Nele Neuhaus ist fasziniert vom Charme des Ruhrgebiets

Nele Neuhaus: Ihre Krimis haben sich 3,5 Millionen Mal verkauft.
Nele Neuhaus: Ihre Krimis haben sich 3,5 Millionen Mal verkauft.
Foto: Felix Brüggemann
Bestseller-Autorin Nele Neuhaus schreibt Krimis, Jugendbücher, Romane – und sitzt nicht nur fest im Pferdesattel, sondern gerne auch im Stadion.

Frankfurt/M.. „Charlottes Traumpferd“ signieren? Für die Tochter? Nele Neuhaus schnappt sich das rosafarbene Buch, strahlt – und sprudelt sofort los: Denn „Won Da Pie“, der tierische Star der Reihe „Charlottes Traumpferd“, lebt noch immer und bekommt mit 35 Jahren sein Gnadenbrot auf einem Hof in Norddeutschland. Da sind die Koppeln flacher als bei ihr daheim im hügeligen Taunus. Mit Britta Heidemann sprach die 49-Jährige über Pferdemädchen, Taunusdörfer, den Charme des Ruhrgebiets – und ihre Liebe (auch zum Fußball).

Was macht Ihnen mehr Spaß – die Pferdebücher, die Krimis, oder die Romane?

Nele Neuhaus: Jedes Genre hat seinen Reiz. Beim Krimi muss man komplexe Spuren legen und aufpassen, wie und wann man die auflöst; Krimi-Leser sind schlau. Beim Roman ist es toll, dass man den Figuren so viel Raum geben, sie richtig entwickeln kann. Und die Pferdebücher sind mein Herzblut. So habe ich als Kind mit dem Schreiben angefangen, habe in meine Schulhefte Pferdegeschichten geschrieben. Das neue Charlotte-Buch habe ich in sechs Wochen geschrieben, das floss mir richtig aus der Feder. In der Welt von Charlotte fühle ich mich selbst wieder jung – das darf man nicht unterschätzen in meinem Alter!

Warum finden Mädchen Pferde wohl so toll?

Neuhaus: Es ist das Erlebnis, dass dieses große Lebewesen auf einen hört, wenn man es richtig behandelt. Das Pferd ist die erste große Liebe eines Mädchens. Genau wie bei Charlotte wurde mein erstes Pflegepferd Gento verkauft – für mich brach eine Welt zusammen. Die Seiten meines Tagebuchs von damals sind unleserlich, so sehr habe ich beim Schreiben geweint.

Wie viele Pferde haben Sie noch?

Neuhaus: Ich habe aufgehört, Springpferde zu züchten, weil ich selbst nicht springreite. Ich habe sie deshalb nach und nach verkauft. Aber gerade eben habe ich mir zwei Quarterhorse-Fohlen gekauft, weil ich das Westernreiten für mich entdeckt habe. Zum Fressen süß, die beiden. Sie sind vier und fünf Monate alt. Im Moment habe ich gar keine Zeit zum Reiten – ich schreibe viel und bin auch sehr viel auf Reisen.

Ihr erster Thriller „Unter Haien“ spielte in New York, berühmt aber wurden Sie für Ihre Taunus-Krimis.

Neuhaus: An „Unter Haien“ habe ich jahrelang geschrieben, das Buch auch selbst verlegt und vermarktet. Für das zweite Buch habe ich dann Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff erfunden, aber sie in einer fiktiven Gegend ermitteln lassen. Aber ich hatte Probleme, mich immer wieder neu einzufinden. Damals habe ich noch in der Fabrik meines damaligen Mannes gearbeitet und hatte wenig Zeit zum Schreiben. Dann habe ich an einem Nachmittag alle Schauplätze in reale Orte geändert – mit „Suchen und Ersetzen“ bei Word, das ging ganz schnell. Und plötzlich hatte die Geschichte für mich selbst einen ungeheuren Reiz; aber eben auch für meine Leser, die vertraute Orte wiedererkannten.

Warum ist das Dorf ein guter Krimi-Schauplatz?

Neuhaus: Die Menschen, die dort wohnen, kennen sich seit Generationen und wissen auch um die Leichen im Keller der anderen. Das hat mich fasziniert. Auf der einen Seite steht das Vertrauen, das Miteinander. Auf der anderen Seite wahrt man über Jahrzehnte Geheimnisse. In den Städten ist die Kriminalität eine ganz andere, aber durch die Nähe passieren manchmal noch viel, viel tragischere Sachen.

Glauben Sie, dass jeder Mensch etwas Böses in sich trägt?

Neuhaus: Ich befürchte schon. Jeder hat eine hellere und eine dunklere Seite. Oft passieren Dinge, die einen ganz normalen Menschen zu einer Tat verleiten, die er nicht mehr rückgängig machen kann. Und dann vergeht die Zeit, die Sache wird immer größer, immer monströser.

Ihre Bücher zeugen von einem ausgeprägten Gerechtigkeitsempfinden. Woher stammt es?

Neuhaus: Das hatte ich, glaube ich, immer schon. Aus diesem Grund habe ich auch das Jura-Studium nach dem sechsten Semester abgebrochen. Was ich dort gelernt habe, ging oft gegen mein Empfinden. Ich bin schon in der Schule angeeckt: Meine Freundin, deren Vater Busfahrer war, wurde schlechter benotet als meine Freundin, deren Vater Bankvorstand war – dabei waren beide gleich schlecht. Da konnte ich den Mund nicht halten.

Sie haben sich von Ihrem Mann, dem Springreiter Harald Neuhaus, vor fünf Jahren getrennt – und haben sich neu verliebt. Hat die Trennung auch mit Ihrem Erfolg als Autorin zu tun?

Neuhaus: Mein Ex-Mann hat nicht verstehen können, dass ich schreiben wollte. Er fand schon meine Lese-Wut immer befremdlich. Natürlich scheitert eine Ehe nach fast 25 Jahren nicht nur aus diesem Grund, aber es war eines der Themen. Mein jetziger Lebenspartner hat mich als Bestseller-Autorin kennengelernt und das immer unterstützt. Wir haben uns zufällig vor einer Buchhandlung getroffen, bei einem Tag der offenen Tür dort. Er ist Privat-Banker und heute auch Vorstandsvorsitzender meiner Stiftung. Es ist nicht einfach für einen erfolgreichen Mann, eine noch erfolgreichere Frau zu haben. Aber er macht das phantastisch und nimmt mir wahnsinnig viel ab. Und wir sind beide Fußballfans!

Welcher Verein?

Neuhaus: Matthias ist Fan von Eintracht Frankfurt, aber mein Verein ist der BVB. Ich bin dort sehr oft im Stadion.

Dortmund! Wie kommt das?

Neuhaus: Meine Mutter stammt aus Bochum, ich habe also Ruhrgebietswurzeln. Meine Großeltern wohnten in Weitmar, mein Opa war Stahlkocher und hinter dem Garten ragten die Hochöfen auf. Damals war mein Eindruck: schwarz, dunkel, staubig. Heute ist das Ruhrgebiet eine grüne Oase. Und was ich wirklich liebe, ist die Mentalität der Menschen, diese Unkompliziertheit, Herzlichkeit. Bei der Eintracht gibt es immer Kaviar und Shrimps. In Dortmund gibt es Currywurst für alle.

Und wann kommt Ihr Ruhrgebiets-Krimi?

Neuhaus: Ich überlege tatsächlich, Bodenstein und Pia mal einen Ausflug machen zu lassen. Aber ich verspreche nichts!

 
 

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