Neue Kostenexplosion beim Dortmunder U-Turm

Dortmunder U-Turm mit Videoinstallation - von der noch im Bau befindlichen Dachterrasse am 23.03.2011 fotografiert
Dortmunder U-Turm mit Videoinstallation - von der noch im Bau befindlichen Dachterrasse am 23.03.2011 fotografiert
Foto: WAZ FotoPool
Investitionskosten für den Ausbau zu einem „Zentrum für Kunst und Kreativwirtschaft“ sollen bei 83,5 Mio Euro liegen. Im November hieß es noch: 75,5 Millionen Euro. Genehmigt waren 52,8 Millionen.

Dortmund.. Die Kette immer neuer Kostenexplosionen beim „U“-Turm, der Dortmunds Vorzeigeprojekt im Kulturhauptstadtjahr 2010 hätte werden sollen, reißt nicht ab. Inzwischen sollen die Investitionskosten für den Ausbau des früheren Kellerei-Hochhauses der Union-Brauerei zu einem „Zentrum für Kunst und Kreativwirtschaft“ bei 83,5 Mio Euro liegen. So gibt ein nicht-öffentlicher Prüfbericht, der unserer Zeitung vorliegt, den Kostenpegel von Februar wieder. Im November hatte die Verwaltung dem Rat noch 75,5 Mio als Gesamtkosten genannt. Zum Vergleich: Beim Baubeschluss im März 2008 hatte das Stadtparlament ein Budget von 52,8 Mio Euro bewilligt. Die Kostenüberschreitung liegt also bei 58 Prozent – vorläufig.

Der Rat hatte die Rechnungsprüfer auf den U-Turm angesetzt, nachdem die Verwaltung für die Dach- und Fachsanierung, 2007 mit 4,9 Millionen Euro veranschlagt, tatsächliche Kosten von mehr als 22 Mio vorgerechnet hatte.

Als Hauptursache für die Kostensteigerungen machen die Prüfer die Entscheidung des früheren NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) aus, den Ausbau der Industrieruine zum Leuchtturm im Kulturhauptstadtjahr 2010 mit 32 Mio von EU und Land zu fördern. Weil die Zuschüsse bis Ende 2010 ausgegeben sein mussten, seien Planung und Bauausführung dermaßen unter Termindruck geraten, dass für die nötigen und auch vorgeschriebenen Prüfungen keine Zeit blieb. So sei die Kostenprognose, die dem Baubeschluss zu Grunde lag, mit dem Risiko einer Abweichung von 30 Prozent nach oben behaftet gewesen.

Vernebelung ab 2009

Die Frage der Fraktionen im Stadtrat, ob der Oberbürgermeister sie stets vollständig und zeitnah über Kostenentwicklungen und Folgen für den Etat informiert habe, be­antwortet die Innenrevision der Stadt zweigeteilt. Bis Ende 2008 sei der Rat „sachgerecht und zeitnah“ informiert worden. So lange war das Projekt auf rechtssichere Ratsbeschlüsse angewiesen. 2009 – in NRW fanden Kommunalwahlen statt, das Vorzeigeprojekt war nicht mehr zu stoppen – wurde die Politik bei den absehbaren Kostenüberschreitungen aus Sicht der Prüfer „nicht umfassend und sachgerecht informiert“. 2010 wurde es nicht viel besser. Zwischen Juli und Oktober, nach der Landtags- und der OB-Wiederholungswahl, hätte die Verwaltung dreimal die Chance gehabt, den Rat auf den aktuellen Stand zu bringen. Das geschah erst im November.

 
 

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