Neue Musikverwertungsgesellschaft C3S soll der Gema Konkurrenz machen

Die "Cultural Commons Collecting Society" (C3S) will der Gema als Musikverwertungsgesellschaft Konkurrenz machen.
Die "Cultural Commons Collecting Society" (C3S) will der Gema als Musikverwertungsgesellschaft Konkurrenz machen.
Foto: dpa
Noch hat die Gema als Musikverwertungsgesellschaft in Deutschland ihr Monopol. Doch es droht Gegenwind. Die Mitglieder der C3S um den Düsseldorfer Künstler Meik Michalke wollen eine Alternative zur Gema bieten. Vor allem Musiker in der Frühphase ihrer Karriere könnten sich angesprochen fühlen.

Essen.. Sie als Gema-Rebellen zu bezeichnen, geht einen Schritt zu weit. Eine Revolution wollen die Mitglieder der "Cultural Commons Collecting Society" (C3S) nicht anzetteln. Aber die Musikaktivisten um den Düsseldorfer Künstler und Musikorganisator Meik Michalke planen mit einer eigenen Musikverwertungsgesellschaft eine ernsthafte Alternative zur Gema. Angesprochen sollen sich in erster Linie unbekanntere Künstler fühlen, die sich von der Gema nicht ausreichend vertreten sehen.

Besonders der dauernde Rechtsstreit mit YouTube um den Erlös für die Musiker, wodurch zahlreiche Videos im Netz gesperrt sind, hat viele Gema-Mitglieder verärgert. "Für unbekanntere Künstler in der Frühphase ihrer Karriere ist gerade YouTube eine gute Plattform, um ein größeres Publikum zu erreichen", erklärt Musikwissenschaftler Holger Schwetter von der C3S. So sollen die Mitglieder der neuen Verwertungsgesellschaft die Möglichkeit zu freien Lizenzen - "Creative Commons" - erhalten. Damit könnten einzelne Lieder offiziell für nicht-kommerzielle Zwecke angeboten und zum Download freigegeben werden.

Kritik an der Verteilung der Gelder durch die Gema

Ein zweites großes Ärgernis bei der Gema sei der Schlüssel für die Verteilung der Gelder. So wird etwa bei Radiostationen genau nachgehalten, welche Lieder gespielt werden, wovon in der Regel die großen kommerziellen Acts profitieren. Doch kleine Clubs und Kneipen zahlen lediglich eine Pauschale an die Gema. "Dabei werden gerade dort die Tracks aus Nischen-Musikrichtungen gespielt", erläutert Holger Schwetter. Die C3S plant dafür den Einsatz von speziellen "Black Boxen", die in den Niederlanden und auf Festivals bereits erfolgreich eingesetzt würden. Damit erreiche man bereits eine Kennungsgenauigkeit der Lieder von 80 Prozent.

Um für mehr Gerechtigkeit zu sorgen, will sich die C3S nicht als Verein sondern als europäische Genossenschaft gründen, in der alle Mitglieder gleiches Stimmrecht besitzen. Bis die neue Verwertungsgesellschaft allerdings aktiv tätig werden kann, ist es noch ein weiter Weg. Über das Crowdfunding (Schwarmfinanzierung) im Netz wurden binnen 19 Tage 750 Kleininvestoren gefunden, die die C3S in ihrer Gründungsphase mit einer Summe von mehr als 50.000 Euro unterstützen. So ist erstmal die weitere Arbeit zum Aufbau der Gesellschaft gesichert. Das nächste Ziel ist die Summe von 200.000 Euro, mit der Entwickler eingestellt werden können, um das technische Konzept umzusetzen.

Gema stuft die C3S nicht als echte Konkurrenz ein

Die Gründung der Europäischen Genossenschaft ist für den 25. September im Rahmen des Reeperbahn Festivals angesetzt. Zudem soll möglichst schnell die Schwelle von 3000 Mitgliedern überschritten werden. "Bis wir den Antrag zur Zulassung beim Patent- und Markenamt einreichen können, dürften allerdings noch zwei Jahre vergehen", schätzt Schwetter.

Die Gema steht übrigens dem Projekt der C3S offen gegenüber - es bestehe ein reger, konstruktiver Austausch. "Wir fürchten uns allerdings nicht vor einer Konkurrenz, da wir die C3S nicht als echte Alternative zur Gema sehen", so Gema-Sprecherin Ursula Goebels auf Anfrage. Die Gema sei darauf ausgerichtet, eine angemessene Vergütung für die Nutzung der Werke ihrer Mitglieder zu erlösen. "Die C3S hingegen beruht im Grundsatz auf dem Creative Commons Konzept, das gerade den Verzicht des Urhebers auf die Vergütung voraussetzt."

Kann sich die Gema weiterentwickeln?

Allerdings sei die Gema derzeit bestrebt, ebenfalls mit Creative Commons Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln, um die Mitgliedschaft bei der Gema und die Vergabe der speziellen Lizenzen in Einklang zu bringen. Auch seien vergütungsfreie Streamings eigener Werke auf der persönlichen, nicht kommerziell genutzten Internetseite möglich.

Ob sich die Gema damit aus Sicht aller Musikurheber in Zeiten der Digitalisierung modern genug gestaltet, wird sich erst zeigen, wenn die "Cultural Commons Collecting Society" offiziell an den Start geht. Wenn dieser gelingt, will die C3S übrigens den Zulassungsbereich zügig europaweit ausbauen.

 

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