wie es heißt.

Um die Lage noch unübersichtlicher zu machen, konterte Architekt Böhm, die Ditib sei ihm mit der Kündigung nur zuvorgekommen. Die Stimmung zwischen Bauherrn und Bauplaner ist vergiftet, geprägt von gegenseitigen Schuldzuweisungen, wenige Monate vor der geplanten Eröffnung von Deutschlands größter Moschee. Am Beton-Rohbau mit wuchtiger Kuppel und eindrucksvollen Minaretten war bereits im Frühjahr Richtfest gefeiert worden. Zum Jahresende sollte das Bauwerk weitgehend fertiggestellt sein, für Mai war die Eröffnung geplant. War. Der Plan wird nicht mehr zu halten sein.

„Termine mussten immer nach hinten verschoben werden, die Kosten explodierten, und es zeichneten sich gravierende Baumängel ab“, erklärt Ditib-Sprecherin Ayse Aydin. Auf Nachfragen will sie keine Details nennen. Gutachter und Juristen müssten sich jetzt darum kümmern, das sei nichts für die Öffentlichkeit. Hinter den Kulissen machen pikante Einzelheiten die Runde: Abweichungen bei der Symmetrie der Kuppenschalen, nicht korrekt montierte Gebäudeteile, falscher Beton an den Minaretten. Der bunt besetzte Beirat, der für Akzeptanz für den repräsentativen islamischen Bau werben soll, erfährt das aus der Zeitung.

Schramma poltert

Architekt Paul Böhm weist die Vorwürfe pauschal zurück. Für ihn ist das Hauptproblem der neue Ditib-Vorstand, der seit gut einem Jahr im Amt ist. Mit dessen Vorgängern gab es eine gute Zusammenarbeit, mit den aktuellen Nachfolgern nicht. Böhm beschwert sich über einen Austausch sämtlicher Dititb-Mitarbeiter, die an dem Projekt beteiligt waren: „Entscheidungen werden nicht getroffen und die Zahlung von fälligen Vergütungen wird verweigert.“ Beim Streit um Fassaden und Innenausbau gehe es wohl eher um „kulturpolitische und finanzielle Erwägungen“, meint Böhm. Mancher befürchtet nun eine kitschige Innenausstattung der Moschee. Die Ditib kontert, für den Innenausbau sei Böhm gar nicht zuständig. Der Kölner Bund Deutscher Architekten wiederum versteht die fristlose Kündigung des Architektenvertrags nicht, denn bisher gebe es aus seiner Sicht nur „alltägliche Probleme“. Die positive Grundstimmung gegenüber dem Bau in der Bevölkerung drohe durch die aktuelle Entwicklung „schweren Schaden“ zu nehmen.

Eine von der Ditib nach erstem Schweigen eilig einberufene Pressekonferenz auf der Moscheebaustelle nutzte der frühere Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU), um seinem Ärger über das Schweigen Luft zu machen. Schramma hatte sich für den Moscheebau massiv engagiert und dafür den Friedenspreis des Zentralinstituts Islam-Archiv bekommen. Die Angst ist nun groß, dass der Kölsche Konsens über die Großmoschee im Streit der Baubeteiligten untergeht. Mitte November will Wirges im Beirat für das Bauprojekt die fehlenden Informationen einfordern. Aber auch wieder Werbung für die touristische Anziehungskraft des ungewöhnlichen Baus machen. Der Kölner Dom wurde ja auch nicht gerade zielstrebig errichtet.

 
 

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